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01.10.1993

Entlassungsplaene trueben bei Detewe die Stimmung

Gut 14 Tage nach Eroeffnung ihres Zweigwerkes, der Fabrik 2001, teilte Detewe mit, dass in Berlin bis Ende des Jahres 230 von 2450 Arbeitsplaetzen abgebaut werden muessen. Langfristig sollen bundesweit 1200 Stellenstreichungen erfolgen - davon allein 500 in den beiden Berliner Standorten, aeusserte ein Detewe-Mitarbeiter.

Dem einst als Amtsbauer fuer die Deutsche Bundespost etablierten Telefonkonzern scheint fuer den Sektor des Pri-vatmarktes die noetige Power zu fehlen: Innovations- und Marketing-Strategien blieben bei dem immer noch etwas traege agierenden Unternehmen auf der Strecke. Geradezu verwoehnt von den Boomjahren 1990/91, in denen 3-Schicht-Betrieb gefahren werden musste (Marktanteil im Neubundesland: 17 Prozent), reagiert die Detewe-Fuehrungs-ebene auf den Preisverfall bei Endgeraeten zu rigide. Neue Produkte wurden zu lange entwickelt und zu spaet auf den Markt gebracht. Aber nicht nur dies brachte die Telefonbauer ins Abseits - auch die Anschlussauftraege der Telekom lassen auf sich warten.

Bei Spanferkel und Politprominenz schien die Detewe-Welt am 9. August 1993 noch in Ordnung. Bei Eroeffnung des Zweigwerkes der Deutschen Telefonwerke AG & Co. (Detewe) in Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin war gegenueber Wirtschaftsminister Guenter Rexrodt noch von einer Ergaenzung des Stammhauses in Berlin-Kreuzberg die Rede. Die Zahl der Arbeitsplaetze sollte in der "Fabrik 2001" von knapp 300, die sich aus den beiden Standorten (Berlin-Kreuzberg und - Weissensee) rekrutieren, auftragsabhaengig auf bis zu 500 anwachsen. Dabei sollte es zu Einstellungen aus dem Neubundesland kommen.

Von dem zur Schau getragenen Optimismus war vierzehn Tage spaeter nichts mehr uebrig. Bis Jahresende werden 230 Arbeitsplaetze abgebaut - betroffen davon sind nicht nur die Lohnempfaenger in den beiden Berliner Standorten: In der nach modernstem Produktions- und Logistik-Konzept (Fraunhofer Institut fuer Arbeitsorganisation, IFAO) fuer ueber 43 Millionen Mark erbauten Fabrik 2001 in Dahlwitz- Hoppegarten (Bran-denburg) werden 92 Arbeitnehmer gehen muessen. Statt zwei Schichten wird dann nur nur eine gefahren werden. Langfristig rechnen Deteweler im Kreuzberger Stammhaus gar mit 500 Entlassungen in Berlin und mit insgesamt 1200 bundesweit. Zwar kam die Ankuendigung, bis zum Jahresende 230 Abeitsplaetze abbauen zu muessen, fuer den Betriebsrat nicht ganz ueberraschend, "aber", so BR-Mitglied Norbert Kuester, "wir haben wenigstens mit einer Schamfrist gerechnet". Dass die nicht eingehalten wurde, zeige doch, wie sehr es brennt.

Weniger Auftraege

von der Telekom

Als Gruende fuer die Entlassungen gibt das Unternehmen die ruecklaeufige Auftragsvergabe durch die Telekom sowie die Auswirkungen der derzeitigen wirtschaftlichen Rezession an. Vor allem im Bereich der Oeffentlichen Vermittlungstechnik sowie bei anderen Telekom-abhaengigen Projekten verzeichnet Detewe "deshalb fuer das dritte und vierte Quartal 1993 als auch fuer 1994 einen erheblichen Auftragsrueckgang."

Dass der Telekom beziehungsweise der rezessiven Wirtschaftslage der Schwarze Peter zugeschoben wird, damit macht es sich das zum Mannheimer Roechling-Firmenkonglomerat (unter anderem Automobil-, Automati-sierungs-, System- und Wehrtechnik sowie Maschinenbau, Kunststoffindustrie und Buerosysteme) gehoerende Unternehmen nach Meinung von Insidern zu einfach. Kritik aus den eigenen Reihen richtet sich denn auch primaer an die Entwicklungsabteilung, der es bespielsweise nicht gelang, die Vermittlungsanlage Varex 200 wie avisiert in diesem Fruehjahr fertigzustellen. Ob sie im zweiten Quartal 1994 auf dem Markt sein wird, ist, so ein Kreuzberger Mitarbeiter, aeusserst fraglich. Ausserdem geben sich Consultings mit ihren Personalberatern und Psychologen staendig ein Stelldichein. "Wir bekommen dadurch nur mehr Arbeit und unbrauchbare Ergebnisse", klagt ein leitender Mitarbeiter. Freilich bleiben auch Vorwuerfe an die Telekom nicht aus. Die Praxis der Telepostler, die teilweise hochprojektierten Auftraege fuer Vermittlungen nur in Hoehe der dann auch geschalteten Anschlusseinheiten zu bezahlen, bringt ein junger Angestellter auf den Punkt: "Schlicht und einfach erpresserisch."

Im Anrufbeantworter steckt die Hoffnung

Anders sieht es da bei der Telekom-Exklusiv-Entwicklung "Actron AB" aus, einem Telefon mit integriertem Anrufbeantworter. Der neueste Wurf von Detewe, entstanden in enger Kooperation mit der Telekom, ist weltweit der erste Anrufbeantworter auf Chipbasis. Aufnahmedauer: 20 Minuten, VIP-Fernabfrage etc. Laut Telekom, Bonn, soll das Superding schon fuers Weihnachtsgeschaeft vorliegen, zumindest in geringen Stueckzahlen. Preis des Actron AB: Zwischen 450 und 500 Mark.

Aber auch diese Innovation kann keine Beschaeftigungsgarantie fuer die insgesamt noch 3 852 Mitarbeiter sein. Ein flaechendeckender Sozialplan wird momentan ausgehandelt. Zur Zukunft des Unternehmens will sich Detewe erst bei der Hauptversammlung im November aeussern. Einige Mitarbeiter befuerchten, dass bis zum Jahre 2000 die Berliner Standorte ganz aufgegeben werden. So gehoert das Kreuzberger Stammhaus der 1990 gegruendeten Anlagenverwaltung OHG und Detewe zahlt Miete. Fuer die Immobilie, ein Berliner Filetstueck, soll es schon Anfragen geben.

CW-Bericht, Andrea Rausch

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