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12.01.1996 - 

40000 Jobs fallen weg - Analysten: Das ist nur der Anfang

Entlassungswelle begleitet die Aufspaltung des AT&T-Konzerns

Im September letzten Jahres kuendigte der TK-Konzern AT&T die Aufsplittung des Unternehmens in drei unabhaengige boersennotierte Gesellschaften an. Unter der Firmenbezeichnung AT&T sollen die Telecom-Services weiterbetrieben werden. Das TK-Equipment und die entsprechenden Geschaeftsbereiche wie AT&T Network Systems, Global Business Communications Systems Group und Consumer Products, die zum Verkauf stehende Business Unit AT&T Paradyne sowie AT&T Microelectronics werden in einer neuen, noch namenlosen Gesellschaft zusammengefasst. Das dritte Unternehmen wird das Computergeschaeft des bisherigen Geschaeftsbereichs AT&T Global Information Solutions (GIS), der 1991 fuer sieben Milliarden Dollar erworbenen ehemaligen NCR Corp., weiterbetreiben. Auch die Computersparte soll einen neuen Namen erhalten.

Dass der Konzernaufteilung zahlreiche Arbeitsplaetze zum Opfer fallen werden, war abzusehen, nachdem AT&T kurz nach der Bekanntgabe des geplanten Umbaus etwa 78000 Mitarbeitern ein Abfindungsangebot unterbreitet hatte. Vor kurzem nannte das Management des Telefongiganten erstmals Zahlen: 40000 der 300000 (Stand: Januar 1996) Beschaeftigten sollen von der Payroll verschwinden. Das war mehr, als Insider vermutet hatten, die von einer Reduktion um 25000 bis 30000 Stellen ausgegangen waren.

Der Arbeitsplatzabbau trifft nach Unternehmensangaben in erster Linie die amerikanischen Arbeitnehmer. Die muessen allerdings recht bald mit ihrer Kuendigung rechnen. 70 Prozent der geplanten Kuerzungen sollen Ende 1996 realisiert sein. Entlassen werden 30000 Mitarbeiter, 6500 Beschaeftigte haben das Abfindungs- und Vorruhestandsangebot angenommen, knapp 4000 will AT&T durch Unternehmensverkaeufe von der Gehaltsliste streichen.

Leidtragende des Job-Abbaus sind diesmal die Mitarbeiter der Produkt- und Servicegesellschaften, die sich um 17000 beziehungsweise 23000 Personen verkleinern. Der Computersektor bleibt offenbar aussen vor. Auch bei der deutschen Niederlassung von AT&T GIS in Augsburg hat man von weiteren Entlassungsplaenen nichts gehoert. Die Computertochter war allerdings schon im Herbst 1995 Opfer des Rechenstifts geworden, als es hiess, dass 8500 von 42800 Mitarbeitern ihren Hut nehmen muessen.

Davon ist auch die Augsburger Niederlassung betroffen. So ist das Schicksal des dortigen PC-Werks nun offenbar besiegelt. Es wird einer Unternehmenssprecherin zufolge am 15. Februar dieses Jahres geschlossen. Die 450 Mitarbeiter werden teils entlassen, teils in der neugegruendeten, auf zwei Jahre Lebensdauer angelegten Projekt-und Trainigsgesellschaft aufgefangen. Dort koennen sie sich mit der Hoffnung auf bessere Arbeitsmarktchancen umschulen und weiterbilden.

Die Boerse reagierte auf die Ankuendigung der Massenentlassungen mit Kursanstieg, wenngleich AT&T mit den Streichungen verbundene Aufwendungen in Milliardenhoehe ankuendigte. So werden die Massnahmen das Ergebnis im vierten Quartal um vier Milliarden nach Steuern beziehungsweise um 2,50 Dollar je Aktie schmaelern. Im Vorjahr hatte der Gewinn des vierten Quartals 1,34 Milliarden Dollar oder 85 Cent pro Anteilsschein betragen. In den ersten neun Monaten des aktuellen Geschaeftsjahres meldete der TK-Konzern einen Gewinn von 2,82 Milliarden Dollar oder 1,77 Dollar pro Anteilsschein. Analysten gehen angesichts dessen insgesamt von einem betraechtlichen Jahresverlust aus.

Marktbeobachter nehmen an, dass die bei AT&T vorgesehenen Stellenkuerzungen nur der Anfang einer Massenentlassungswelle in der Carrier-Branche sein werden. So steht nicht nur in Europa das Ende der nationalen Telefonmonopole an, sondern auch in den USA will die Regierung die Telekommunikation reformieren. Damit entsteht fuer die TK-Anbieter sowohl in den USA als auch in Europa, wo die nationalen Telefonmonopole 1998 endgueltig aufgehoben werden sollen, eine neue Konkurrenzsituation, die nach Meinung von Analysten zu Zusammenschluessen und Entlassungen fuehren wird.

Bei den Baby Bells seien immer noch zuviel Mitarbeiter an Bord, obwohl die Gesellschaften seit 1984, dem Jahr in dem der damalige nationale Telefongigant AT&T in Einzelunternehmen zerschlagen wurde, fast 130000 Beschaeftigte entlassen haben. In diesem Jahr seien Kuerzungen um weitere 50000 Arbeitsplaetze zu erwarten, zitiert das "Wall Street Journal" Schaetzungen der Analysten. Auch der TK-Anbieter Nynex plant bereits den Abbau von knapp 17000 Mitarbeitern.

Den europaeischen Carriern wird der Wind angesichts der kommenden Konkurrenz aus Uebersee auch kraeftig ins Gesicht blasen: "Falls sich British Telecom weiter behaupten will, muss es seinen Personalstand halbieren, und bei den restlichen Europaeern sieht es nicht anders aus", konstatiert Chris McFadden von Merrill Lynch in dem US-Wirtschaftsblatt. Berechnungen der Analysten zufolge benoetigt der britische Carrier 48,8 Personen, um 10000 Leitungen in Betrieb zu halten, waehrend der US-Anbieter Ameritech bei der gleichen Leitungsmenge mit 27 Mitarbeitern auskommt. Wenngleich Ameritech internationalen Telefonverkehr und Long-Distance-Verbindungen von AT&T abwickeln laesst, zeigten sich daran doch Unterschiede in der Effizienz.