Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.12.1987 - 

Wettbewerbsfähigkeit durch Einsatz moderner SW-Techniken sichern:

Entscheider brauchen neues Instrumentarium

Der mehr wird der Einsatz von relationalen Datenbank-Management-Systemen und Sprachen der vierten Generation zu einem Muß für die strategische Entscheidungsebene. Nur wenn die in der Führungsspitze tätigen Mitarbeiter dieses Instrumentarium beherrschen, ist auch künftig die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gesichert. Wolfgang Baacke* gibt einen Überblick über die Situation.

Vor gut 15 Jahren waren an den Hochschulen der USA - und in der Folge auch in Europa - Management-Informationssysteme (MIS) modernes Schlagwort und Wunschtraum zugleich. Theoretisch wurden die Modelle erarbeitet, und auf dem "Reißbrett" der Organisationswissenschaftler erschienen sie als ein ideales Medium fortschrittlicher und erfolgreicher Unternehmensführung. Dem lag eine durchaus triviale Erkenntnis zugrunde: Daß nämlich Unternehmensführung nur so gut sein kann wie die Informationen, die in dem Regelkreis verarbeitet und ausgewertet werden.

Die praktische Umsetzung der Ideen scheiterte damals an den DV-technischen Realitäten. Heerscharen von hochbezahlten Spezialisten waren zu fast 80 Prozent damit beschäftigt, die laufenden Anwendungen des Alltagsgeschäfts, also der operativen Ebene, zu pflegen und sie am Leben zu erhalten. Für Neuentwicklungen oder gar für die damals vielfach noch als "Luxus" bezeichneten Informationssysteme waren weder Mittel noch technische Ressourcen vorhanden. Die rasante Entwicklung der Hard- und Software-Technik hat das Bild inzwischen gewandelt.

"Alltags-Daten" bilden Basis für Entscheidungen

So können denn auch die Aufgaben der operativen Entscheidungsebene weithin als gelöst betrachtet werden, die gesamte Energie an System-Know-how ist in ihre Entwicklung eingeflossen. Heute gibt es ausgefeilte Systeme mit hohen Transaktionsraten, die unter Einsatz höherer Programmiersprachen und hierarchischer Datenbanksysteme geschaffen wurden. Und in der Tat wickeln diese Systeme nicht nur das Alltagsgeschäft in Produktion, Vertrieb, Versand und Rechnungswesen ab, sondern sie stellen gleichzeitig die Datenbasis für die Informationen dar, die von der Unternehmensführung benötigt werden, um strategische Entscheidungen fundiert zu treffen.

Mit dieser Erkenntnis ist aber die Welt noch lange nicht in Ordnung. Die Systeme der operativen Ebene sind auf die praktische Abwicklung ausgerichtet, und sie verwenden dafür effiziente Datenbanksysteme und Programmiersprachen, die aber meist zu etwas starren Lösungen führen, so daß die ständig wechselnden Fragestellungen der Unternehmensführung kaum zeitgerecht beantwortet werden können.

Drei Voraussetzungen müssen zur Abhilfe geschaffen werden:

- Die Datenhaltungssysteme für die strategische Entscheidungsebene müssen in ihrer Struktur flexibel genug sein, um wechselnde Fragestellungen ohne großen Programmieraufwand beantworten zu können.

- Die dazu notwendigen Programme müssen, um der Aktualität zu genügen, hinreichend schnell erstellt werden können beziehungsweise als vorgefertigte Systeme mit hoher Endbenutzerfreundlichkeit auf die Informationen in den Datenbanken zugreifen und diese auswerten können.

- Die Datenbanken der strategischen Entscheidungsebene dürfen kein isoliertes Eigenleben führen, sie müssen vielmehr integrierbar sein in die Systeme der operativen Ebene, und zwar in beiden Richtungen: Einmal greifen sie dort auf die aktuellen Daten zu, so daß sich die Entscheidungsfindung auf der strategischen Ebene realitätsbezogen verhält und die dort erarbeiteten Modelle ein Abbild der Wirklichkeit bieten. Zum anderen sind die getroffenen Entscheidungen aber gleichzeitig ein Feedback für die operativen Systeme; sie geben die Größen vor, an denen sich die Zielerfüllung der operativen Ebene auszurichten hat.

Relationale Datenbanken sorgen für Flexibilität

Wie steht es nun mit der Realisierbarkeit dieser Forderungen? Was die Datenbanksysteme betrifft, hat sich ein Prozeß vollzogen, der von der hierarchischen Datenbank mit ihren festgefügten Strukturen zu relationalen Modellen geführt hat. Hier werden nicht mehr beim Systemdesign die Verknüpfungsmöglichkeiten und Beziehungen der einzelnen Datenelemente (Dateien, Sätze, Felder) festgelegt; dies geschieht vielmehr zur Laufzeit der Programme. Die Daten sind in Tabellen (Relationen) enthalten, die nahezu beliebig miteinander verknüpft werden können. Damit ist die erste Voraussetzung erfüllt.

Die Programme, die den Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt werden müssen, um auf die Daten zugreifen zu können, Modelle zu rechnen, diese zu ändern und ferner Fragestellungen gerecht zu werden, die sich immer wieder ändern, können nicht erst in jahrelanger Arbeit entwickelt werden; sie müssen kurzfristig zur Verfügung stehen. Dies ist mit konventionellen Programmiermethoden nicht mehr zu erreichen.

4 GLs nur integriert mit operativer Ebene sinnvoll

Deshalb haben die Software-Techniker die Sprachen und Werkzeuge der vierten Generation geschaffen. Inzwischen gibt es von diesem Systemtyp unterschiedliche Ausprägungen, die das gesamte Spektrum vom PC bis zum Großrechner abdecken. Ihr Einsatz im Rahmen eines umfassenden Management-Informationssystems hat nur dann Sinn, wenn sie mit den Systemen der operativen Ebene integriert werden können. Diese Möglichkeiten sind bei einigen Systemen gegeben.

Früher scheiterte die Realisierung von Management-Informationssystemen nicht nur an der im Vergleich zu den Anforderungen zu geringen beziehungsweise zu teuren Leistung der Hardware. Eine entscheidende Rolle spielte nämlich auch die isolierte Existenz der einzelnen Systeme, also die Unmöglichkeit, diese zu integrieren. Noch heute sind große konventionelle Datenbanksysteme im Markt, die außer einigen Import-/Export-Mechanismen zu ihren relationalen "Schwester-Systemen" keinerlei Verbindung haben. Eine wirklich integrierte Datenverarbeitung ist damit nicht möglich.

Andererseits gibt es Hersteller, die Systeme zur Verfügung stellen, bei denen es möglich ist, aus ein und demselben Cobol-Programm sowohl auf hierarchische als auch auf relationale Datenbanken zuzugreifen. Auf diese Weise lassen sich die für die strategische Entscheidungsebene benötigten Daten einfach, sicher und aktuell aus den operativen Systemen herausziehen.

Logische Differenzierung ergänzt Systemintegration

Unterstützt wird dieses integrierte Konzept durch die Vernetzbarkeit von Rechnern verschiedener Größenordnung. So besteht die Möglichkeit, die Informationspyramide auch sozusagen hardwaretechnisch abzubilden: Die Zentralsysteme der operativen Ebene können ohne Schwierigkeiten von den Aufgaben für Entwicklung und Informationsbereitstellung entlastet werden. Der Datenverbund mit Job- und File-Transfer erlaubt die physische Trennung und die logische Differenzierung bei gleichzeitiger Integration der Systeme. Die Unterteilung in die Bereiche Operations Center, Development Center und Information Center wird in einigen Unternehmen bereits mit Erfolg praktiziert.

Die Zukunft der Unternehmen in den verschiedenen Wirtschaftszweigen wird in hohem Maße davon abhängen, inwieweit es ihnen gelingt, strategische Entscheidungen rechtzeitig auf Basis des aktuell vorhandenen Datenmaterials und der sich daraus ergebenden Indikatoren zu treffen. Die Hard- und Software-Technik stellt die dazu benötigten Hilfsmittel zur Verfügung.