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10.10.1986 - 

Nutzwertanalyse-System an der TU Berlin entwickelt:

Entscheidungshilfe für PCM-Investitionen

Bei der Auswahl eines IBM-kompatiblen Großrechners soll ein an der Technischen Universität Berlin kreiertes PC-Programm behilflich sein. Sein Kern besteht in einem "Nutzwertanalyse-System", das im Dialog mit dem Anwender die individuell gesetzten Prioritäten mit den Daten von 100 gespeicherten IBM- und steckerkompatiblen Mainframes abgleicht. Bernd Scholz - beschreibt die Software.

Immer wieder wird in Umfragen festgestellt, daß Entscheidungen bei der Wahl zwischen IBM- beziehungsweise dazu steckerkompatiblen Großrechnern in der Praxis oft irrational getroffen werden. Dieses erstaunt nicht weiter, denn es handelt sich bei dieser Auswahl um eine komplexe Entscheidungssituation, die unter anderem durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist:

- Es sind eine Vielzahl von Alternativen und Kriterien zu berücksichtigen.

- Die verfolgten Zielsetzungen lassen sich nur teilweise in Mark und Pfennig umrechnen.

- Viele dieser Zielsetzungen können nicht in Zahlen ausgedrückt, sondern nur qualitativ benannt werden.

- Es besteht die Schwierigkeit, den vielschichtigen Zielvorstellungen konkrete Ertragswerte zuzuordnen. Der Markt ist in dieser Beziehung nur schwer zu durchschauen.

- Ein "Entscheidungsunterstützungssystem" zur Erleichterung der Auswahl steht in der Regel nicht zur Verfügung. Ein solches System soll dem Entscheidungsträger die formalen Schritte innerhalb einer abgesicherten Vorgehensweise abnehmen.

Das war die Ausgangssituation, als am Fachgebiet Systemanalyse und EDV der Technischen Universität Berlin ein Entscheidungsunterstützungssystem entwickelt wurde, das eine leichtere und rationellere Auswahlentscheidung ermöglichen soll.

Die Arbeit, die in diesem Aufsatz kurz im Überblick dargestellt werden soll, gliedert sich in zwei grundlegende Teile.

Im ersten Teil wird eine Studie vorgestellt, die aufgrund einer Marktuntersuchung die PCM-Welt umfassend darstellt. Dem Entscheidungsträger soll sie eine Orientierungshilfe geben. Er kann sich über die Entwicklung und den derzeitigen Stand auf diesem Markt informieren und ein eigenes Bild über die Chancen und Risiken bei der Wahl zwischen IBM- und IBM-kompatiblen Großrechnern machen. Der zweite Teil ist ein auf einem IBM PC implementiertes Entscheidungsunterstützungssystem.

Mit seiner Hilfe kann der Entscheidungsträger seine Einschätzungen unter Berücksichtigung seiner individuellen Anforderungen in die Auswahlentscheidung einfließen lassen.

Die Erleichterungen, die das System für den Benutzer mit sich bringt, tragen dazu bei, daß Entscheidungen systematisiert und abgesichert werden. Die wesentlichen Kriterien werden auf sämtliche Alternativen angewandt.

Das Auswahlsystem bietet einerseits Informationen und andererseits ein formales Verfahren - die Nutzwertanalyse - für die Auswahl an. Folgende Funktionen kann der Entscheidungsträger wählen:

Die Funktion "Auflistung der Zentraleinheiten" erzeugt eine nach dem Durchsatz sortierte Liste der abgespeicherten Mainframes mit Anbieter und Anlagenbezeichnung. Zur Zeit enthält sie über 100 Anlagen, sowohl Skalar- als auch Vektorrechner, in einem Leistungsspektrum von 0,3 Mips bis 1142 Megaflops.

Die Funktion "Information über Zentraleinheiten liefert zu jedem einzelnen Großrechner detaillierte Angaben. Es sind rund 140 Daten über jeden Rechner gespeichert. Das sind technische Angaben über die Hardware: Über den Zentralprozessor, den Haupt- und Pufferspeicher und das Kanalsubsystem, über Features, physikalische Umgebungsbedingungen und die verwendbare Software, über Wartung und Service sowie über Preise und Kosten.

Wird die Funktion "Informationen über Anbieter" gewählt, so listet das Programm Informationen über IBM und die fünf PCM-Anbieter auf.

Mit Hilfe der Funktion "Auflistung der Bewertungskriterien kann sich der Benutzer die hierarchisch aufgebauten Kriteriensysteme sowohl für Skalar- als auch für Vektorrechner ausgeben lassen. Über alle Ebenen enthalten diese jeweils rund 180 Kriterien.

Bei der "Durchführung einer Nutzwertanalyse" wird von folgender Entscheidungssituation ausgegangen:

Der Entscheidungsträger will einen Mainframe aus der IBM-Welt beziehen. Das Einsatzgebiet mit seinen spezifischen Anforderungen ist ihm bekannt. Er kennt entweder die Bezeichnung eines Großrechners aus der IBM-Welt, der größenordnungsmäßig den Anforderungen entspricht, oder ihm ist aus Lastberechnungen die ungefähr benötigte Leistung in Mips oder Megaflops bekannt. Davon ausgehend will er einen für ihn optimalen Mainframe aus der IBM-Welt auswählen. Er ist fachkundig, kennt die Bedeutung der vorgegebenen Bewertungskriterien und kann diese gewichten. Außerdem ist er in der Lage, verschiedene Ausprägungen der einzelnen Kriterien zu interpretieren und eine für ihn gültige Wertvorstellung zu entwickeln. Soll-Anforderungen (KO-Kriterien) kann er festlegen.

Der Ablauf des Auswahlprozesses ist folgender:

Das System fordert den Entscheidungsträger auf, die Bezeichnung eines Mainframes seiner Wahl oder den ungefähr benötigten Durchsatz anzugeben. Daraus ermittelt das System die möglichen Alternativen. Anschließend muß der Entscheidungsträger die Gewichtung der für ihn wichtigen Auswahlkriterien stufenweise - entsprechend dem Kriteriensystem - festlegen. Zu allen relevanten Gesichtspunkten der untersten Ebene bewertet er dann mit Hilfe des Systems die Erträge oder den Grad der Zielannäherung.

Dabei werden die einzelnen Mainframes einander paarweise gegenübergestellt. Auch die Eingabe von Werten für KO-Kriterien ist möglich. Das Ergebnis dieser Nutzwertanalyse ist, daß die zur Auswahl stehenden Alternativen danach geordnet werden, in wie weit sie in Frage kommen. Grundlage der Bewertung ist der ermittelte Gesamtnutzenwert jeder Alternative. Mit Hilfe verschiedener "kardinaler Wertprofile" ist es möglich, die durchgeführte Auswahl anschaulich darzustellen.

Die Fläche der zu der jeweiligen PCM-Anlage gehörenden Kurve stellt den Gesamtnutzen des Rechners dar.

Obwohl das hier grob skizzierte Auswahlverfahren einen entscheidenden Beitrag dazu liefert, die Auswahl zu formalisieren, soll die Nutzwertanalyse nur eine unter mehreren Entscheidungshilfen sein. Getrennt von der Nutzwertanalyse oder in sie integriert sollten zum Beispiel Investitionsrechnungen durchgeführt werden.

Nutzwertanalyse: Nur eine von mehreren Hilfen

Die Leistungsfähigkeit eines Mainframes läßt sich in der Regel nicht nur aus technischen Daten, wie sie in dieser Auswahlhilfe unter anderem vorgegeben sind, ableiten. Sie sollte vielmehr mit Hilfe von Hard- und Softwaremonitoren, Jobprotokollierungsroutinen, Mixkennzahlen, Kernels, Benchmarktests, Simulationsverfahren und/oder Treibern - um nur einige wichtige Möglichkeiten zu nennen - erfolgen, wobei die Ergebnisse in die anschließende Nutzwertanalyse einfließen. Wie weit der Entscheidungsträger hierbei gehen will, hängt von seinen Anforderungen an die Entscheidungsfindung ab.

Für die Nutzwertanalyse als eine wesentliche Methode der Entscheidungsunterstützung spricht folgendes:

Neben den objektiven Werten, die die Mainframes zu bieten haben, wird das subjektive Wertsystem des Entscheidungsträgers berücksichtigt. Die Eigenschaften der zur Auswahl stehenden Anlagen werden überlagert von den Werturteilen des Entscheidungsträgers, die die Eignung für die von ihm vorgegebenen Zwecke betreffen. Die Berücksichtigung des subjektiven Wertsystems ist die Voraussetzung dafür, daß der optimale Mainframe für einen speziellen Anwender und ein spezielles Anwendungsgebiet gefunden wird.

Die Zusammenfassung der einzelnen Urteile in verschieden gewichtete Kriterien zu einem Gesamtnutzen erleichtert die abschließende Entscheidung. Die Möglichkeit, viele multidimensionale Gesichtspunkte in die Entscheidung einfließen zu lassen, berücksichtigt die Tatsache, daß die Auswahl eines Mainframes bei weitem nicht nur vom Preis-/Durchsatzverhältnis abhängig ist. Die Nutzwertanalyse erhöht die Durchsichtigkeit des Entscheidungsprozesses.

Die Entscheidungen werden nachvollziehbar, weil der komplizierte Urteilsakt in einzelne nach formalen Regeln gestaltete Prozesse zerfällt. Diese Transparenz kann bei so weitreichenden Entscheidungen wie der Auswahl eines Mainframes nur erwünscht sein. Der Urteilsaufwand für den Entscheidungsträger ist bei der Nutzwertanalyse hoch, weil sehr viele Entscheidungen zu treffen sind.

Allerdings senkt die Aufspaltung einer vieldimensionalen Beurteilung in genau so viele einzelne Urteilsakte die Anforderungen an die Urteilskraft je Urteilsakt erheblich.

Hoher Urteilsaufwand durch viele Entscheidungen

Wenn so viele Bewertungskriterien berücksichtigt werden müssen wie bei der Auswahl eines Mainframes, ist es besser, die Anzahl der Urteilsanforderung zu erhöhen und dadurch die Qualität der Urteilsanforderung zu senken. Dadurch wird die Gefahr einer Fehlentscheidung aufgrund einer Überforderung des Entscheidungsträgers vermieden.

Deshalb kann diese Arbeit einen Beitrag dazu leisten, daß es den Anwendern möglich wird, alle zur Verfügung stehenden Alternativen zu untersuchen, ohne eigene umfangreiche Markterhebungen durchzuführen.