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14.12.1990 - 

MSPC-DOS, OS2 und Unix können durchaus harmonieren (Folge 2):

Entscheidungskriterien beim Einsatz neuer Betriebssysteme

Aufgrund unterschiedlicher Anforderungen an die Datenverarbeitung können verschiedene leistungsfähige Betriebssysteme eingesetzt werden. Am Beispiel MS-DOS, OS/2 und Unix soll aufgezeigt werden, daß auf dem Markt konkurrierende Systeme durchaus in dem Informationssystem, eines Unternehmens harmonieren können (Folge 1 dieses Artikels erschien in CW 49, Seite 52).

Unix wurde von 1969 bis 1973 von den Amerikanern D. M. Ritchie und K. Thompson in den "Bell Laboratories" der Fa. AT&T als echtes Multi-User/Multi-Tasking-Betriebssystem entwickelt. 1975 vergab AT&T verschiedenen Firmen Lizenzen für den Einsatz und die Weiterentwicklung von Unix. Nach einer über 20jährigen Entwicklungszeit existieren heute eine Vielzahl von Derivaten: Berkeley-Unix, SCO-Unix, Xenix, Sinix, IBM AIX, Apple AUX etc.

Im wesentlichen stehen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwei Unix-Fronten gegenüber, die jeweils nicht in der Lage sind, ihre Unix-Entwicklung als Standard auf dem Markt durchzusetzen:

1. die 1988 gegründete Open Software Foundation (OSF), die eine Entwicklung einer offenen Software-Umgebung unabhängig von AT&T durchführen will; Gründungsmitglieder sind die Firmen: IBM, DEC, Apollo (heute HP), Bull, Hewlett-Packard (HP), Nixdorf (heute Siemens) und Siemens;

2. der auf der Gründung von OSF im gleichen Jahr 1988 erfolgte Zusammenschluß von Unix-International (Ull), dessen Mitglieder sich auf die Seite von AT&T stellen (sogenannte Archer Group), mit den Gründungsfirmen: Amdahl, Control Data, Fujitsu, Gould, ICL, Motorola,

NCR, Olivetti, Prime, Sun, Toshiba und Unisys.

Während sich die Unix-Entwicklung der OSF - das gerade freigegebene OSF/1 - auf IBMs AIX stützt und Motif als Benutzeroberfläche (eine DEC- und HP-Technologie) benutzt, vertritt die UII die Unix-Basis von AT&T: das Unix-System/V mit der Benutzeroberfläche Open Look.

Dieser "Unix-Krieg" läßt zwar kurzfristig nicht auf einen Standard schließen, jedoch hat der Zusammenschluß dieser beiden Gruppen dazu geführt, daß von den 1988 etwa 200 existierenden Unix-Derivaten mittelfristig vermutlich nur noch zwei übrig bleiben werden.

Das Bekenntnis von OSF und Ull zur 1984 gegründeten X/Open - einem älteren Gremium zur Standardisierung von offenen Systemen - läßt zumindest langfristig auf ein einheitliches Unix hoffen.

Die Portabilität von Unix ergibt sich aus dessen modularem Aufbau und der Tatsache, daß lediglich zehn Prozent des Quellcodes - der Hardware-abhängige Teil - in Assembler programmiert wurde; die restlichen 90 Prozent sind in der Programmiersprache "C" geschrieben. Für eine Portierung auf eine neue Hardware-Plattform muß lediglich dieser Assembler-Teil umgeschrieben werden.

Die Nachteile von Unix liegen in der fehlenden Standardisierung, der komplexen Benutzeroberfläche und den hohen Hardware-Voraussetzungen für Arbeits- und Massenspeicher (zum Beispiel allein bis zu 800 KB RAM für den Unix-Kern). Insgesamt kann für die Hardware-Ausstattung zumindest die gleiche Größe wie für OS/2 angesetzt werden: 80386SX-, 80386- oder 80486-Prozessor, mindestens 2 MB RAM und eine Festplatten-Kapazität von mindestens 40 MB.

Unix wird trotz seiner vielen inkompatiblen Derivate und fehlenden Standardisierung als offenes Betriebssystem bezeichnet. Viele verschiedene Firmen sind an seiner Weiterentwicklung beteiligt. Eine Anpassung an spezielle Rechner kann im Vergleich zu OS/2 bei den Endanwendern vorgenommen werden, allerdings oft nur durch Unix-Experten.

Gegenüberstellung von MS/PC-DOS, OS/2 und Unix

Die folgende Tabelle skizziert einige Vor- und Nachteile der genannten Betriebssysteme:

Hier soll aufgezeigt werden, daß aufgrund der vielfältigen Anforderungen an die heutige Datenverarbeitung, durchaus Betriebssysteme verschiedener Leistungskategorien für das Informationssystem eines Unternehmens eingesetzt werden können.

Das Einsatzgebiet von MS/PC-DOS

DOS bietet für viele Anwender kostengünstige Standard- und Branchenlösungen, die leicht auf die eigenen Bedürfnisse angepaßt werden können. Demnach ist MS/PC-DOS das geeignete Betriebssystem für die individuelle Datenverarbeitung, an die variable Anforderungen gestellt werden.

Die Verwendung von DOS-Extendern (zum Beispiel MS-Windows) ermöglicht ein Pseudo-Multi-Tasking, dessen Leistung für viele Endbenutzer voll ausreichend ist.

Aufgrund seiner großen Verbreitung und des relativ geringen Schulungsaufwandes bietet DOS eine wirtschaftliche Alternative zu OS/2 und Unix.

Als Betriebssystem für Clients in Netzwerken ist es aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit, vor allem auch was die geringen Hardware-Anforderungen betrifft, in Zukunft nicht wegzudenken.

Durch die Beschränkung der Hauptspeicher-Kapazität auf 640 KB beziehungsweise die relativ geringe Auslastung der eigentlichen Leistung von Intel-80286/80386/80486-Prozessoren bei der Verwendung des Expanded-Memory-Verfahrens eignet sich MS/PC-DOS nicht für komplexere Anwendungen, die große Datenmengen zu bearbeiten haben. Dies gilt insbesondere für Server (File-, Print- oder Kommunikations-Server) in PC-Netzwerken, deren Betriebssystem ein echtes Multi-Tasking unterstützen sollten.

Durch die einfach zu handhabende Benutzeroberfläche und der DOS-ähnlichen Befehlsstruktur kann OS/2 dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn DOS aufgrund seiner Beschränkungen nicht mehr ausreicht.

Funktionen von OS/2, wie der Kommunikations-Manager und der Datenbank-Manager in der Extended Edition sowie die Fähigkeit zur Hintergrundverarbeitung, provozieren den Einsatz von OS/2 als Betriebssystem für Server in PC-Netzwerken. Bei zu erwartendem hohem Kommunikationsaufkommen ist der Einsatz eines Intel-80386-Prozessors i. V. m. der OS/2-Version 2.0 von Microsoft, die die Leistung dieses Prozessors ausnutzt, ratsam.

Aufgrund des derzeitig noch zu geringen Angebotes an Standard- und Branchen-Software, eignet es sich nicht für die individuelle Datenverarbeitung mit variablen Anforderungen. Die Verwendung von DOS-Programmen der sogenannten DOS-Box von OS/2 degradiert die Fähigkeiten der Rechner, das heißt die Wirtschaftlichkeit einer solchen Lösung ist in Frage gestellt.

Hinzu kommt, daß in der Praxis nur wenige Anwender ein echtes Multi-Tasking benötigen oder gar bedienen können. Ein Pseudo-Multi-Tasking, wie es die genannten DOS-Extender ermöglichen, ist sehr häufig ausreichend.

Unix für immer höhere Anwendungen

Unix ist derzeit das einzig verbreitete Betriebssystem, das auf den lntel-Prozessoren 80386/80486 als Mehrplatz-Betriebssystem verfügbar ist.

Ursprünglich wurden Unix-Systeme im naturwissenschaftlich-technischen Bereich eingesetzt, sie erobern aber in letzter Zeit auch den kommerziellen Bereich.

Der Einsatz als Server in PC-Netzwerken ist zwar möglich, aber aufgrund der größeren DOS-Nähe von OS/2 nicht ratsam. Der Einsatz von Unix-Systemen erfordert einiges an Programmiererfahrung, auf die in den meisten Unternehmen in der Regel nicht zurückgegriffen werden kann. Betrachtet man die Praxis, in der aufgrund geringer Schulung viele Anwender schon mit MS-DOS ihre Probleme haben, so könnte sich die Einführung von Unix als Server in PC-Netzwerken auf die Effektivität und Verfügbarkeit des Netzbetriebes auswirken. Die gegenüber OS/2 schnellere Kommunikationsfähigkeit würde nicht ausgenutzt.

Kann auf ein "Unix-Know-how" in einem Unternehmen nicht zurückgegriffen werden, so sollte Unix allenfalls für Mehrplatz-Systeme eingesetzt werden, auf denen Anwendungen implementiert sind, deren Anforderungen langfristig konstant sind.

Die Installation des Mehrplatz-Systems sollte dann von den Software-Anbietern vorgenommen werden.

Ideal geeignet ist Unix für kreative Software-Entwickler, für die es ein mächtiges Werkzeug darstellt. Die vielen Fähigkeiten von Unix unterstützen die immer höheren Anforderungen an die Software-Entwickler.

Mittelfristige Koexistenz

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Konzeption und Leistungsfähigkeit von MS/PC-DOS, OS/2 und Unix ergeben sich für sie unterschiedliche Einsatzgebiete in dem Informationssystem eines Unternehmens. Dies läßt zumindest mittelfristig auf ihre Koexistenz schließen. Jedoch werden ihnen unterschiedliche Tendenzen in der Weiterentwicklung vorhergesagt.

Zukünftig werden sich die Anforderungen der Unternehmen auf eine verteilte Datenverarbeitung konzentrieren, das heißt eine Integration verschiedener Rechnersysteme und deren Software. Für die Betriebssysteme heißt diese Forderung, daß in Zukunft standardisierte Kommunikationsarchitekturen und Datenzugriffsverfahren sowie eine weitgehend einheitliche Benutzeroberfläche zu unterstützen sind.

Die jüngere Geschichte der Datenverarbeitung zeigt, daß selbst Marktstrategien größerer Konzerne unvorhersagbaren Schwankungen Unterliegen können. Sicher scheint, daß zukünftig große Veränderungen dem Endanwender nur "scheibchenweise" angeboten werden, damit langfristig der hohe Umsatz der Hersteller in der Datenverarbeitung gesichert bleibt. Ein solches Verhalten wird durch die nur schleichende Standardisierung, den hohen Kompatibilitätsanspruch zu Vorgängersystemen und die immer noch relativ geringen Reaktionen auf Anforderungen der Anwender unterstützt.

MS-DOS und OS/2 als "quasi-offene" Systeme

Für den in diesem "Spiel" hilflosen Kunden empfiehlt es sich, Hardware einzusetzen, die den Einsatz von MS-DOS, OS/2 und Unix ermöglicht. Standard-Anwendungen sollten nur dann verwendet werden, wenn die kommunikationstechnische Weiterentwicklung (sprich: Integration der Anwendungen) garantiert ist; geschlossene Lösungen nur dann, wenn eine langfristige Konsistenz der Anwendungen sichergestellt ist.

Wird der Ruf nach Unix mit der Begründung laut, es sei ein offenes System und es biete daher zukünftig auch die geforderte Flexibilität, so darf nicht vergessen werden, daß aufgrund der großzügigen Lizenzierungspolitik von Microsoft, sowohl MS-DOS als auch OS/2 als "quasioffene" Systeme zu bewerten sind. MS-DOS und OS/2 besitzen gegenüber Unix den Vorteil, daß sie standardisiert sind.

Literaturhinweise beim Autor