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24.06.1988 - 

Kärgliches Lob auf der Netzwerk-Konferenz ENE in Baltimore:

Enttäuschung über OSI- Konzepte der Anbieter

MÜNCHEN (IDG/sch) - Obwohl die Enterprise Networking Event ' 88 (ENE) in Baltimore bisherige Multivendor-Shows in den Schatten stellte, war dort nach Aussagen von ENE-Teilnehmern längst nicht alles Gold, was glänzte.

Der vielzitierte OSI-Aufschwung ließ sich nur bedingt nachvollziehen, denn die Besucher konnten außer imposanten Eindrücken und den in der Musterfabrik produzierten Bleistiften sowie Visitenkarten so gut wie keine neuen Produkte nach Hause tragen.

Das Lob für die Veranstaltung geriet, wenn man den IDG-Quellen Glauben schenken darf, zur Platitüde. Man war in Hinblick auf das gezeigte OSI-Spektrum - lapidar und wortkarg ausgedruckt - "very pleased". Eine der wenigen zitierten "Gegenstimmen" stammt vorn MAP- Pressesprecher bei General Motors. Nike Kaminski: "Wer bei dieser Demonstration nach Problemen Ausschau hält, wird sie auch finden, Aber vergessen Sie nicht, daß so etwas noch niemals zuvor versucht wurde." Immerhin war es - so auch Kathy Chin Leong von der COMPUTERWORLD in einer Kolummne über die ENE - nicht ganz selbstverständlich, daß bei dieser auch "nur" als Demonstration gedachten Veranstaltung Konkurrenten wie HP, DEC, IBM und Sun Microsystems "händchenhaltend" auftraten.

Anscheinend nicht eingedenk der Tatsache, daß die ersten offenen Standards auf den anwendungsbezogenen Ebenen erst kürzlich verabschiedet wurden, vermißten die Anwender nach IDG-Aussagen besonders die Greifbarkeit entsprechender Produkte. Vielmehr lockten - so der angeführte Präsident der Beratungsgesellschaft Infonetics, Thomas White, und ein Mitglied des U.S. Senate Computer in Washington , zur Zeit oft andere Normen wie TCP/IP.

White: "Unsere größten Kunden sagen zwar, daß sie sich in Richtung OSI bewegen, aber ihre Anschaffungen zeugen nicht davon. Sie sind einfach verwirrt. " Ausgemachte Mängel auch beim Netzwerk-Management und beim Transaktions-Processing sowie Klagen über das 3.0-Stückwerk bei MAP und die Inkompatibilitäten zwischen den verschiedenen Versionen. Die Zurückhaltung gegenüber dem Manufacturing Automation Protocol hat aus der Sicht von US-Analysten ihre Wurzeln in den "Debakeln" und nicht gehaltenen Versprechungen auf der Autofact

'84 und '85. Kathy Chin Leong: "In Detroit geschahen peinliche Ausrutscher und Zusammenbrüche der Hardware angesehener Hersteller wie IBM, NCR und Intel."

Insgesamt entstand jedoch der Eindruck, daß von MAP auf OSI geschlossen wurde, und die Fortschritte der ISO-Standardisierung unter den Tisch gekehrt würden. Die deutschen Besucher dagegen rückten vergleichsweise die OSI-Breitenwirkung als Plus in den Vordergrund. Aber auch hier gemischte Gefühle: Gleichermaßen attestiert wurden OSI-Imposanz, zarte Anfänge bei einzelnen Protokollen wie "Directory-Dienste", "Virtuelles Terminal" und Manufacturing Message Services, begrenzte Funktionalität bei MAP 3.0 sowie vergebliches Umschauen nach fertigen Produkten. Die erfundene Fabrik hielt beim Blick hinter die Kulissen ebenfalls nicht, was sie versprach. Dazu Maik Kupferberg, Mitarbeiter des Fachbereichs Kommunikationstechnik bei SCS in München. "Es wurden Inseln gezeigt, die in sich funktionierten. Ich habe aber den Eindruck gewonnen, daß keine Anwendungen über das Backbone liefen." Und trotz OSI-Symphonie so der Netzwerk-Experte weiter OSI-Disharmonie: US-Eigenbrötlerei bei den Standards, fehlende Konformität bei den Produkten und ein "Schuß in den Ofen" beim Netzwerk-Management beziehungsweise Schnittstellen-Treiber, "mit denen man nichts anfangen konnte".

Rainer Janssen, zuständig für die Gruppe Standards in der Abteilung Kommunikation bei Hoechst, fand vergleichsweise mehr reife OSI-Kirschen, beklagte sich aber im gleichen Atemzug auch über "Bummelzüge". So hätte man im Bereich "Virtuelles Terminal" noch kein Bein auf die Erde bekommen, da sich hier die Hersteller auf die faule Haut legten.

Ungeachtet dieser Defizite wußte man aber die Mehrgleisigkeit der Veranstaltung in Baltimore zu schätzen. Hier seien - so der SCS-Berater - im Gegensatz zu bisherigen OSI-Präsentationen in der Bundesrepublik - immerhin mehrere Protokolle auf einen Streich unter einen Hut gebracht worden. Und dies zum Teil ohne eine weiche Plattform' aufgrund noch nicht festgeschriebener Standards.