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16.11.2006

Entwickler als Change-Manager

Der Programmierer wird die zahlreichen Wünsche an ihn künftig nicht mehr alle erfüllen können. Deshalb wird es zu einer stärkeren Spezialisierung kommen, zeigt Gerhard Rienecker* in einem CW-Gespräch überzeugt.

CW: Worauf müssen sich Entwickler künftig einstellen?

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RIENECKER: Auf die globale Arbeitsteilung, das heißt, Projekte werden in weltweit verteilten Teams bearbeitet. Eine weitere Prämisse ist der steigende IT-Lösungsbedarf aufgrund permanenter und schneller Veränderungen. Die Innovationszyklen verkürzen sich, und das erfordert flexible, anpassbare Systeme. Im Backoffice erleben wir die zunehmende Standardisierung von IT-Systemen, während Kunden immer individuellere Anforderungen stellen. Und schließlich bestimmt die weitere Prozessautomation bis hin zum Realtime Enterprise die Anforderungen an die Entwickler von morgen. Gleichzeitig haben wir es mit einem dynamischen Unternehmensumfeld zu tun, das permanente Veränderung verlangt.

CW: Was bedeutet das konkret für den IT-Entwickler?

RINECKER: Vor diesem Hintergrund ist der IT-Entwickler im Wesentlichen ein Change-Manager und Architekt, der sich weltweit mit anderen Experten austauscht. Dafür benötigt er ein Verständnis der Geschäftsprozesse, Technologie- und Lösungs-Know-how sowie erstklassige Kenntnisse in allen Phasen der Softwareentwicklung. Er sollte darüber hinaus die Fähigkeit haben, auf Metaebenen zu arbeiten, um den Aufwand durch Abstraktion von Aufgaben so gering wie möglich zu halten. Die Beherrschung der wesentlichen Plattformen und deren Ar-chitekturen wie Java, .NET und Netweaver sowie gute Kenntnisse der wesentlichen Programmierkonzepte, unter anderem Multi-Threading, Delegatoren und Function Pointers und die Fähigkeit, diese Programmierkonzepte auf verschiedenen Plattformen abzubilden, sollten zum Repertoire eines guten Entwicklers gehören. Und natürlich sind nach wie vor Programmiersprachen- und Datenbankwissen ein Muss. Schließlich sollte die emotionale Intelligenz, also die Teamkompetenz im Sinne von Zusammenarbeit von Experten mit unterschiedlichen Aufgabengebieten und aus unterschiedlichen Kulturen inklusive guter Englischkenntnisse vorhanden sein.

CW: Und das soll alles ein einziger Entwickler können?

RIENECKER: Ich rechne mit einer Kompetenzspreizung, weil nicht all diese Fähigkeiten durch einen Entwickler abzubilden sind. Wir gehen bei uns davon aus, dass der heutige Entwickler in eine von fünf Kategorien ein-geordnet werden kann: den Business-Architekten, der die Geschäftsprozesse definiert, den Applications-Architekten, der die Geschäftsprozesse in IT-Systemen abbildet, den Systemarchitekten, der die IT-Systeme definiert, den Programmierer, der die Systeme realisiert, und schließlich den so genannten Softcrafter, der Systemteile montiert. Seine Aufgaben werden jedoch zunehmend von Softwaregeneratoren übernommen. Da der Anteil der IT an Produkten, Dienstleistungen und Services weiter zunimmt, wird ein "Aussterben" des Programmierers nicht so schnell zu erwarten sein.

CW: Welches IT-Know-how ist morgen noch von Bedeutung?

RIENECKER: In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird nach wie vor Wissen über Programmiersprachen, Datenbanksysteme, Plattformen, Architekturen, Tools und Utilities von Bedeutung sein. Eine vereinfachte Usability und die weitere Entwicklung zur Kapselung dieser Technologien wird die Bedeutung dieses Know-hows reduzieren. Denn auf der Basis von wiederverwendbaren Komponenten und Standardarchitekturen werden Applika-tionen auf der Metaebene beschrieben. Trotz des Trends IT zu vereinfachen und komplexe Zusammenhänge in Oberflächen abzubilden, werden bestimmte Kenntnisse, Fähigkeiten und Themen wichtig bleiben, wie:

• Verfahrenstechnik;

• Software-Engineering-Prinzipien (Abstraktion, Strukturierung, Hierarchisierung, Modularisierung);

• Modellierung;

• die Fähigkeit Fachmodelle (plattformunabhängig in plattformabhängig) zu transformieren;

• Architekturkompetenz (Applikationen, Systeme);

• Parsing- und Automationstechnologien (etwa bei Migrationsprojekten);

• Integrationstechniken;

• Qualitätssicherung (konstruktiv und analytisch);

• Programmierkonzepte und deren Abbildbarkeit auf die jeweilige Plattform sowie

• Technologieverständnis und Abschätzung am Markt erhältlicher Technologien für das Unternehmen. (hk)