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10.10.1986 - 

DV-Literatur und Dokumentation erneut unter die Lupe genommen:

Entwicklung paßt sich nicht dem Menschen an

10.10.1986

MÜNCHEN (bk) - Ein gutes Design nacht noch lange kein gutes Manual. Zu diesem Ergebnis kamen bundesdeutsche DV-Profis im "Thema der Woche" der COMPUTERWOCHE 37/86 vom 12. September 1986.

Nach wie vor, so der einhellige Tenor der Thema-der-Woche-Teilnehmer, weist die Systemliteratur häufig eklatante Schwächen hinsichtlich Übersetzung, Aktualität, Benutzerführung und Praxisbezogenheit auf. Zwar treffen die Mängel in erster Linie auf die Mainframe-Literatur zu, doch auch der PC-Benutzer in den Fachabteilungen kann mit dem "Leitfaden" für seinen Mikro oft nur wenig anfangen. Dies veranlaßte DV-Leiter Peter Hofmann aus Aldingen zu der Forderung, die DV-Literatur für die Fachabteilungen noch mehr zu vereinfachen und zu verdeutschen, um den Einsatz des Computers am Arbeitsplatz zu erleichtern.

Stellung zu diesem Reizthema nahm jetzt nochmals die EDV-Verlag und Beratungsgesellschaft Krieger, Zander & Partner GmbH aus München. Nach eigenen Angaben beschäftigt sie sich seit mehr als drei Jahren mit der Fertigung deutschsprachiger Dokumentationen für Hard- und Software, hauptsächlich im PC-Bereich. Geschäftsführer Mathias Krieger zeichnet auf, welche Schwierigkeiten sich bei der Erstellung und Pflege von Systemliteratur ergeben und wie sie gelöst werden können.

Zunächst einmal ist es wichtig, zwischen Systembeschreibung und anwenderorientierter Beschreibung von DV-Programmen zu unterscheiden:

- Systembeschreibungen richten sich im großen und ganzen an DV-kundige Anwender, die in der Tat vor allem Nachschlagebedarf haben, um Abweichungen und Störfälle schnell zu lokalisieren und Abhilfe zu schaffen sowie Systementwicklungen im Kontext zu bekannten Standards mitverfolgen zu können.

- Anwenderorientierte Dokumentation sollte sich in erster Linie von den Erfordernissen der beruflichen Praxis und in damit verbundenen Fragestellungen leiten lassen.

Gängige Praxis der meisten DV-Unternehmen ist immer noch, neue Software aus den Entwicklungsabteilungen heraus verfassen zu lassen. Viel zuwenig wird Softwareentwicklung von Markterfordernissen einerseits und Lern- und Schulungsanforderungen andererseits initiiert. Der Konflikt ist vorprogrammiert: Nicht die Entwicklung paßt sich dem Menschen an, sondern der Mensch muß sich der Entwicklung unterwerfen.

Auch wenn das Äußere einer Dokumentation oftmals von Corporate Identity und wörtlichen Gesichtspunkten geprägt ist, unterliegt die Erstellung von DV-Dokumentation in der Regel jedoch nicht den Werbeabteilungen der Hersteller, sondern dem Produktmarketing oder den Entwicklungsabteilungen. Aus diesem Grund sind die Budgets, die für die Entwicklung von Dokumentationen zur Verfügung stehen, knapp und überhaupt nicht mit den Mitteln zu vergleichen, die den Werbeabteilungen zur Verfügung stehen. Auch wenn dies die Damen und Herren von der Anzeigenabteilung sicherlich nicht gerne hören werden, so könnte doch oftmals ein Produkt langfristig viel zielsicherer vermarktet werden, wenn anstelle der einen oder anderen ganzseitigen Anzeige in einem Printmedium die entsprechenden Mittel für die Produktdokumentation verwendet werden könnten.

Gerade bei Programmen, die aus den USA übernommen werden, zeigt sich, daß die Zeiten des schnellverdienten Geldes für die Distributoren zunehmend vorbei sind. Nur wer langfristig ein Produkt im Markt plaziert und daher auch über langfristige Verkaufszahlen in der Lage ist, Dokumentation und auch Produktschulung konsequent zu verankern, wird letztendlich die erhofften Erlöse erzielen. Anwendersoftware zu "lokalisieren", kann eben keine Tätigkeit sein, die von irgendwelchen Mitarbeitern nebenher an Wochenenden vorgenommen wird, sondern muß ebenso professionell durchgeführt werden, wie die Entwicklung der Software selbst. Dies kostet natürlich Geld, und es ist kein Geheimnis, daß die Lokalisierung eines PC-Anwenderprogrammes sicherlich nicht unter 150 000 Mark abgewickelt werden kann.

Schließlich sollte aus Gründen der Kurzlebigkeit und der raschen technologischen Überholtheit von Programmen und damit verbundener Dokumentation die Erstellungsphase der Dokumentation mit der Entwicklungsphase des Produkts übereinstimmen. Dies hätte nicht nur den Vorteil, daß das Produkt auch mit vollständiger Dokumentation auf den Markt gebracht werden kann, sondern beinhaltet ferner die Möglichkeit, Produktentwicklungen in der Dokumentation aufzufangen und nicht erst nachträglich durch die ja einschlägig bekannten "Dokumentationen" zu den Dokumentationen (errata sheet) zu manifestieren.