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09.08.2002 - 

Resilient Packet Ring: Paketorientierte Datenübertragung im MAN

Entwicklung standardkonformer Produkte steht an

MÜNCHEN (sra) - Der Entwicklung von Produkten, die mit dem Resilient-Packet-Ring-(RPR-)Standard verträglich sind, steht nichts mehr im Weg. Die paketbasierende Netztechnologie für Metropolitan Area Networks (MANs) soll Schwächen des vorherrschenden Sonet begegnen. Ab September will die 802.17-Arbeitsgruppe keine Änderungen an dem Vorschlag mehr akzeptieren.

Die Wurzeln der gegenwärtigen MAN-Technologien wie Sonet/SDH liegen in sprachorientierten Netzen. Sonet/SDH hat sich aufgrund diverser Carrier-Class-Eigenschaften wie hoher Zuverlässigkeit, leistungsfähiger Management-Features, verschiedener Multiplexing-Ebenen und Interoperabilität zwischen den Herstellern eine herausragende Stellung unter den optischen Transporttechnologien erobert. Datennetze mussten allerdings in Form von Overlay-Netzen auf Sonet/SDH abgebildet werden. Das zieht mehrere Schwierigkeiten nach sich: Zum einen erfordert Time Division Multiplexing - und diese Methode verwendet Sonet - eine feste Dauer der Time Slots (Zeitfenster), so dass eine effiziente Ausnutzung der Bandbreite nicht möglich ist. Es bleibt immer ungenutzte Bandbreite übrig. Oft mangelt es den Overlay-Netzen nach Angaben der RPR-Allianz auch an Skalierbarkeit und Kosteneffizienz.

Diese Schwächen soll RPR als paketorientierte Technik beheben. Da es auf der Schicht 2 des OSI-Modells arbeitet, erlaubt es eine Kontrolle der Servicequalität sowie Bandbreiten-Management. Vorgesehen sind derzeit Datenraten von 622 Mbit/s, 1 Gbit/s und 10 Gbit/s. RPR arbeitet auf einem Doppelring mit gegenläufigen Übertragungsrichtungen. Im Fehlerfall wird in dem System der innere mit dem äußeren Ring verbunden und so die Datenübertragung wiederhergestellt ("Wrapping"). Ein alternativer Schutzmechanismus ("Steering") sieht vor, dass der Verkehr gleich auf den nicht unterbrochenen Ring geleitet wird. So soll die paketbasierende Technologie RPR eine mit Sonet vergleichbare Zuverlässigkeit bieten.

Die Arbeitsgruppe IEEE 802.17 erarbeitet einen entsprechenden Standard und will nach September daran keine Änderungen mehr zulassen. Damit wäre der Weg zu ersten wirklich standardkonformen Produkten frei, auch wenn die Spezifikation selbst erst im Herbst 2003 fertig gestellt werden soll. Einen ersten Schub für die Produktentwicklung erwarten Mitglieder der RPR-Allianz jedoch schon Anfang 2003. Bereits jetzt arbeiten einige Anbieter an (Prä-Standard-)Produkten, zum Beispiel Corrigent und Infinion. Nach Angaben der Hersteller sollen sich diese über ein Software-Upgrade an den fertigen Standard anpassen lassen.

Absatzchancen umstritten

Wie hoch die Absatzchancen von RPR-Produkten sein werden, ist umstritten. Für die Carrier sind schwierige Zeiten angebrochen: Die Bereitschaft zu neuen Investitionen ist gering (eher geht es da-rum, bereits getätigte Investitionen zu schützen), die Vertrautheit mit Technologien wie Sonet oder die jüngsten Fortschritte von Ethernet könnten ein zusätzliches Hemmnis darstellen. Robert Love, President der Allianz und Vice Chairman der 802.17-Arbeitsgruppe, widerspricht dieser Sichtweise: RPR ergänze Ethernet und Sonet, sei aber keine mit diesen Verfahren konkurrierende Technologie. Andere, wie Hans Lackner, stimmberechtigtes Mitglied der Arbeitsgruppe IEEE 802.3ae, die den 10-Gigabit-Ethernet-Standard entwickelt hat, sehen in RPR durchaus eine Konkurrenztechnologie zu 10-Gigabit-Ethernet. Lackner beispielsweise vertritt eine pessimistische Haltung hinsichtlich der Zukunftsaussichten von RPR. 10-Gigabit-Ethernet setze auf einer SDH-Technik auf und biete somit dieselbe Zuverlässigkeit wie SDH. Ebenso zweifelt er daran, dass RPR billiger wäre als 10-Gigabit-Ethernet.

Befürworter dagegen betonen das Einsparpotenzial gegenüber Ethernet und Sonet. Sie argumentieren, RPR sei zuverlässiger als Ethernet und wäre nach Netzausfällen innerhalb von 50 Millisekunden wieder funktionstüchtig. Michael Ladam von Stratecast Partners glaubt: "Reines RPR ohne Support für Sonet ist tot." Er räumt Anbietern von hybriden RPR-over-Sonet-Switches, die auch Ethernet unterstützen, die besten Chancen ein. Werden RPR-Switches zur Ergänzung von Ethernet eingesetzt, zerlegen sie die Ethernet-Frames nicht. Stattdessen verkapseln sie den Frame in einen RPR-Header, der ein Bit für die maximale Lebensdauer und ein Richtungs-Bit enthält. Nach Meinung von Ladam hat RPR noch das Zeug, eine wichtige Technologie im MAN zu werden.

Abb: Schutzmechanismen bei RPR

Die Alternativen: "Wrapping" kehrt die Richtung der Datenpakete um, "Steering" leitet sie gleich auf den nicht unterbrochenen Ring. Quelle: RPR Allianz