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20.02.1987 - 

Erfahrungen mit SQL unter dem relationalen DBMS "Oracle":

Entwicklungsgruppe muß sich neu orientieren

Die Diskussion um die Sprachen der vierten Generation spaltet die DV-Welt In zwei Lager: Hauptargumente der Befürworter sind vor allem Flexibilität und Anwenderfreundlichkeit dieser Produkte. Demgegenüber verweisen die Kritiker auf die technische Unausgereiftheit der Systeme und die damit verbundenen Gefahren für den Anwender. Eigene Erfahrungen mit der Sprache SQL unter dem relationalen Datenbankmanagementsystem "Oracle" machte die Orga-Soft.

Bei den auf relationalen Datenbankmanagementsystemen (RDBMS) basierten Programmiersprachen der vierten Generation (zum Beispiel SQL) und den dazugehörigen Werkzeugen handelt es sich um eine für die Praxis neue Technologie. Entsprechend kontrovers wird die Diskussion nun schon seit einigen Jahren geführt. Als Argumente gegen den Einsatz dieser neuen Programmiersprachen und ihrer Werkzeuge sind zu hören:

- die Wissenschaft überfordert die Anwender damit

- Mittlerfunktion (Anwender/Technologie) der Softwarehäuser wird schwieriger

- es mangelt an Einsatzerfahrung

- die Softwareentwicklungsumgebung ist lückenhaft

- ein optimaler Werkzeugmix ist schwer zu finden

- Rechnerbelastung und Antwortzeiten sind kritisch

- Standardisierung und Portabilität sind mangelhaft.

Dies alles wird zusammengefaßt zum Ratschlag an den Anwender, sich nicht an die Spitze beim Einsatz dieser Technologie zu setzen beziehungsweise setzen zu lassen. Es sei davon abzuraten, heißt es, die Entwicklung von langlebiger, zuverlässiger, sicherer, wartbarer Software mit Programmiersprachen der vierten Generation zu planen.

Andererseits steigen die Anforderungen der Anwender an die Applikationssoftware und damit an die Softwareerstellung ständig. Es sollen hier nur als Stichworte genannt werden:

- umfassende Lösungen mit Integration aller Teilfunktionen

- einfach bedienbar und benutzerfreundlich

- fehlerarm in der Anwendung, zuverlässig im Betrieb

- gute Antwortzeiten

- kostengünstig und flexibel erweiterbar.

Nun sollen gerade die mit Kritik bedachten Programmiersprachen der vierten Generation helfen, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Vor dem Hintergrund der allgemeingehaltenen kritischen Einschätzung der Einsatzfähigkeit von Sprachen und Werkzeugen der vierten Generation wird im folgenden von Erfahrungen mit einer speziellen Programmiersprache berichtet. Es handelt sich dabei um die Standardprogrammiersprache SQL unter dem relationalen DBMS-Produkt "Oracle", mit der die Orga-Soft inzwischen verschiedene Anwendungen entwickelt hat.

Bei den Anwendungen handelt es sich um typisch operative Verwaltungsfunktionen, ergänzt um statistische Verdichtungen operativer Daten zur Unterstützung von Managementfunktionen. Im einzelnen wurden Erfahrungen in den Einzelgebieten Vertriebsunterstützung und Akquisition, Angebotsverwaltung, Auftragsbearbeitung, Technischer Kundendienst sowie Volkshochschulverwaltung gesammelt.

Die größte dieser Anwendungen ist die Volkshochschulverwaltung mit etwa 120 Einzelfunktionen. Es werden damit etwa 1 0 000 Hörer und mehr als 1 000 Dozenten und Veranstaltungen verwaltet. Bei der Realisierung mußte eine Lösung für die zeitkritische Erfassung der Teilnehmer bei der Einschreibung zum Semesterbeginn gefunden werden. An Spitzentagen sind hier 500 Hörer pro Stunde einzuschreiben.

Als Erfahrung der Anwender und der Entwickler aus den genannten Applikationen kann folgendes festgehalten werden: Um die neuen Werkzeuge richtig einzusetzen, ist eine Neuorientierung der Entwicklergruppen über den gesamten Entwicklungszyklus vom Pflichtenheft bis zur Wartung notwendig. Die verwendeten Werkzeuge ermöglichen beispielsweise eine neue, übersichtliche Art der Strukturierung von Programmen. Der Entwicklungsstil tendiert stark zur funktionalen Programmierung. Die verschiedentlich geäußerte Behauptung, man könne in einer operativen Anwendung nicht ohne herkömmliche Programmierung auskommen, basiert auf der Unfähigkeit, sich auf den neuen Programmierstil einzustellen. Tatsächlich spielt die herkömmliche Programmierung in den genannten Applikationen nur eine minimale Rolle. Weniger als fünf Prozent des Quellcodes sind damit erstellt.

Durch die flexiblen Einsatzmöglichkeiten aller Funktionen, welche durch eine überlegene Standardbedienungsführung erschlossen werden, ist beim Anwender eine Offenheit gegenüber dem Einsatz dieser Möglichkeiten notwendig. So umfaßt das Funktionsmenü bei der interaktiven Arbeit mit Masken etwa 25 per Funktionstaste ständig verfügbare Funktionen. Erfahrungsgemäß beherrschen alle Anwender die Bedienungsmöglichkeiten nach einigen Stunden Schulung.

Die Wiederanlauffähigkeit des Systems (zum Beispiel nach Stromausfall) ist wesentlich besser als bei herkömmlich programmierten Anwendungen. Hingegen ist die Rechnerleistung etwas höher als bei herkömmlich programmierten Applikationen. Die Mehrbelastung wird jedoch von den derzeit preiswert verfügbaren, leistungsfähigen Hardware-Ressourcen leicht abgefangen. Behauptungen über die Leistungsmängel von RDBMS waren vielleicht immer ein Märchen, gehören aber jetzt sicher der Vergangenheit an. Unserer Erfahrung nach zeigen ingenieurmäßig entwickelte Anwendungen auf gut implementierten RDBMS gleiche bis bessere Antwortzeiten als herkömmlich entwickelte Applikationen.

Wie bei der Einführung neuer Technologien nicht gerade zu erwarten, gibt es für SQL selbstverständlich keinen so ausgefeilten Werkzeugsatz zu kaufen wie zum Beispiel für Cobol. Dies läßt sich jedoch leicht überspielen, wenn man einen Unix-Rechner als Programmentwicklungsrechner verfügbar hat, auf dem kleinere Werkzeuge schnell selbst realisiert werden können.

Unsere Erfahrungen besagen zusammengefaßt, daß unter SQL besser als unter Programmiersprachen der dritten Generation langlebige, zuverlässige, sichere, wartbare Software entwickelt werden kann. Vorausgesetzt wird allerdings eine Neuorientierung der Entwicklergruppe über den gesamten Entwicklungszyklus.

Literatur

"Großanweder beim Tool Einsatz - von reaktionär bis radikal"

CW Nr. 12 vom 22.3.1985 Thimme, H. "4GL-Diskussion ist in zwei Lager gespalten" CW Nr. 11 vom 14. 3. 86

"Enduser im Kampf mit überlieferten Denkweisen" CW Nr. 18 vom 3. 5. 85

"4. Generation läutet neue DV-Epoche ein" CW Nr.18 vom 3. 5. 85

"4. Generation läutet neue DV-Epoche ein" CW Nr.19 vom 10. 5. 85

*Dr. Clemens Stoffel ist Leiter der Programmierung bei der Orga-Soft GmbH, Filderstadt