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Entwicklungsländer im Circulus vitiosus:Für die Dritte Welt Hilfe aus Computerland

04.12.1981

Die Länder der Dritten Welt stehen - das liegt in der Unnatur der Sache - dem sprunghaften Anstieg im Einsatz von neuen Informations- und Kommunikationstechniken besonders hilflos gegenüber. Ihr Wissen über diese Technologie und deren Anwendungsmöglichkeiten für ihre eigenen Zwecke ist äußerst begrenzt.

Da stimmt es nachdenklich, daß ausgerechnet diese Länder mehr mit modernstem Kommunikationsrüstzeug bombardiert werden. Die Hardware muß dort, wo buchstäblich auf Unwissen "installiert" wird, verrotten. Der kaum als erfolgreich zu bezeichnende Verkauf von Gerätschaft allein bewirkt nicht einen langfristig befriedigenden, Anschluß an die entwickelteren Länder, höchstens in negativer Hinsicht - zum Beispiel, was die Umweltverschmutzung anbelangt.

Ein weiterer Grund, warum modernste Technologie in diesen Ländern noch nicht nutzbringend einsetzbar ist, liegt darin, daß die Menschen in erster Linie ihre einfachsten Grundbedürfnisse, wie Essen und Wohnen, befriedigen müssen.

Wegen dieser Prioritäten kommen Dinge wie Management-Beratung und

-Ausbildung einschließlich der Information über Einsatzmöglichkeiten moderner Hilfsmittel gar nicht an oder zu kurz. Hier besteht teilweise bereits ein Kreislauf, aus dem sich gerade die ärmsten Länder nicht mehr befreien können.

Sie erhalten zwar große Summen zur Verbesserung ihrer landwirtschaftlichen Selbstversorgung, aber im industriellen Bereich, der ein Motor für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung ist, werden älteste Methoden eingesetzt, die die Länder der Dritten Welt auch markt immer weniger konkurrenzfähig werden lassen. Hilfe aus der Computerwelt erscheint auf den ersten Blick absurd. Warum aber kann die Informations- und Kommunikationstechnik in der Tat Entwicklungshilfe bedeuten?

- Anders als in anderen Bereichen des Technologie-Transfers ist in relativ kurzer Vorbereitungs- und Planungszeit eine Infrastruktur für Informatik aufzubauen.

- Die Anwendung der neuen Techniken erfordert (zumindest in den meisten Fällen) keine früheren beruflichen Vorkenntnisse beziehungsweise keine Beherrschung älterer Techniken.

- Die meisten Fähigkeiten im Bereich der Datenverarbeitung können durch Erziehung und Training erlangt werden. Damit sich auch die politischen Restriktionen der Entwicklungsländer, die bei anderen Großprojekten der Technik auftreten können, geringer, da hier vor allem Bereiche der Erziehungspolitik angesprochen sind.

- Fähigkeiten im Bereich der Datenverarbeitung können meist schneller ausgebildet werden als in anderen Bereichen. In der Datenverarbeitung ist ein bestimmter Wissensstand in zirka fünf bis sechs Jahren erreichbar, während in anderen Disziplinen zehn bis zwölf Jahre benötigt werden.

- Die verschiedenen Anwendungsbereiche der Datenverarbeitung können schneller übertragen beziehungsweise angepaßt werden als die Anwendungen anderer technischer Disziplinen.

- Datenverarbeitung erlaubt eine wesentlich höhere Ausnutzbarkeit der Systeme für die verschiedensten Aufgaben bei gleicher Grundausstattung.

- Die große Flexibilität von Hardware und Software ermöglicht eine leichtere Anpassung der Datenverarbeitung an die Infrastruktur von Entwicklungsländern, als es bei anderen maschinellen Ausrüstungen der Fall ist.

- Informations- und Kommunikationstechnologie ist wesentlich unkomplizierter, als allgemein bekannt ist.

Unter der Voraussetzung, daß technologischer Fortschritt der Verbesserung des Wohlstands dient, sollte die Bundesregierung auch einen Teil ihrer Aktivitäten im Bereich der Entwicklungshilfe, der Informations- und Kommunikationstechnologie widmen. Die Japaner haben das längst erkannt und den asiatischen Markt mit Seminaren, Konferenzen, Messen und Informationsgesprächen abgedeckt. Sie haben damit solche Entwicklungsländer angesprochen, in denen technischer Fortschritt am leichtesten übernommen wird. Die Bundesregierung könnte in Afrika, Süd- und Mittelamerika mit Pilotprojekten die Auswirkungen des Technologietransfers im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie überprüfen. Gutachte zu diesem Bereich sprechen eine deutliche Sprache. So wird zum Beispiel in der Studie "Die Bedeutung der Information und Kommunikationstechnologie für Entwicklungsländer", die im Auftrag der Carl Duisberg-Gesellschaft, Bonn, im August dieses Jahres vorgelegt wurde, deutlich, daß sich hier völlig neue Perspektiven der Entwicklungshilfe auftun.