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03.03.1978 - 

The Waves of Change

Entwicklungstendenzen Hardware/Software

Gegenwärtig ist die Softwareentwicklung und die Softwarewartung eine teure Angelegenheit. Sie ist für Hersteller und Benutzer gleichermaßen kostenintensiv. Computersysteme, bei denen die zuvor erörterte Benutzerfreundlichkeit nicht mit eingebaut ist, werden dabei künftig wenig Marktchancen haben - gleichgültig, wie technisch anspruchsvoll ihre Hardwarekomponenten ausgelegt wird.

An zweiter Stelle kam die zunehmende Komplexität von Anwendungen im Bereich Datenbanken und Datenfernübertragung, die Komplexität der DV-Operationen selbst lag erst auf dem dritten Platz.

Wenn die vorliegenden Personalstatistiken der Computerindustrie stimmen, dann gibt es für die Hersteller nur ein einziges Mittel gegen diesen Mangel an Talenten: Sie müssen mehr Intelligenz in ihre neuen Systeme einbauen wenn sie verhindern wollen, daß der Markt stagniert oder in den späten 70er oder frühen 80er Jahren keine höheren Zuwachsraten als heute aufweist.

Allen Herstellern kann man deshalb nur zur Vorsicht raten. Wer sich in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts nicht auf diese Markttendenzen einstellt, verspielt seine Marktposition.

Qualitätslücken

Technologische Innovationen haben eine gewaltige Leistungssteigerung der Hardware gebracht. Damit ist jedoch eine paradoxe Situation entstanden: Die Hardware hat die Software überrundet. Das bedeutet, daß heute der Anwender gar nicht in der Lage ist, das vorhandene Hardwarepotential optimal zu nutzen, denn dazu fehlt es an entsprechend qualifizierter Software. Man schätzt daß, falls sich die gegenwärtige Tendenz fortsetzt, bis 1980 mehr als 80 Prozent der Arbeitsleistung eines durchschnittlichen Anwenders von der Wartung vorhandener Programme in Anspruch genommen werden. Damit verbleiben weniger als 20 Prozent der Gesamtressourcen für die Entwicklung neuer Anwendungen.

Ohne die Entwicklung neuer Applikationen wird der Markt jedoch mit Sicherheit stagnieren (Schaubild).

Konsequenzen:

- Der EDV-Markt wird stagnieren falls sich der gegenwärtige Trend fortsetzt.

- Hardwareleistung wächst schneller als die Fähigkeit des Anwenders, das größere Potential auch optimal zu nutzen.

Ouelle: A. C. T. auf der Grundlage einer IBM-Benutzerumfrage

Denn der Computerbenutzer ist sozusagen ein anderer geworden. Sei es aufgrund systematischer Schulung oder einfach als Folge schlichter Erfahrung mit drei oder vier verschiedenen Hardware- und Software-Generationen - heute haben selbst Erstbenutzer ein kritisches Bewußtsein in bezug auf die Grenzen und Möglichkeiten eines Computersystems.

Es ist heute relativ einfach, die richtige Hardware zu bekommen - bei der entsprechenden Softwareausrüstung liegen die Dinge sehr viel komplizierter. Diese Disparität wiederum verstärkt die Forderung des Benutzers nach besserer Software, mit der sich das vorhandene Hardwarepotential endlich wirtschaftlich nutzen läßt.

Neue Kompetenzen

Die absolute Priorität, die man heute auf Anwenderseite einer Software einräumt, die benutzerfreundlich ist und die Entwicklung neuer Applikationen erleichtert, zeigt sich auch in einem anderen Bereich, nämlich in einer neuen Art der unternehmens-internen Delegation von EDV-Kompetenzen. Diese Entwicklung begann Mitte der sechziger Jahre mit der Bildung von Projektmanagement-Teams. Ziel dieser Projektgruppen, die sich aus Mitarbeitern der DV-Abteilung und Vertretern der Endbenutzerbereiche zusammensetzten, war die Entwicklung von fortschrittlichen Applikationssystemen.

Am Anfang kam der Projektleiter noch aus der DV-Zentrale. Seit 1970 kommt er jedoch viel häufiger aus den Endbenutzerabteilungen.

Damit ist offensichtlich, daß die zentrale EDV in der Vergangenheit die Wünsche ihrer "Kunden" in den einzelnen Fachabteilungen nicht befriedigend genug erfüllen konnte. Gleichzeitig verdeutlicht dieser Trend das Mißtrauen, das - berechtigter- oder unberechtigterweise - der DV-Abteilung von seiten der Endbenutzer entgegengebracht wird. Und noch etwas: Aufgrund von Fortschritten in der Softwaretechnologie und der Zuwanderung von DV-Spezialisten aus der zentralen EDV-Abteilung haben heute viele Unternehmensabteilungen direkten Zugang zu DV-Ressourcen - ohne daß sich die Mitarbeiter dort mit technischen Problemen der Datenverarbeitung herumschlagen müssen.

In der Vergangenheit haben viele Benutzer das Softwareproblem dadurch zu lösen versucht, daß sie einfach immer mehr neue Hardware dazugekauft haben. Ein verlockendes Angebot für die Hersteller vorhandener System-Architekturen, einfach aufzustocken. LSI-Schaltkreise und andere hochentwickelte Integrationstechniken boten dafür die besten Voraussetzungen. Mit solchen Erweiterungen und LSI-Versionen vorhandener Systeme dürfte jedoch in den achtiger Jahren nichts mehr zu machen sein.

Für die Hersteller besteht diese Versuchung heute noch. Ein LSI-System läßt sich relativ einfach auf die drei- bis fünffache CPU-Leistung aufstocken (gemessen an der Zahl der pro Sekunde ausgeführten Befehle). In einer Marktsituation, die so stark im Umschwung begriffen ist wie heute, ist es jedoch für die Hersteller nicht ungefährlich, dieser Versuchung einfach nachzugeben - ganz zu schweigen von den Folgen für den Endbenutzer.

Charles P. Lecht ist Gründer und Vorsitzender der Advanced Computer Techniques Corporation (ACT).

Übersetzung: Reinhold Falkner.