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The Waves of Change


03.04.1978 - 

Entwicklungstendenzen Hardware/Software

1976 wurden die Datenbanksysteme von fast 600 mittleren bis großen Benutzern untersucht. Die Studie kam zu folgendem Ergebnis: Zum Zeitpunkt der Untersuchung benutzten weniger als 200 Anwender IBMs IMS/VS, bei rund 100 hingegen befand sich noch das ältere IMS-2-System im Einsatz. Die Benutzerquote für IMS/VS lag damit praktisch unter 30 Prozent.

Rund 120 Benutzer gaben dem Datenbank-Managementsystem Total von Cincom Systems eindeutig den Vorzug. Über die Hälfte der befragten Benutzer hielten das IBM-Softwareangebot in diesem Bereich für "inadäquat" - gemessen an ihren

Betriebsanforderungen während eines projektierten Zwei- bis Fünfjahreszeitraums.

Auf einem IBM-Benutzertreffen Mitte 1976 in New York wurden dem wichtigsten Softwareangebot der IBM im Bereich "Datenbankverwaltungssysteme für Großanwender" genau von den Anwendern, die sich mit der Implementierung der IBM-Software bereits befaßt hatten, ziemlich schlechte Zensuren erteilt. Die negativen Beurteilungen der Anwender hinsichtlich Flexibilität und Leistung hatten dazu geführt das viele Benutzer nicht mehr bereit waren, auf die neue IMS-Software umzusteigen. Diese Benutzer werden erst einmal abwarten und sich auf eine IBM-Neuentwicklung gegen Ende der siebziger Jahre einstellen.

Das Fehlen eines leicht zu handhabenden Datenbanksystems mit zufriedenstellender Leistung für den Marktführer vor allem wichtige Konsequenzen: stagnierende Verkaufszahlen bei der Hardware und damit langsamere Zuwachsraten für das Gesamtunternehmen.

Zukunftsprobleme

Nach einhelliger Expertenmeinung enthält das IMS/VS-Paket eine ganze Reihe von Problemen, für die bis jetzt noch keine Lösungen in Sicht sind. Dazu Dr. Weil, Systemanalytiker bei Morgan Stanley:

- Einige Benutzer halten IMS/VS schlechtweg für ein "architektonisches Monstrum" - und zwar aus folgendem Grund: IMS/VS basiert noch auf der OS/360-Technologie,

die zahlreiche Eigenschaften und Merkmale aufweist, die innerhalb der Multiple Virtual Storage (MVS-)Struktur überflüssig geworden sind.

- IMS/VS läuft, mit eigenem Scheduler und eigener Zugriffseinrichtung - die entsprechenden MVS-Komponenten werden nicht verwendet. Das Ergebnis sind Inflexibilität und Leistungsmängel, die viele Benutzer nicht hinnehmen wollen.

- Für die Informationsabfrage ist IMS/VS ganz einfach nicht leistungsstark genug - ein entscheidendes Handicap gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt, wo auch IBM dem Topmanagement und dem Endbenutzer eine Schlüsselfunktion bei Kapazitätserweiterungen und bei der Expansion des Computergeschäfts zuschreibt.

- Dem IMS liegt ein hierarchisches Datenbankkonzept zugrunde. Dagegen steht die Konzeption der Datenbank als horizontal verknüpfte Dateistruktur, wie sie etwa von National CSS oder Tymshare entwickelt wurde. Entscheidend ist nun, daß sich horizontal gegliederte

Datenbanken speziell bei der Bearbeitung von endbenutzertypischen "if then else"-Fragestellungen besser bewährt haben als hierarchische Systeme. Für die optimale Nutzung dieser horizontal strukturierten Datenbanksysteme muß jedoch auch eine entsprechende Computerarchitektur vorhanden sein.

Kurzum: Auf dem oben erwähnten New Yorker Benutzertreffen wurde das IMS/VS-Paket mit Zensuren bedacht, die sich größtenteils zwischen "mangelhaft" und "ungenügend" bewegten. Dieses niederschmetternde Ergebnis dürfte bei den IBM-Managern einige Besorgnis ausgelöst haben. Um so mehr als der Marktführer der Datenbankverwaltung die Rolle des Zugpferds bei der Hardware-Expansion zugedacht hat.

Von Benutzerfirmen und von unabhängiger Seite durchgeführte Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen:

Univac's DMS-1100, das DMS von Burroughs und das IDS von Honeywell - die alle der Codasyl-Norm entsprechen - liegen nach übereinstimmender Meinung weit vor dem ISM/VS-Paket der IBM.

Lösungmöglichkeiten

Unter den verschiedenen "Achillesfersen" der IBM dürfte das IMS/VS-Paket die weitaus empfindlichste sein. Trotzdem darf man vermuten, daß der Hersteller seine Datenbankprobleme lösen wird. Auf der anderen Seite zeigen Vorfälle wie das Fiasko mit dem Timesharing beim System 360, daß manchmal auch dem Größten in der Branche die Luft ausgehen kann.

Ein Ausweg könnte hier die Integration eines Großteils der IMS-Funktionen in eine neue Version des MVS-Systems mit Firmware-Verbesserungen sein. In dieser Richtung laufen bei IBM mehrere Projekte.

Zur Zeit spricht man in der Branche von IBM-Projekten mit so geheimnisvollen Namen wie Xram und Xquel. Andere Entwicklungsvorhaben wie etwa Sequel (Structured English Query Language) und OBE (Query by Example) wurden bereits 1974 bekannt.

Das endgültige Ergebnis der anhaltenden Diskussion um das IMS-Paket ist derzeit noch nicht abzusehen. Für Dr. Weil ist jedoch heute bereits klar: Mit der Ankündigung eines neuen IBM-Datenbanksystems, welches das IMS ablösen wird, ist nicht vor Ende dieses Jahrzehnts zu rechnen. Als frühester Termin wird 1978/79 genannt, der gleiche Zeitraum, in dem auch das neue System 80 erwartet wird.

Zu diesem Zeitpunkt dürfte dann ein wirklich effizientes Datenbank-System auf den Markt kommen, das die Benutzer von ihren gegenwärtigen Sorgen weitgehend befreien wird. Bis dahin können jedoch die wichtigsten IBM-Konkurrenten wie Univac, Burroughs und Honeywell ihre Marktposition auf einem den zukunftträchtigsten DV-Märkte ungestört weiter ausbauen.

Charles P. Lecht ist Gründer und Vorsitzender der Advanced Computer Techniques Corporation (ACT)

Übersetzung: Reinhold Falkner

Wird fortgesetzt