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17.02.1978

Entwicklungstendenzen HardwareSoftware

Die Schere zwischen Hardware- und Softwarekosten öffnet sich immer weiter. Das Schaubild verdeutlicht diesen Entwicklungstrend. In den nächsten zehn Jahren werden die Soffwarekosten mehr als 80 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Diesen Trend bestätigt auch die DV-Budgetstruktur von zwei der größten Computerabnehmer in den Vereinigten Staaten, der US Air Force und der US Army.

Die Softwareausgaben der US Air Force wurden auf mehr als 1,25 Milliarden Dollar veranschlagt, die Hardwarekosten lagen dagegen unter 500 Millionen Dollar. Das entspricht einem Verhältnis von ungefähr 2,5:1. Gegenwärtig sind Softwareausgaben für Forschung und Entwicklung des amerikanischen Verteidigungsministeriums nach Dr. Eugene Fabini etwa achtmal so hoch wie der entsprechende Ausgabeposten im Hardwarebereich.

In der Vergangenheit haben sich Anbieter und Benutzer zu sehr auf die Hardware konzentriert. Dies hat zu einer Situation geführt, die sich mit der von Passagieren eines modernen Überschallflugzeuges vergleichen läßt: Trotz der drastischen Verkürzung der reinen Flugzeit müssen sie in manchen Fällen eine längere Gesamtreisezeit hinnehmen als bei konventionellen Flugverbindungen in geographisch günstiger Lage.

Was die Zuteilung von Personal, Arbeitszeit und Kapital anbelangt, so ist die Software-Entwicklung in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt worden. Dies hat zu einem folgenschweren Widerspruch geführt: Immer leistungsfähigeren Hardware-Technologien steht eine Software gegenüber, die mit dieser stürmischen Entwicklung nicht Schritt halten konnte. Die Folge: "Zusammengestoppelte" Software verhindert eine optimale Nutzung der schnellen Hardware-Komponenten, die Implementierungszeiten verlängern sich.

Eine 1975 veröffentlichte Studie über künftige Anwenderprioritäten im Softwarebereich (durchgeführt von der Guide Future Division, eine der größten Benutzerorganisationen in den USA) kam zu folgenden - eigentlich gar nicht so überraschenden - Ergebnissen:

- Die Manager in den meisten Unternehmen haben vor allem ein Anliegen: Sie wollen die Möglichkeit haben, Zeit- und Kapitalaufwand und zu erwartende Leistungen eines bestimmten Softwareprojekts genau abzuschätzen - bevor die Entscheidung für dieses Projekt fällt.

- Um die Zeit von der Applikationsplanung über die Implementierung bis hin zum praktischen Einsatz des Systems zu verkürzen sind kürzere Programm-Entwicklungszeiten erforderlich.

- Der Hersteller muß dem Anwender eventuelle Änderungen seiner Anwendungssoftware erleichtern.

- Forderung nach vereinfachtem Datenzugriff. Auf der Managementseite versteht man hierunter die Möglichkeit eines schnellen Informationsabrufs ohne spezielle DV-Kenntnisse.

- Die Anwender fordern mehr Freiheit bei der Wahl von Ausgabekomponenten wie Bildschirmterminals, Hardcopy Printer Mikrofiches etc.

In all diesen Punkten wird die Forderung nach vermehrter Flexibilität deutlich.

Die gegenwärtige Enttäuschung des Managements über die mangelnde Flexibilität der komplexen DV-Systeme sowie den enormen Kosten- und Leistungsaufwand für die Steigerung der Systemflexibilität ist unüberhörbar.

Der Guide-Bericht kommt zu folgendem Schluß: Die Datenverarbeitung befindet sich gegenwärtig in einer kritischen Situation. Dienstleistungen sind durch die beschränkten Kapazitäten der DV-Einrichtungen begrenzt. Die heutigen Applikationssysteme sind zu komplex und unflexibel. Ursprünglich als wertvolles Hilfsmittel für eine rationelle Unternehmensführung gedacht und entwickelt, geraten die modernen Informationssysteme heute zunehmend außer Kontrolle. Viele Mitarbeiter scheinen die EDV bereits als Selbstzweck zu betrachten.

"EDV-Charta"

1965 habe ich versucht, die wichtigsten Aufgaben der DV-Organisation eines Unternehmens in einer sogenannten EDV-Charter zusammenzufassen. Die damals getroffenen Feststellungen haben auch heute nicht an Aktualität verloren:

Die wichtigste Aufgabe der kommerziellen EDV besteht in der Organisation eines rationellen Informationsflusses im Hinblick auf einen reibungslosen und wirtschaftlichen

optimalen Ablauf sämtlicher Unternehmens-Aktivität. Hier hat die EDV folgende Aufgaben zu lösen:

- Erfassung, Prüfung, Speicherung und Abruf von Daten sowie die Darstellung und Übermittlung dieser Informationen in sämtlichen Managementbereichen.

-Optimale Integration von Menschen und Maschinenpotential im täglichen Betriebsablauf.

in diesem Sinne müssen die vorhandenen DV-Kapazitäten voll in das organisatorische Gesamtkonzept der Unternehmensplanung integriert sein. Hierbei weist die EDV einige ganz spezielle Merkmale auf:

- Abgesehen von Verwaltung und Kontrolle der eigenen Aktivitäten liefern die DV dem Unternehmen nur unter ganz bestimmten Bedingungen so etwas wie ein "Produkt".

Nur dann nämlich, wenn die DV-Kapazitäten in einem dynamischen Kooperationsprozeß in die einzelnen Unternehmensbereiche integriert sind, erbringen sie Leistungen, die im normalen Betriebsablauf dieser Abteilungen konkret verwertbar sind.

Der Erfolg der EDV wird an ihrer Integration in die organisatorische Struktur eines Unternehmens, am Ausmaß der Überwindung ihres Status als selbständige Unternehmenssubeinheit gemessen.

Charles P. Lecht ist Gründer und Vorsitzender der Advanced Computer Techniques Corporation (ACT).

Übersetzung: Reinhold Falkner