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17.03.1978

Entwicklungstendenzen HardwareSoftware

Wer seine Computersysteme einfach aufstockt, ohne gleichzeitig die Nutzungsmöglichkeiten der neuen Kapazitäten entscheiden zu verbessern, schneidet sich ins eigene Fleisch. Die IBM zum Beispiel dürfte ihre Lektion gelernt haben. Als das Unternehmen Anfang der 70er Jahre gerade mit der Installation der neuen Systeme 370 begann, wurde die internationale Wirtschaft von der schwersten Rezession seit Kriegsende getroffen.

In dieser Situation gingen nun viele Anwender nicht auf die neuen Systeme über, sondern beschränkten sich aus wirtschaftlichen Gründen darauf, ihre 360er-Systeme einfach auf die Kapazität der neuen 370er-Systeme aufzustocken. Die wirtschaftlichen Verluste des Herstellers waren beträchtlich.

Heute wird kein weitblickender Hersteller mehr neue, leistungsstärkere Systeme auf den Markt bringen, ohne gleichzeitig dem Anwender die Möglichkeit zu bieten, die zusätzlichen Kapazitäten auch optimal zu nutzen. Auf der anderen Seite müssen die Hersteller natürlich - wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, ihre Kunden zu verlieren - diesen jederzeit qualifizierte Erweiterungsmöglichkeiten für ihre Systeme bieten. Jede erfolgreiche Produktstrategie muß darauf abzielen, diese beiden dynamischen Gegensätze zu integrieren. Es geht darum, auch noch mit alten Systemen befriedigende Erträge zu erzielen, ohne dadurch die Anwender mit ihrer Forderung nach neuem Equipment zu vergrämen.

Betriebssystem-Trends

Während wir zusammen mit dem Benutzer gespannt auf den großen Durchbruch warten - auf die einfach zu handhabende Software, die ihn endlich vom "kopflastigen Spezialisten" befreit -, wollen wir uns einmal ansehen, was sich in dieser Richtung bereits tut.

An erster Stelle ist hier das Multiple Virtual Storage (MVS) Betriebssystem von IBM zu nennen. Zusammen mit der "Virtual Machine" 370 (VM 370) erleichtert dieses System dem Benutzer den Umstieg auf die 380er-Systeme gegen Ende dieses Jahrzehnts. Andere Umstiegshilfen sind: System Network Architecture (SNA), Synchronous Data Link Control (SDLC), Virtual Storage Access Method (Vsam) und die Data Language/1 (DL/1).

MVS ist ein modular aufgebautes Betriebssystem. Damit können die Benutzer genau die Softwarekomponenten auswählen, die sie für das eigene System brauchen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß eine künftige MVS-Version auf modularer Basis gleichsam "entbündelt" wird. Dadurch werden die Benutzer die Möglichkeit haben, sich aus der Softwarepalette des Herstellers die speziellen Funktionen herauszusuchen, die sie für ihre Applikationen brauchen.

Offiziell wurde die modulare Konzeption eines Betriebssystems aus "Selectable Units" (SU) erst Mai 1976 vorgestellt. Bei näherer Betrachtung erweist sich diese Baukastenkonzeption jedoch als direkte Fortsetzung des Trends hin zum "Unbundling" und zur separaten Preisgestaltung von Betriebssystembausteinen. Am Anfang dieser Entwicklung standen IBMs VM/ 370 RPQ-Moduln zu einem monatlichen Mietpreis von 850 Dollar.

Juli 1976 wurde unter der Bezeichnung RACF das erste SU-Modul des MVS-Betriebssystems vorgestellt, das für 875 Dollar pro Monat erheblich mehr Datensicherheit bietet. Ihm sind inzwischen mehr als ein Dutzend weitere SUs gefolgt.

Modul-Techniken

Ein SU-Softwaremodul ist leistungsmäßig oder/und funktional ein erweiterter Baustein zur MVS-Grundversion. Wenn in der Vergangenheit ein Benutzer ganz bestimmt Erweiterungen zu seiner Systemsoftware benötigte, dann blieb ihm in der Regel nichts anderes übrig, als auf die neue größere Version seines Betriebssystems zu warten. Der Nachteil dabei war daß die neue Version dann meist neben den benötigten Komponenten auch eine Vielzahl von Funktionen enthielt, für die der Anwender überhaupt keinen Bedarf hatte.

Mit Hilfe der neuen SU-Technik lassen sich derartig kostspielige Erweiterungsmanöver künftig vermeiden - der Anwender kauft nämlich genau diejenige Software, die er auch wirklich braucht. Zwar hat IBM dieses modulare Konzept nur für das Hochleistungsbetriebssystem MS angekündigt, es ist jedoch damit zu rechnen, daß das Baukastenprinzip auch bei der Entwicklung anderer Betriebssysteme Eingang findet.

So dürfte beispielsweise das DOS/VS-Betriebssystem aus dem unteren Leistungsbereich schon in absehbarer Zeit abgesetzt nur auf Wartungsbasis weitergeführt werden - als Konsequenz des Umstiegs der IBM-Kunden auf MVS, SVS oder VM.

Die neue flexible Packaging-Technik bietet viele Vorteile: Die SU-Technik arbeitet mit standardisierten Interfaces für sämtliche Funktionskomponenten des Betriebssystems. Dadurch werden Anpassungsfähigkeit und Kompatibilität mit künftigen Systemen entscheidend verbessert. Darüber hinaus vereinfacht das Bausteinprinzip die Problem-ldentifikation und trägt ganz allgemein zur Stabilisierung und besseren Wartbarkeit der Systemsoftware bei.

Mit dem SU-Prinzip kann IBM die Einführung neuer Funktions- und Leistungsmoduln viel genauer dosieren, als dies bisher bei kompletten Betriebssystemen möglich war.

Die SU-Technik bedeutet für den Hersteller auch eine größere Flexibilität bei der Preisgestaltung der Erweiterungskomponenten. Die Entwicklung von neuen Funktionen für MVS, SVS und VM/370 bietet nämlich die Möglichkeit einer ganz neuen Preisstruktur: In diesem neuen System können auf lange Sicht die Hardwarepreise jeweils fast direkt proportional zu den Softwarekostensteigerungen reduziert werden (value added pricing).

Auch für die nächste Generation von IBM-Rechnern - die wir in Ermangelung eines besseren Namens als System 80 bezeichnen - hat die modulare SU-Technik wichtige Konsequenzen.