Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.12.1977

Entwicklungstendenzen in der Programmdokumentation

MÜNCHEN (de) - Es gibt einen Begriff in der Datenverarbeitung, mit dem schlichtweg Schindluder getrieben wird - und der heißt: "Dokumentation". Das grenzt schon an Sadismus, wenn schreibfreudige DV-Theoretiker mit diesem Wort das dünne Narbengewebe über den ständig "infektionsgefährdeten Weichteilen" (sprich Software) eines DV-Anwendungssystems immer wieder aufreißen - Schwamm drüber.

Es bringt nichts, auf den Versäumnissen der Vergangenheit herumzureiten - welcher Programmierer hätte in diesem Punkt schon ein reines Gewissen? Die Anwender müssen jetzt allerdings Farbe bekennen: Ohne gute Dokumentation sind die anstehenden Programmieraufgaben im Bereich der TP-Anwendungen nicht mehr zu bewältigen. Den folgenden Beitrag zur Dokumentations-Problematik haben wir dem Handbuch der modernen Datenverarbeitung* entnommen:

Die gegenwärtige Anwendungsprogrammierung wird durch eine Reihe von Entwicklungen begleitet, die mittels neuer Techniken, Verfahren, Programmiereinrichtungen und Programmiersprachen die Erschließung neuer Aufgabengebiete für die Datenverarbeitung und die Verbesserung der Programmqualität bewirken. Die Programmdokumentation mit ihren gegenwärtig praktizierten Techniken und Verfahren gehört sicherlich zumindest zu den Aufgabengebieten, die dringend bearbeitet werden müssen. Obwohl die "optimale Dokumentation" (Erfassung aller Aktivitäten der Programmentwicklung und bedarfsgerechte Belieferung aller Anfragen) zunächst nicht realisierbar ist, müssen neue Wege beschritten werden, sollte sich die Programmdokumentation nicht als unüberwindbares Hindernis entpuppen.

Bereits bei der Benutzung von anwenderorientierten Programmiersprachen besteht die Möglichkeit, Programmabschnitte im Programm selbst verbal zu beschreiben und graphisch auszuwerten (zu plotten). Besonders gilt dies für die (häufig überschätzten) selbstdokumentierenden Programmiersprachen.

Das Vordringen der strukturierten Programmierung bietet eine weitere Möglichkeit. Sie besteht in der selbständigen Dokumentation einzelner Programmphasen (-moduln), so daß sie direkt während der Programmarbeiten angefertigt wird.

Eine weitere Möglichkeit bietet sieh durch die interaktive Programmierung an. Hier werden Programmierungshilfen (Testhilfen in der Textaufbereitung, Verwaltung von Dateien durch Editoren, Testhilfen zur Programm-Modifikation) benutzt, um die Dokumente (Listen) und Testdaten zu reduzieren bei gleichzeitiger Erhöhung der Abrufbereitschaft der Dokumente und Zeitersparnissen in der Programmwartung. Bereits in dieser Form der Programmdokumentation (sie ist zugleich die Basis des vorgelegten Erfahrungsberichtes) rückt die Frage nach einer Dokumentationsbank auf der Basis eines Datenbank-Systems in den Vordergrund Sie wird unausweichlich, wenn Programmierungshilfen in vollem Umfang genutzt werden und durch strukturierte Programmierung die Mehrfachnutzung der Moduln über vereinbarte Schnittstellen programmunabhängig vonstatten gehen soll.

Den vorerst weitesten Schritt in dieser Richtung haben die computerunterstützten Techniken für die strukturierte Dokumentation und Analyse getan. Es handelt sieh dabei um ein Dokumentationsverfahren, in dessen Mittelpunkt ein Datenbank-System steht und das über Problem Statement Language (PSL) und Problem Statement Analyzer (PSA) betrieben wird (die meisten installierten Systeme dieser Art sind in ANSI FORTRAN geschrieben). Das Verfahren strebt eine Qualitätsverbesserung der Programmdokumentation an. Sie wird erreicht durch Sammlung und Bereitstellung der Dokumente durch die Datenbank, die einerseits in der Informationserfassung, andererseits in der Informationsbereitstellung (erklärende Texte, Tabellen, Matrizen, Diagramme, Graphiken) durch PSL und PSA benutzerfreundlich unterstützt wird.

Diese Entwicklungsfolge: Programmiersprachen - strukturierte Programmierung - interaktive Programmierung - neue Dokumentationshilfen dürfte in unmittelbarer Zukunft Realität werden.

* HMD Handbuch der Modernen Datenverarbeitung Forkel-Verlag Stuttgart, 14 Jahrgang, September 1977