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25.09.1998 - 

Erweiterter Bus soll für mehr Datendurchsatz sorgen

Entwicklungstrio macht dem PCI-Standard Beine

PCI-X als Erweiterung des altgedienten PCI-Bus soll PC-Servern einen höheren Datendurchsatz verschaffen. Mit einer Breite von 64 Bit und einer Taktrate von 133 Megahertz stellt der PCI-X-Bus die Bandbreiten zur Verfügung, die nach Ansicht von IBM, HP und Compaq für moderne Architekturen wie Gigabit-Ethernet, Fibre Channel, Ultra 3 SCSI oder Cluster-Verbindungen benötigt werden.

Ungewöhnlich an der Initiative ist, daß Intel als Erfinder der PCI-Technik nicht dazugebeten wurde. Das "Wall Street Journal" vermutet, daß die Furcht vor drohenden Lizenzabgaben an den Chipgiganten die drei Konkurrenten zusammenkommen ließ, denn Intel brütet derzeit selbst über schnellere I/O-Kanäle in PC-Systemen (siehe auch CW 37/98, Seite 4). Das Blatt zitiert einen Vertreter des Entwicklungstrios: "Der Vorschlag ist ein Warnschuß gegen Intels Bemühungen, eine Technik zu kontrollieren, die ein offener Standard sein sollte."

Für diese These spricht, daß die Troika nach Angaben des Branchendienstes "Computergram" just zu dem Zeitpunkt mit der Entwicklung der Spezifikationen begann, als bekannt wurde, daß Intel an einem eigenen, proprietären neuen Bus arbeitet. Die offizielle Lesart sieht anders aus: "Wir erfüllen damit einfach die Erfordernisse unserer Kunden", erklärte beispielsweise Karl Walker, Vice-President für Technische Entwicklung von Compaqs Enterprise Computer Group. Tatsächlich verfügen IBM und HP wegen ihrer Erfahrungen mit Rechnern der mittleren und oberen Leistungsklasse über das notwendige Know-how, schnelle I/O-Verbindungen zu implementieren. Compaq hat sich mit der Übernahme von Digital Equipment und Tandem zudem solche höherwertigen Systeme eingekauft.

Hewlett-Packard, mit Intel eng verbunden, was die zukünftige Prozessorgeneration IA-64 ("Merced") angeht, weist gegen Intel gerichtete Spekulationen mit dem Hinweis zurück, daß die PCI-X-Spezifikationen als erstes die Grove-Company zu sehen bekam. Manfred Willem von HP in Böblingen hält die Initiative denn auch nicht für einen Angriff gegen Intel. Er hofft, daß der Chipkrösus auch weiterhin die passenden Bausteine für die einzelnen CPUs liefern wird. HP dürfte kein Interesse haben, selbst in dieses Geschäft einzusteigen, wolle das Unternehmen doch "die Chipfertigung weitgehend zurückschrauben".

Dennoch ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung gut gewählt. Intel muß sich derzeit einer Antitrust-Untersuchung der US-Kartellbehörden unterziehen und kann deshalb nicht übermäßig aggressiv agieren. "Intels instinktive Reaktion wäre vielleicht gewesen, die drei Ausreißer abzustrafen", kommentierte Robert Heller, ein auf Monopolvorwürfe spezialisierter New Yorker Rechtsanwalt in der "Computerworld". Jetzt sei die Firma besser beraten, die Finger davon zu lassen. Neben der Antitrust-Untersuchung läuft gegen Intel zum gleichen Thema auch noch eine Privatklage der Intergraph Corp.

Die Zusammenarbeit von IBM, HP und Compaq - drei Unternehmen, die auf vielen Märkten konkurrieren - richtet sich wohl auch gegen den rasant wachsenden Wettbewerber Dell. Er jagte in jüngster Zeit den Etablierten sowohl bei Desktops als auch bei PC-Servern immer mehr Marktanteile ab. Der Direktvertreiber verfügt zwar über eine eigene Board-Entwicklung, bezieht die Prozessorplatinen für die höherwertigen Server allerdings von Intel.

Offener Standard für schnellen Bus

Schon früher mußte sich Intel wegen des Geschäfts mit Fertigplatinen den Vorwurf gefallen lassen, die eigene Chipkundschaft zu verärgern. Intel brachte fast immer zeitgleich zu neuen Prozessoren auch die passenden Rechnerplatinen auf den Markt. Abnehmer der Boards hatten nicht nur Zeit- und Kostenvorteile, sie wurden auch früher als die Wettbewerber mit den zu Anfang raren Chips beliefert. PC-Hersteller, die ihre Platinen selbst entwickelten, klagten oft über lange Lieferfristen.

Mit dem PCI-X-Bus hätten Compaq, HP und IBM nun ein Mittel gefunden, sich im PC-Geschäft von den Mitbewerbern abzuheben. Zudem könnte sich damit das ganze Geschäftsgebaren im Wintel-Markt dahingehend ändern, daß der Trend zur einheitlichen Architektur gestoppt wird und NT-Server nicht zum Massenprodukt verkommen.

Heiner Bruns, Pressesprecher der deutschen Dell-Niederlassung in Langen, fürchtet sich nicht vor den großen Drei: "Wir setzen in unseren Systemen nur solche Technologien ein, die sich bereits als Industriestandard etabliert haben." Proprietäre Eigenentwicklungen kämen für Dell nicht in Frage. Momentan verwendet der Direktvertreiber ausschließlich Intel-Prozessoren mit den passenden Chipsätzen, die unter anderem den I/O-Verkehr über den PCI-Bus regeln. Ähnlich gelassen gibt sich Bruns US-Kollege Jim Manzolla: "Dell agiert äußerst erfolgreich mit der Strategie, Industriestandards schnell auf den Markt zu bringen. Wir sehen keine Veranlassung, das Geschäftsmodell zu ändern."

Einig ist sich die Branche, daß die Initiative, ein zu PCI kompatibles, aber schnelleres Bussystem zu entwickeln, generell zu begrüßen ist. Besonders große NT-Server auf Intel-Basis leiden derzeit unter dem PCI-Flaschenhals. Ein schnellerer Datendurchsatz für diese Maschinen ist dringend erforderlich. Voraussetzung für eine weite Akzeptanz ist allerdings gerade auch im Sinne der Anwender, daß der Standard allen offen steht.

Das wissen wohl auch die drei Initiatoren und legten die PCI-X-Spezifikationen der PCI Special Interest Group (PCI SIG) vor, die daraufhin eine Arbeitsgruppe für deren Prüfung bildete. Innerhalb von 45 Tagen soll das Prüfteam eine Empfehlungsliste für den Lenkungsausschuß von PCI SIG erstellen. Dieser akzeptiert die Vorschläge dann oder gibt sie zur weiteren Bearbeitung zurück an die Arbeitsgruppe. Anschließend soll der Lenkungsausschuß die von ihm akzeptierte Fassung an die Mitglieder der PCI SIG weitergeben. Danach beginnen die Verhandlungen für die endgültigen Spezifikationen. Der Prozeß soll innerhalb von drei bis sechs Monaten abgeschlossen sein.

Unter den Hunderten von PCI-SIG-Mitgliedern findet sich auch Microsoft. Möglicherweise wird es notwendig werden, die Treiber in den Betriebssystemen an den höheren Datendurchsatz des PCI-X-Bus anzupassen. Andere PCI-SIG-Teilnehmer wie 3Com, Adaptec oder Mylex haben bereits Unterstützung für die Initiative angekündigt und wollen entsprechende Produkte voraussichtlich im zweiten Halbjahr 1999 auf den Markt bringen.

Von Intel ist derzeit noch keine Stellungnahme zu PCI-X zu erhalten, da die Unterlagen noch geprüft würden. Prinzipiell sei der Chiphersteller aber an allen Bestrebungen, die Intel-Plattform voranzutreiben, interessiert. Dem PCI-Konsortium liegt derzeit ein Vorschlag von Intel vor, der unter dem Namen "Mini PCI" für mobile Rechner gedacht ist..

Was ist PCI SIG?

Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich keine Firma, sondern die Special Interest Group (SIG), die die Standards für den lokalen Bus "Peripheral Component Interconnect" (PCI) festlegt. Die Mitglieder der Gruppe setzen sich aus Vertretern der Mikrocomputerindustrie zusammen, die die Entwicklung der PCI-Architektur vorantreiben und überwachen. Der aus neun Mitgliedern bestehende Lenkungsausschuß führt die Gruppe, wobei die Statuten einzuhalten sind. PCI SIG stellt ihren Mitgliedern außerdem Dienste zur Verfügung. Mitglieder im Lenkungsausschuß sind derzeit: Adaptec, AMD, Compaq, IBM, Intel, Phoenix Technologies, Texas Instruments sowie die beiden neuen Mitglieder Mylex und Gateway.