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22.05.1987 - 

Ex-Norsk-Data-Chef soll Karren aus dem Dreck ziehen:

Enzelmüller wird im Juli Boß bei Wang

FRANKFURT (ujf) - Die andauernden Querelen im Management der deutschen Wang-Tochter gehen mit der Berufung von Horst Enzelmüller als Geschäftsführer offenbar ihrem Ende entgegen.

Der Streit zwischen dem langjährigen Deutschland-Chef Dieter Basziszta und einer internen Oppositionsgruppe um den damaligen Vertriebsleiter Manfred Schanz hatte im vorigen Sommer in einem kompletten Revirement der Unternehmensspitze geendet: Schanz mußte das Handtuch werfen, und als Nachfolger für den plötzlich im Großkundengeschäft Zentraleuropa tätigen Basziszta kam der frühere europäische Ausbildungsleiter Friedemann Zachlod an den Main, ein Mann, dessen Qualitäten von Brancheninsidern nicht unbedingt als die eines Trouble-Shooters geschildert werden. Zunächst stiftete Wang Europe zusätzliche Verwirrung, indem das Unternehmen verlautbarte, der verdiente Ex-Geschäftsführer Basziszta sei jetzt in der internationalen Abteilung für den Nahen Osten und Afrika verantwortlich. Doch diese Information hatte einen Wahrheitsgehalt von Null.

Mittlerweile absolvierte Zachlod etliche Auftritte vor Kunden und der Presse - oft in Begleitung seines Direktors Unternehmensverbindungen, Christian Zschaber, eines bekannten Bonner Lobbyisten. Unaufmerksame Zuhörer fragten dabei gelegentlich ihren Nachbarn, wer von beiden eigentlich der Chef sei. Als Zachlods Mentor, der für Europa verantwortliche Vice President Ian Diery, von Konzernchef Fred Wang in die US-Zentrale berufen wurde, sank der Stern des "einstigen Seemanns" (,Manager Magazin über Zachlod) wieder.

Der Vorjahresumsatz wäre ein Traumergebnis

Im Januar machte dann mit Udo Schmickler ein neuer Vertriebsleiter seine Antrittstournee. Kurze Zeit später - Zachlod war kaum mehr als ein halbes Jahr in der Frankfurter Chefetage gewesen - holte der neue Mitteleuropa-Manager, Ian Stewart den deutschen Statthalter zurück auf seinen alten Posten nach Brüssel. Stewart übernahm kommissarisch selbst die Regie in der Main-Metropole. Die Zurückhaltung unter den Anwendern, von denen sich viele schon 1986 von Wang abgewendet hatten weitete sich aus.

Inzwischen gilt die noch vor wenigen Wochen zirkulierende Schätzung als überholt, derzufolge der Umsatz in diesem Geschäftsjahr um 15 Prozent sinken werde. Jetzt geht man im Umfeld des Unternehmens von "mindestens 20 Prozent" aus. Hätte nicht wenigstens die Deutsche Bank an ihrem Großauftrag über VS300-Maschinen für ihre Auslandsfilialen festgehalten, der Absturz vom Vorjahreslevel (282 Millionen Mark) wäre katastrophal ausgefallen.

In der Frankfurter Verwaltung brach das große Zittern aus, als sich herumsprach, daß weitere Personalreduzierungen unumgänglich seien. Aus inoffiziellen Quellen ist zu hören, angestrebt sei eine Verkleinerung des Stabes - auf 550, möglicherweise nur noch 500 Mitarbeiter. In ihren besten Tagen, noch unter Basziszta, hatte die GmbH über 800 Beschäftigte. Auf die Stimmung schlugen auch kleine Sparmaßnahmen am Rande, die soweit gingen, daß der Gratis-Kaffee pro Kopf und Tag auf zwei Tassen beschränkt wurde.

Ernster zu nehmen wäre hingegen eine angebliche Entscheidung der Geschäftsleitung, die internen Schulungen, die es selbst nach Ansicht wohlmeinender Kritiker bisher äußerst reichlich gegeben hatte, komplett abzusetzen. Der kommissarische Geschäftsführer Ian Stewart dementiert allerdings vehement, daß es eine solche Rotstiftaktion gebe: "Mir ist nicht bekannt, daß wir interne Ausbildung in irgendeiner Weise kürzen werden."

Nun soll sich bald alles zum Guten wenden, denn ein Sanierer ist gefunden. Der Name von Horst Enzelmüller war schon bald nach dessen Ausscheiden bei Norsk Data in der Frankfurter Gerüchteküche aufgetaucht und wurde rasch vom "Manager Magazin" kolportiert. Doch bald machte das Ondit die Runde, Enzelmüller habe - wie die anderen Kandidaten auch - abgesagt; Wang habe ihm die geforderten Vertragsbedingungen nicht zugestanden.

Nichtsdestotrotz ist es seit letztem Freitag amtlich: Der Manager, der vor Zeiten die deutsche Tandem-Filiale aufgebaut hatte, hat doch unterschrieben. Welche Zugeständnisse Wang-Chef Stewart machen mußte, ist derzeit Objekt der Spekulation. Der künftige Deutschland-Statthalter hat noch einige Wochen Zeit, sich auf die schwierige Aufgabe vorzubereiten - und er hat sich mit der nötigen Portion Zuversicht gewappnet: "Die Substanz der Firma ist gut", meint Enzelmüller. Ansonsten will der Geschäftsführer in spe aber keinen Kommentar zu seinen Plänen abgeben.