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07.01.2015 - 

eGeld, mobiles Payment, Biometrie

ePayment-Trends 2015

Tobias Schreyer ist Mitgründer und Chief Commercial Officer des auf internationale elektronische Bezahlprozesse spezialisierten Lösungsanbieters PPRO Group. Bereits während seines Studiums gründete er 1995 in München den Internet Service Provider GEDIK GmbH, 2006 folgte die Transact Network Ltd. mit Sitz in Gibraltar. Weitere Stationen seiner Karriere waren die WireCard AG, wo er als Vice President Business Development and Sales tätig war sowie Bay Management Ltd., wo er die Position Director of Payments innehatte.
Der technologische Fortschritt hat in den letzten Jahren zahlreiche neue Trends im Payment-Bereich hervorgebracht. Die Branche passt sich fortlaufend an, um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten.

2014 war bereits eine zunehmende Bewegung hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft zu beobachten. Ich bin überzeugt, dass sich der Rückgang des konventionellen Privatkundengeschäfts von Banken 2015 weiter fortsetzen wird. Digitale Dienstleistungen wie E-Geld-Konten einschließlich der damit verknüpften Debit- und Prepaid-Karten werden als Alternativen zum traditionellen Bankwesen immer beliebter, und zwar überall auf der Welt.

2015 wird es einen beschleunigten Trend zum E-Geld-Konto geben, durch den sich die aktuell bevorzugten Online-Bezahlmethoden wie Debit- und Kreditkarte sowie PayPal innerhalb einer größeren Vielfalt an Online- und mobilen Zahloptionen neu positionieren werden. Diese neuen Zahlverfahren tragen nicht nur den Veränderungen im deutschen Bankenmarkt Rechnung, sondern kommen auch den Zahlungsvorlieben von Kunden außerhalb Deutschlands entgegen, die Waren von deutschen Onlinehändlern kaufen möchten."

Trend 1: E-Geld

Da Bankkunden stets kürzere Bearbeitungszeiten und eine vereinfachte Nutzung rund um die Uhr erwarten, werden sie mehr und mehr auf E-Geld-Konten setzen. Diese vereinen die Vor-züge eines herkömmlichen Bankkontos mit besserem Datenschutz, geringeren Gebühren, schnelleren Reaktionen und effizienteren Verbraucherschnittstellen. Im Zuge der Umbrüche im Payment-Bereich haben E-Geld-Konten mit verknüpften Prepaid-Karten einen Aufschwung erlebt und werden einen neuen Kundenkreis erobern. Es ist davon auszugehen, dass Prepaid-Karten sich als nützliche Alternative zu herkömmlichen Kredit- und Debitkarten erweisen werden.

Da Kunden mit einer Prepaid-Karte mehr Kontrolle über ihre Ausgaben haben, werden sie sich zu einer wichtigen Bezahlmethode für den Durchschnitts-verbraucher entwickeln. Auch für Unternehmen bietet sie Vorteile, beispielsweise als sicheres Zahlverfahren für Gehaltsüberweisungen und - in Form einer Firmen-Prepaid-Karte - als Zahlungsmittel für die Mitarbeiter. Die wachsende Beliebtheit von Prepaid-Karten mit angeschlossenem E-Geld-Konto ist ein Indikator für einen generellen Wandel im Bankensektor. Kunden verwalten ihr Vermögen zunehmend online.

Ihre Anforderungen an die persönliche Interaktion mit Mitarbeitern der Fi-nanzdienstleister nehmen ab, weshalb auch die Anzahl der Bankniederlassungen in den letz-ten Jahren drastisch zurückgegangen ist. Herkömmliche Banking-Methoden werden auf lange Sicht größtenteils überflüssig werden. Maßgeblich prägen werden den Payment-Markt der Zukunft hingegen E-Geld-Konten und Prepaid-Karten.

Mobile Payment mit der MyWallet-App
Mobile Payment mit der MyWallet-App
Foto: Telekom

Trend 2: Mobile Payment

Auch in Sachen Mobile Payment wird sich 2015 einiges weiter entwickeln. Das Thema ist zwar nicht neu (Google Wallet und PayPal sind in diesem Umfeld seit Jahren am Markt), doch mit der Einführung von Apple Pay für das iPhone 6 und neue iPads wird Apple sich nun als stärkste Kraft in diesem Segment positionieren. Auch in Deutschland werden 2015 neue mobile Bezahlmethoden auf den Markt kommen, was die gesamte Branche unter Anpassungsdruck setzen wird. Händler sollten damit rechnen, dass Kunden die neuen mobilen Bezahlmethoden schnell annehmen werden. Deshalb gilt es, sich auf die Payment-Wünsche der Kunden vorzubereiten und die eigene Infrastruktur entsprechend anzupassen.

Tobias Schreyer, Chief Commercial Officer bei der PPRO Group: "Der technologische Fortschritt hat in den letzten Jahren zahlreiche neue Trends im Payment-Bereich hervorgebracht."
Tobias Schreyer, Chief Commercial Officer bei der PPRO Group: "Der technologische Fortschritt hat in den letzten Jahren zahlreiche neue Trends im Payment-Bereich hervorgebracht."
Foto: PPRO

Trend 3: Biometrie

Auch biometrische Verfahren sind auf dem Vormarsch. Obwohl sie in den etablierten westeuropäischen Märkten nur langsam angenommen werden, wird die Entwicklung nicht bei der biometrischen Authentifizierung im Rahmen von Zahlungen mit Apple-Geräten haltmachen.

Laut einer Umfrage des Payment-Anbieters WorldPay wünschen sich 49 Prozent der europäischen Verbraucher biometrische Autorisierungsverfahren für Bezahltechnologien. In einem neuen Versuch, Passwörter durch sicherere Verfahren zu ersetzen, plant zum Beispiel die Barclays-Bank, bei ihrem Bankingdienst für Smartphones sowohl Stimmerkennung als auch biometrische Fingervenenscanner einzuführen. Das Stimmerkennungssystem identifiziert Kunden anhand ihrer Sprechmuster. Zunächst wird es den Kunden von Barclays Wealth angeboten, und Anfang 2015 dann auch den übrigen der zwölf Millionen Barclays-Kunden. Ich vermute, dass im Laufe des Jahres immer mehr Banken diese Technik übernehmen werden.

2013 betrug die Verlustrate durch Kartenbetrug allein in Deutschland 116 Millionen Euro, so eine Statistik von Euro Kartensysteme, einer Einrichtung der Deutschen Kreditwirtschaft. Die Nutzung von biometrischen Daten für die Identitätsverifizierung ist daher zweifellos im Sinne der Banken. Neue Bezahltrends entwickeln sich stets parallel zum technologischen Fortschritt, egal ob mobile Bezahlarten, biometrische Verfahren, Zahlungen über Soziale Medien oder Systeme wie Bitcoin. Unternehmen müssen mit den Markttrends Schritt halten und eine größtmögliche Bandbreite an Optionen anbieten. Wenn sie es schaffen, die Kundenbedürfnisse zu erfüllen, wird sich das wiederum positiv auf ihr Geschäft auswirken. (rw)

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