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14.01.1977 - 

Anwenderbericht: Institut für Reaktorsicherheit, Köln

Erfahrungen mit DSS-System MDS 2400 als RJE-Station

14.01.1977

Das Institut für Reaktorsicherheit (IRS) der Technischen Überwachungsvereine e. V. hat seinen Sitz in Köln. Seine wichtigsten Aufgaben sind:

- Ausarbeitung sicherheitstechnischer Regeln und Richtlinien sowie gutachterliche Stellungnahmen zu grundsätzlichen Sicherheitsfragen der Kerntechnik,

- Beratung und Gutachtertätigkeit für Behörden des Bundes,

- Erfahrungsaustausch mit den Technischen Überwachungsvereinen und Beteiligung an der Ausarbeitung von Gutachten der Technischen Überwachungsvereine.

Aus diesen Aufgabenstellungen leitet sich der relativ hohe Anteil (zirka 75 Prozent von insgesamt 250 Mitarbeitern) an technisch-naturwissenschaftlich ausgebildetem Fachpersonal - Ingenieure, Physiker, Mathematiker, Chemiker, Biologen u. a. - ab.

Die Lösung der beschriebenen Aufgaben hat nach Stand von Wissenschaft und Technik zu erfolgen und ist ohne den Einsatz der Datenverarbeitung nicht denkbar. Deshalb werden technisch-wissenschaftliche Programms aller Größenordnungen und der unterschiedlichsten nationalen und internationalen Provenienz eingesetzt. Im allgemeinen sind diese Programme sehr umfangreich und rechenintensiv, so daß ihr Einsatz nur auf Großrechenanlagen in Frage kommt.

Datenfernverarbeitung mit unterschiedlichen Rechnern

Der Gesamtaufwand an Rechenzeit und sonstigen Ressourcen ist jedoch wiederum nicht so groß, daß eine eigene Großanlage wirtschaftlich betrieben werden könnte. Deshalb werden seit etwa fünf Jahren die Rechnungen auf Großanlagen mit Hilfe der Datenfernverarbeitung abgewickelt.

Die ursprünglich angemietete Remote Job Entry (RJE) Station wurde wegen Überlastung, gewisser Beschränkungen und wegen der Notwendigkeit, auf Rechenanlagen unterschiedlicher Hersteller zu arbeiten, vor rund 18 Monaten durch das periphere Prozessor-System MDS 2400 ersetzt. Dieses System bietet durch den Einsatz von Emulatoren, die die herstellereigenen RJE-Stationen auf dem System 2400 simulieren, die Möglichkeit, DFV mit fast allen Großanlagen der bekannten Hersteller zu betreiben.

Die Hardware besteht aus folgenden Komponenten:

Zentraleinheit MDS 2408 (32 KB Hauptspeicher), Schnelldrucker MDS 2445 (600 Zl./min, 64 Zeichensatz), Kartenleser MDS 2453 (400 K/min), Magnetbandeinheiten MDS 2433 (800 bpi) und MDS 2435 (1600 bpi), Konsoldrucker Teletype sowie zukünftig einem Plotter.

Konkurrierender Betrieb

Zur Datenfernübertragung (DFÜ) wird die RJE-Station alternativ an einen der folgenden Großrechner (Tabelle Seite 13) angeschlossen, nachdem zuvor der entsprechende Emulator vom Magnetband in den Hauptspeicher der Zentraleinheit MDS 2408 geladen wurde.

Die RJE-Station wird im Zwei-Schicht-Betrieb von jeweils einem Operator im Closed-Shop betrieben. Der Anschluß an einen der Großrechner wird je nach Bedarf der Benutzer des IRS möglichst flexibel gestaltet. Bei konkurrierenden Wünschen und tageszeitabhängig Prioritäten festgelegt. Vom der prinzipiellen Möglichkeit, mit erweitertem Hauptspeicherausbau gleichzeitig und parallel weitere Anschlüsse zu betreiben, wird bisher Abstand genommen. Die Hauptlast des Betriebes wird mit der /370-168 in Jülich abgewickelt.

Durchschnittliches Arbeitsvolumen

pro Monat:

Zahl der Jobs: 1 800

Druckzeilen: 2 500 000

Eingelesene Karten: 300 000

Mikrofilm-Plots: 3 000

CPU-Zeit (Stunden): 35

Die Belastung der Datenfernübertragungsleitungen konnte organisatorisch dadurch relativ gering gehalten werden, daß dem IRS auf der /370-168 (neben rund 300 Magnetbändern) eigene Plattenkapazität von 100 MB (Platte IBM 3330) ständig zur Verfügung steht. Diese Speicherkapazität wird hauptsächlich zur Aufnahme von Programm-Modulen genutzt, so daß nur die eigentlichen Problemdaten (Eingabedaten) transferiert werden müssen. Ähnliches gilt für die /370-158 und die 4004-151.

Die RJE-Station ist HASP-(JES2)-seitig mit je zwei Lesern, zwei Druckern und einem Kartenstanzer generiert. Da die /360-22-Emulation es erlaubt, die Magnetbandstation als Leser oder Drucker oder Kartenstanzer frei zu definieren, kann ein flexibler RJE-Betrieb erreicht werden, der die optimale Ausnutzung der Hardware gestattet.

Bei der /360-22-Emulation ist es außerdem möglich, einen Job, der teilweise in Kartenform, teilweise auf Magnetband vorliegt, so abzuschicken, daß die Daten beim Senden an die Zentralseite wechselweise vom Kartenleser und vom Band gelesen und transferiert werden. Dies erlaubt, Quellenprogramme, die dem IRS auf Magnetband zugänglich gemacht wurden, um die notwendigen Job-Kontroll-Karten zu ergänzen und zu einem Job zu komplettieren.

Über die Konsole können sowohl Zuweisungen der lokalen Einheiten festgelegt und lokale Funktionsbefehle wie "Rewind Tape" abgesetzt werden, wie auch HASP-(JES2)-Befehle an den Zentralrechner übermittelt werden, ohne die laufende Datenübertragung (DFÜ) zu stören oder warten zu müssen, bis die DFÜ der ein/auslaufenden Jobs beendet ist wie beispielsweise bei einer 2780-Emulation erforderlich ist.

Bei HASP bleibt der Drucker hängen.

Dies hat sich im praktischen Betrieb sehr bewährt, da der RJE-Operator ständigen Überblick über den Zustand der Zentralseite und Einfluß auf alle Jobs von seiner Station hat; zudem kann er sofort mit dem Konsol-Operator der Zentralseite in Verbindung treten, wenn sich Probleme ergeben.

Bei der Umstellung von 2780- auf /360-22-Emulation hat sich herausgestellt, daß JES2 am Prozedurverhalten einer Remote-Station erkennt, ob es sich um eine 2780 Station oder um eine /360-22-Station handelt.

Leitungszusammenbrüche während der DFÜ werden von HASP und JES2 unterschiedlich abgefangen: bei HASP bleiben alle aktiven Leser und Drucker "hängen" und müssen zentralseitig neu gestartet werden (HASP-Befehle, die von der RJE-Station kommen, sind bezüglich der "hängenden" Einheiten unwirksam). Bei JES2 treten nach Wiederherstellung des Leitungskontaktes keine Störungen auf.

Da das BS2000 nur Remote-Stationen unterstützt, die analog zur IBM 2780 arbeiten, können hier nicht alle Möglichkeiten der RJE-Station genutzt werden. Eine unangenehme Eigenschaft des BS2000 sei erwähnt: Nach jeweils 16 übertragenen Druckzeilen wird ein EOT-Zeichen gesendet und nach Ablauf weniger Sekunden mit der Übertragung der nächsten 16 Druckzeilen begonnen.

Lokale Emulation

Die wesentlichen Arbeiten auf der 4004-151 erfolgen im Dialog mit Hilfe eines Siemens 8150-Terminals (Standleitung 1200 bit/s), so daß die erwähnten Beeinträchtigungen im vorliegenden Fall unerheblich sind.

Diese Emulation läuft - mit Ausnahme der zusätzlichen Möglichkeit der Bandunterstützung für Ein-/Ausgabe - ohne Besonderheiten. Die vom Zentralsystem einlaufenden "Refreshings" von Systemabfragen werden vom langsamen Drucker der Teletype-Konsole nicht genügend schnell verarbeitet, eine Bildschirmkonsole wäre hier empfehlenswert.

Wegen der langwierigen brieflichen Zustellung der COM-Plots aus dem KFA-Rechenzentrum Jülich (rund 2-3 Tage Wartezeit nach Erstellung und daraus resultierenden terminlichen Schwierigkeiten der Benutzer wurde ein elektromechanischer Plotter der Firma Calcomp Typ 960 bestellt, der im Raum der RJE-Station aufgestellt werden wird.

Da die lokalen Funktionen der /360-22-Emulation so komfortabel sind. kann nach Einbau eines Interface auf eine eigene Steuereinheit für den Plotter verzichtet und dieser direkt an das System 2400 angekoppelt werden. Eine zweite Magnetbandstation (1600 BPI) wurde installiert, um sowohl den Plot-Betrieb besser abwickeln zu können als auch Bänder dieser Schreibdichte für sonstige Zwecke benutzen zu können.

Fazit: Das System MDS 2400 hat sich allen hier gestellten Anforderungen und Erwartungen gewachsen gezeigt und sich im Einsatz als Stapelstation bewährt.