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23.01.1976

Erfahrungen mit System-Software-Paketen

Keine Frage, daß es auf dem freien Markt für System-Software Programmpakete gibt, die die entsprechende IBM-Software weit in den Schatten stellen.

Die einen fragen noch ungläubig: "Warum gibt es dergleichen nicht bei IBM?" Die anderen wissen auch schon die Antwort: "IBM will die Anwender per Software zwingen, mehr Hardware zu kaufen."

In den letzten zwei Jahren hat sich da sicher einiges geändert, Hardware-Erweiterungen müssen schon "berechtigt" sein.

Wer jedoch, um Throughput oder Komfort zu verbessern, System-Pakete kauft, ist meist verärgert, daß es derartiges bei IBM nicht kostenlos gibt, weil die Meinung vorherrscht, daß die auf dem Markt verfügbare effiziente System-Software Teil der Hersteller-Betriebssysteme sein sollte. hö

Kurt Geiser

Leiter der EDV-Abteilung, Bremer Lagerhaus Gesellschaft AG, Bremen

Die IBM stellt zwar teilweise Systemsoftware zur Verfügung, lange jedoch nicht von einer Qualität, wie man sie bei der heutigen Computer-Technologie erwarten könnte. Der Anwender wird so praktisch gezwungen, von Fremdanbietern gegen Gebühren Software zu beziehen, die IBM doch wohl kostenlos zur Verfügung stellen sollte. Die so entstehenden höheren Kosten muß der Anwender aber in Kauf nehmen, um die Effizienz der Anlage, zu erhöhen.

Wer weiß, ob IBM mit dieser Software-Politik nicht darauf abzielt, einen größeren CPU-Bedarf oder mehr Peripherie-Bedarf durch ineffiziente System-Programme herbeizuführen?

Warum wohl bietet die IBM kein vernünftiges Accounting-System an, das doch unbedingt zu einem Betriebssystem gehört?

Wäre der Hersteller heute in der Lage System-Software anzubieten, die im Preis und in der Leistung den bekannten herstellerunabhängigen, Utilities gleich ist, wurde ich ohne weiteres überwechseln, ausgenommen natürlich bei den Paketen, die bereits gekauft sind. Denn bei den Software-Häusern fehlt doch die Sicherheit, ob sie auch morgen noch am Markt sind. Der Marktführer aber bleibt.

Wolfgang Hauke, Abteilungsleiter EDV-Betrieb Berlinische Feuerversicherungsgesellschaft, München

Der Einsatz von herstellerunabhängiger Systemsoftware begann bei uns zu dem Zeitpunkt, als wir feststellten, daß unsere installierte IBM 370/145 echt "randvoll" war. Durch den Einsatz entsprechender Systemsoftware wurden einige unserer EDV-Probleme tatsächlich gelöst.

Natürlich gibt es automatisch Probleme, wenn Fremdsoftware eingesetzt wird. Immer wieder tauchen Fragen auf, die der Software-Anbieter nicht auf Anhieb beantworten kann - oft muß er langwierige Rückfragen in Amerika führen.

Günstiger wäre es, alles aus einer Hand zu haben - wenn zum Beispiel der Hardware-Hersteller eine entsprechend gute und preisgünstige Software anbieten würde. Offenbar sah die IBM bisher noch keine zwingende Notwendigkeit, sich mit diesem Problem zu befassen, denn sie will ja in erster Linie Hardware verkaufen und wenn diese Hardware entsprechend ausgelastet ist, soll der Anwender sich doch das nächstgrößere Modell kaufen.

Allerdings befassen sich mehr und mehr Anwenderkollegen mit der Problematik und versuchen - wie zum Beispiel im GUIDE -, die IBM in Richtung Anwenderbedürfnisse zu fordern, leider aber hat sich da noch nicht allzuviel getan.

Wahrscheinlich werden diese Probleme in einigen Jahren zufriedenstellend vom Hardware-Hersteller gelöst werden, aber so lange kann man einfach nicht warten.

Joachim Meister, Leiter der EDV, Energie- und Wasserversorgungs-AG, Nürnberg

Meiner Meinung nach geben sich die Hersteller - im speziellen Fall die IBM - gar nicht so sehr viel Mühe, exzellente Software zu liefern, da sie sich viel lieber auf die Hardware und deren Verkauf konzentrieren. Ich habe sehr viel Kontakt mit Anwenderkollegen und habe aus den ganzen Gesprächen noch nicht heraushören können, warum es nicht möglich ist, daß der Hersteller ebenso gute Software liefert, als es die vielen Software-Häuser können.

Wer soll sich denn auf dem wenig transparenten Software-Markt heute noch auskennen. Es passiert doch immer wieder, daß man mit der Installation fremder Systemsoftware "auf die Nase" fällt.

Warum gibt es nicht alles unter einem Hut? Die Hardware ist gut, warum nicht die Software? Für mich gibt es hierfür keine Erklärung, ich kann nur daraus schließen, daß die IBM an der Produktion guter Software gar nicht interessiert ist oder daß der Hersteller dieses Problem gar nicht richtig erkannt hat.

Wir setzen also weiterhin Systemsoftware von Software-Häusern ein, die es besser können als der Hersteller und sind auch damit zufrieden.

Dieter Kruppa, Chefprogrammierer, Colgate Palmolive GmbH, Hamburg

In der täglichen Arbeit benötigt man neben der Betriebssoftware von IBM unbedingt Programmprodukte, um die fehlenden Lücken zu ersetzen.

Es gibt zwar heute von der IBM System- und Anwendungssoftware, die über Katalog ausgewählt werden kann, die - bezogen auf meine eigene Erfahrung - in der letzten Zeit auch besser geworden ist, längst aber noch nicht alle Erfordernisse abdeckt. Denkt man hier zum Beispiel an das IBM-Spooling-System im Zusammenhang mit Multiprogramming. Dieses Problem tauchte bei uns schon vor fünf Jahren auf. Zwar gab es da ein POWER-System, das jedoch so viele Schwächen aufzeigte, daß wir auf GRASP umstiegen - unheimlich teuer zwar, aber sehr komfortabel.

Generell kann ich feststellen, daß die Utilities der IBM einfach zu langsam sind und zu viele Unzulänglichkeiten mit sich bringen. Als zum Beispiel die IBM das Fast Copy als Stand Alone System anbot, konnte ich mir nur an den Kopf fassen, daß dem Anwender, der Multiprogramming betreibt, solche Programme angeboten werden. Heute kann man es auch im Batch fahren - wir arbeiten aber trotzdem noch mit Westinghouse.

Auch mit anderen Systemsoftware-Paketen haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, mußten aber tief in die Tasche greifen.

Warum die IBM auf dem System-Software-Gebiet so schwerfällig ist, weiß ich nicht. Vielleicht sollte man sich mit denen einmal darüber unterhalten - allerdings müßte das Gespräch auf einer höheren Management-Ebene geführt werden.