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10.07.1987 - 

Trends und Entwicklungen im Supermikro-Bereich (Teil 2 und Schluß):

Erfolg der 32-Biter muß aus der Anwendung kommen

MÜNCHEN - Mit - selbst für die DV-Branche ungewöhnlicher - Euphorie redet sich die Szene in einen rosarot gefärbten 32-Bit-Rausch hinein: Angelpunkt der Umsatzvisionen sind die neuen, alten 32er Mikrochips, allen voran der Intel 80386. Besinnen sich die Macher nicht aber auf eher praktische Qualitäten, so prophezeien kritische Stimmen, schon jetzt einen mehr faden Triumphzug der Power-Mikros. Der erste Teil dieses Artikels erschien in der CW Nr. 27. Seite 35.

Mit einer Leistung von gut 3 MIPS steht jetzt der NS32332 mit 32-Bit-Adressierung im Rennen. Diese Leistung soll nach NatSemi-Aussagen in den USA bei der nächsten Generation auf 8 MIPS gesteigert werden. Rund 170 OEMS, darunter Siemens, verwenden diesen Prozessor - hauptsächlich in Multiuser-Büroautomationssystemen. Der NS32332 läuft hauptsächlich unter dem Betriebssystem Unix, jedoch sind auch verschiedene Realtime-Operating-Systeme am Markt zu finden. Ebenfalls im 32-Bit-Bereich tummelt sich NEC mit dem V60-Chip, der bei 15 Megahertz 24 MB physischen und 4 GB virtuellen Speicher adressiert. Der 16-Bit-Bus wird durch einen 32-Bit-Bus in der V70 abgelöst.

Obwohl dieses Produkt für Unix im Emulations-Modus angelegt wurde, läuft auch MS-DOS-Software, wenngleich auch mit einigen Performance-Einschränkungen, heißt es aus den Vereinigten Staaten. Fairchild mit "Clipper" wäre der Vollständigkeit halber neben AT&T als Prozessorhersteller zu nennen.

Fujitsu kündigte gemeinsam mit Hitachi unlängst eine Entwicklungsvereinbarung an, nach der eine eigene 32-Bit-Familie auf der Basis der TRON-Architektur geschaffen werden soll (TRON = The Real-Time Operating System Nucleus).

Dennoch, obwohl der Markt auch für "exotische" Prozessoren durchaus aufnahmefähig ist, gehen die Markt forscher davon aus, daß das Rennen letztlich nur unter den zwei Großen ( lntel und Motorola) gemacht werden wird. Die Absatzerwartungen sprechen für sich: So erwartet der Intel-Produktmanager Bodenkamp nach der Fertigung von 1000 Einheiten des 386 im vergangenen Jahr für 1987 Losgrößen rund um die Millionengrenze weltweit.

Die weiterverarbeitenden Rechnerhersteller stehen Gewehr bei Fuß - wie aber sieht die Szene bei den deutschen und amerikanischen Softwareschmieden aus? Auch hier spielt nach Meinung von Beobachtern der Time- lag Zwischen den beiden Kontinenten eine gewisse Rolle. Diese Differenz wird auf rund drei bis vier Monate im Hardwaresektor geschätzt. Allgemein seien die Amerikaner risikofreudiger und setzten stärker auf die 32-Bit-Karte, als das in Europa der Fall sei, heißt es.

Allerdings - "Es ist nicht nur ermunternd, sondern geradezu amüsant, wenn man sieht, was die Softwarehäuser mit dem 386 alles machen", freut sich der Intel-Produktmanager Bodenkamp.

Dennoch spielen sich Teilbereiche der Entwicklung im wesentlichen in den Vereinigten Staaten ab.

So seien in den USA bereits alle gängigen Compiler wie Pascal, Fortran, PL/1 oder sogar das uralte IBM RPG für die 386er auf Unix vorhanden, berichtet Bodenkamp von der anderen Atlantikseite.

Einige in diesem Zusammenhang erwähnenswerte Namen seien die Language Processing Inc. LPI, Greenhills, mit ihren C-, Pascal- und Fortran Compilern oder auch die Silicon Valley Software mit Fortran - die sich bereits jetzt mit ihren Compilern Konkurrenz machen.

Auch im Bereich der Artificial Intelligence werde man in den USA leichter fündig als bei uns. Prolog Common Lisp, Extended Common Lisp sind bereits für den 386er verfügbar, weil die Intelligenz der 32-Biter als günstig für diesen speziellen Bereich angesehen werde.

Bodenkamp begründet diesen Boom auch mit dem nicht zu leugnenden Technologievorsprung der Amerikaner. Aber auch die schnelle Umsetzung universitärer Erfahrungen in vermarktungsreife Produkte spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Während allerdings der amerikanische Markt mehr Workstationorientiert sei, zeichne sich der deutsche Sektor durch stärkere Aktivitäten im Telekommunikations- und industriellen Bereich aus.

Europa stärker anwendungsorientiert als USA

Hierzulande, so der allgemeine Tenor, stünden die Anwendungen intensiver im Vordergrund. Auch Nixdorf hat die Unterstützung des 386 angekündigt. Ein Mitarbeiter des Produktmarketings PC des Paderborner Unternehmens geht in einer persönlichen Stellungnahme davon aus, daß auch und gerade im Bereich der Branchenlösungen die Anwendungskomplexität weiter steigen wird und sich daher eine Tendenz hin zum 32-Bit-System ergebe.

In der nächsten Zeit noch sei eigentlich nur die Leistungsfähigkeit der Betriebssysteme die Bremse für diese Anwendungsausdehnung. Allerdings ist zu vermuten, daß erst die neuen Programme unter den jetzt in Arbeit befindlichen Betriebssystemen Anwenderwünsche wecken werden, die hardwareseitig bereits erfüllt seien.

OS/2 versus Unix verspricht spannendes Rennen

Auf Upgrades hin angesprochen, sieht Thomas Penke aus der Nixdorf-PC-Marketingabteilung einen Vorteil der Paderborner Vorgehensweise darin, daß die Aufrüstung von einer 286er-Maschine auf den größeren Prozessor mittels Karten erfolgen wird. Nixdorf steuere vorerst die Bereitstellung des Unix 286 an, werde sich aber in Zukunft auch intensiv mit der OS-Schiene auseinandersetzen, war zu erfahren.

Positive Resonanz für das Betriebssystem OS erfährt auch Microsoft. Obwohl sich die Softwarehäuser noch kein vonständig exaktes Bild von dem neuen Betriebssystem machen könnten, laufen die Anmeldungen bei Microsoft zum Software-Development-Kit-Seminar für MS-OS/2, das als Voraussetzung für den Erwerb des SDK-Paketes gilt, auf vollen Touren. Der Beginn ist für den kommenden August vorgesehen.

Einig sind sich alle Beobachter der Entwicklung darin, daß diese Prozessorgeneration zwar einerseits große Chancen in sich birgt, andererseits aber auch - und gerade - die Entwicklung und Bereitstellung neuer Programme über den zukünftigen Flop oder Nicht-Flop in dieser Prozessorklasse entscheiden.

Einen Vorteil sieht Bodenkamp auf alle Fälle für den Anwender eines Full-32-Bit-Rechners: "Die Plateauzeit für den User verlängert sich - es ist relativ schlecht vorstellbar, daß Motorola oder Intel oder andere Hersteller jetzt mit einem 64-Bit-Prozessor rauskommen."