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08.10.1982

Erfolgreicher DB-Einsatz scheint noch Utopie zu sein

08.10.1982

Datenbestände sind oft das wichtigste Kapital eines Unternehmens. Trotz technischen Fortschritts scheint es aber mit dem erfolgreichen Einsatz von Datenbanksystemen nicht zu klappen. Gegen die Datenbank spricht beispielsweise die hohe Kostenbelastung bei nicht quantifizierbarem Nutzen. Damit der Einsatz eines Datenbank-Management-Systems überhaupt Erfolg haben kann, darf es heute nicht mehr als eine losgelöste rein technische Entscheidung angesehen werden. Der DB-Einsatz gehört in den Bereich der strategischen Gesamtunternehmensplanung und erfordert vor allem Kenntnisse der Unternehmensziele. Wenn Datenbanken sich als Fehlschlag erweisen, liegt das meist nicht an DV-technischen, sondern an personellen und organisatorischen Problemen.

Konrad Supper

Leiter der Abteilung Datenbankgestützte Informationssysteme, mbp, Dortmund

Datenbanken sind als Thema ein Dauerbrenner. Die Welt der EDV-Leute ist weitgehend geteilt in Befürworter und Gegner der Datenbanken. Woran liegt das?

Zwei Erklärungen sind naheliegend: Man redet aneinander vorbei. Hohen Kosten steht nicht quantifizierbarer Nutzen gegenüber.

Diese Aussagen sollen genauer analysiert werden. Der Begriff Datenbanken wird mit unterschiedlichsten Inhalten belegt. Befürworter und Gegner legen sich den Begriff so schlecht, "wie sie ihn brauchen". Das gleiche gilt für die Hersteller: Da die Kunden nach Datenbanken fragen, braucht man ein Produkt zur Befriedigung der Nachfrage. Hat man keins, nimmt man das, was am ehesten geeignet scheint, die Anforderungen der Kunden zu erfüllen und nennt es Datenbanksystem. Die Verwirrung ist perfekt.

Wann sollte man an Datenbanken denken? Typische Indikatoren für die Notwendigkeit der Schaffung einer Datenbank sind:

- Es sind Anwendungen zu unterstützen, die auf stark untereinander vernetzten Daten aufbauen.

- Es sind häufig unterschiedlich strukturierte, nicht standardisierbare Einzelabfragen zu unterstützen.

Die Selektionskriterien (Zugriffspfade) sind sehr variabel.

- Online Update muß direkt auf den Urdaten ausgeführt werden.

- Es besteht eine starke konkurrierende Nutzung der Daten.

- Die Anforderungen an die Verfügbarkeit der Daten und das Wiederanlaufverhalten sind hoch.

- Zugriffsberechtigungen sollen stark differenziert und DV-technisch geprüft werden.

Treffen nur einzelne Indikatoren aus der Liste zu, lassen sich die Anforderungen meist durch den Einsatz einfacher Pakete abdecken. Dazu zählen Abfragesprachen, Berichtsgeneratoren oder aber auch Individuallösungen. Erst wenn die Mehrzahl der Indikatoren zutrifft, fuhrt kein Weg mehr an den Datenbank-Management-Softwarepaketen (DBMS) vorbei.

Welche Folgen hat der Einsatz derartiger Pakete? Vereinfacht läßt sich sagen: Der Personalbedarf (Quantität) der DV-Abteilung steigt. Es entstehen Arbeitsplätze mit hohen Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter. Die Anforderungen an die Hardware steigen. Die Gesamtkosten der Datenverarbeitung steigen.

Gewinne muß man in der Erhöhung der Verfügbarkeit der Daten und der Aktualität der Daten suchen.

Im Regelfall sind die Vorteile also nur sehr schwer quantifizierbar, und sie fallen zunächst in den Fachabteilungen an.

Gelegentlich wird durch den Einsatz von DBMS die Basis für den Einsatz weiterer Standard-Anwendungspakete geschaffen.

Beim Übergang auf Datenbanken sollte man bedenken, daß DBMS DV-technische Zugriffsmittel sind. Sie technisch in den Griff zu bekommen, ist Aufgabe der DV-Abteilung. Aus der Sicht des Gesamtunternehmens ist ihre Nutzung jedoch nur optimal, wenn die entsprechenden Informationssysteme (Fachabteilungsanwendungen), die sie unterstützen sollen, optimal sind.

So gesehen ist die eigentliche Herausforderung die der Schaffung optimaler Anwendungssysteme, und DBMS sind nur noch Werkzeuge für deren Realisierung. Zu diesen im Mittelpunkt des Interesses stehenden Informationssystemen gehören neben der Datenverarbeitung zunächst und vor allem Menschen und die Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens. Neue Informationssysteme schaffen neue Informationsflüsse; die Verantwortungsbereiche und damit Macht und Einfluß verschieben sich. Wir müssen lernen zu akzeptieren, daß die Optimierung des Gesamtsystems unser eigentliches Ziel ist. Wenn Datenbanken sich als Fehlschlag erweisen, liegt das meist nicht an den DV-technischen Fragen, sondern an personellen und allgemein-organisatorischen Dingen. Diese Schwierigkeiten lassen sich vermeiden, wenn man bestehende DV-Anwendungen 1:1 in Datenbanken überführt. Dabei läuft man jedoch Gefahr, nur Kosten zu verursachen und langfristig in Sackgassen zu geraten.

Zukunftsweisende Systeme lassen sich nur mit den Anwendern gemeinsam entwickeln. Integration, das Fernziel fast aller Datenbankanwendungen läßt sich meist nur mit Wissen der Anwender und mit Unterstützung des Top-Managements erreichen.

Der Entwurf derartiger Systeme erfordert spezielle Vorgehensweisen und fast immer mehr Aufwand als erwartet.

Zunächst muß mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen gerechnet werden. Abstimmungen und Akzeptanzerreichungen lassen sich nicht durch Einsatz geballter Manpower beschleunigen.

Fazit: Die heutige DV-Technologie eröffnet ungeheure Möglichkeiten. Sie kostet aber auch ihren Preis. Die DV-Kosten und die personellen und organisatorischen Folgen in den Fachabteilungen werden meist unterschätzt. Datenbanken werden immer größere Verbreitung finden. Dazu tragen nicht zuletzt die technischen Möglichkeiten bei, trotz Datenbanken eine gewisse Verteilung der Anwendungssysteme zu erreichen.

Wolfgang Koppmeyer

Direktor Organisation und Datenverarbeitung, Adidas, Herzogenaurach

Der Begriff Datenbank stammt aus der Traumwelt des DV-Managers ebenso wie der Begriff dialogfähige Datenbankcomputer: Das würde nämlich bedeuten, die jetzigen und zukünftigen Anforderungen des Unternehmens an die Datenverarbeitung zu kennen und alle Datenbestände des Unternehmens strukturiert zu haben.

Wer heute den Begriff im Munde führt, meint, daß er eine bescheidene, kleine Menge von ausgesuchten Daten von einer bestimmten Hardware und einer Betriebssoftware abhängig eingeführt hat. Einige noch weiter fortgeschrittene Unternehmer rühmen sich, einen Datenbankadministrator eingesetzt zu haben.

Aber das verstehe ich nicht unter einer Datenbank- und Informationssystematik.

Trotz allen Fortschritts sind wir von diesem Ziel weit entfernt. Es fehlen hierfür der Aufbau und das Wissen. Die technologischen Möglichkeiten fehlen, die Anforderungen der Endbenutzer sind nicht bekannt. Deshalb müssen zeitraubende Zugriffs-, Verarbeitungs- und Sortierprogramme laufen, um den ständig wechselnden Anforderungen gerecht zu werden.

Nur ein ganz kleiner Teil wird durch den Einsatz eines Datenbanksystems heute abgedeckt.

Beim Nahziel sollten die Benutzer in die Lage versetzt werden, in kürzerer Zeit verbesserte Informationen ohne größeren Aufwand zu erhalten. Natürlich gilt das auch für die System- und Programmentwicklung, denn der Wartungsaufwand der Programme soll reduziert werden; die Produktions- und Verarbeitungsbereiche wollen ein verbessertes Systemverhalten, um ihre Arbeit leichter abwickeln zu können. Die Daten sollen flexibel abgespeichert und unterschiedlichen Anwendungen entsprechend in der Fachabteilung ausgewertet werden. Das Antwortzeitverhalten zur Durchsatzleistung soll so hoch wie möglich sein. Die Daten sollen weitgehend ohne Redundanz gespeichert sein, um eine Fehlinformation von gleichen Daten in verschiedenen Feldern zu vermeiden und zuletzt muß auch noch der Datenschutz zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Das Nahziel ist durch die auf dem Markt befindlichen Softwareprodukte nur im geringsten Umfang erreicht.

Es werden von Systemhäusern Adabas und Natural von Hardwareherstellern DBOMP, DL/I, Sesam und DMS angeboten. Die Aufzählung kann nicht vollständig sein, aber jeder Anbieter offeriert uns das Fernziel: ein auf einem Datenbankeinsatz aufgebautes Informationssystem, das es jedem Fachbereich im Unternehmen zu jeder Zeit ermöglicht, beliebige Informationen abzurufen.

Die Datenbankplanung ist Gesamtunternehmensplanung und erfordert Kenntnisse der Unternehmensziele. Solange diese Informationen nicht ausreichend vorhanden sind, wird man sich auf bescheidenere Lösungen einstellen.

Der Entschluß zur Einführung eines Datenbanksystems sollte von einer Vielzahl organisatorischer Probleme getragen werden:

- Ermittlung der Anwendungserfordernisse und der Informationsbedürfnisse,

- Kosten-/Nutzen-Analyse,

- Nachteile aufzählen beim Einsatz eines Datenbanksystems,

- zusätzliche Verwaltungsarbeit für die Datenbanksoftware feststellen,

- zusätzliche Systemlaufzeit berücksichtigen,

- zentrale Datenbestände können ganze Unternehmensteile lahmlegen, also müssen Gegenmaßnahmen festgelegt werden,

- alle laufenden Anwendungen müssen durch ein neues Datenbanksystem modifiziert werden,

- die Position eines Datenbankverwalters muß neu geschaffen werden; er hat kurzfristig den stärksten Einfluß auf Systementwicklungen,

- Abhängigkeit von Datenbank-Softwarelieferanten beachten,

- Kostenbelastung wird auf jeden Fall steigen,

- Systemüberwachung und Tuning.

Ob das IBM-Programmpaket DL/I eingesetzt wird oder nicht, hängt nicht mehr von der Erfahrung einer Datenbank ab, sondern vom Einsatz modularer Software.

Wenn ein Unternehmen ein Copics-Modul einsetzt, so hat es das Datenbankpaket mit einzuführen. Daß damit eine noch festere Bindung an einen Hardwarehersteller erfolgt, soll hier nicht betont werden.

Daß ein erheblicher System-Overhead verursacht wird und viele bekannte Anwender gleich eine nächstgrößere Hardware orderten, ist auch bekannt.

Feststellen kann man nur, daß die Kostenbelastung durch solch eine Entscheidung stark ansteigt, bei nur schwer qualifizierbaren Nutzern.

Ob man den Teilestammsatz, die Stückliste und den Arbeitsplan nun unter DBMP oder DL/I organisiert, ist uninteressant. Die zukünftig immer stärker in den Vordergrund drängenden unformierten Datenbestände sind darin sowieso nicht organisierbar, dafür braucht man zusätzlich Stairs.

Hartmut Skubch

Mitarbeiter des Bereichs DV-Grundsatzfragen im EDV-Studio Ploenzke, Wiesbaden

Der Einsatz eines Datenbank-Management-Systems (DBMS) kann und darf heute nicht mehr als eine losgelöste rein technisch zu betrachtende Entscheidung angesehen werden.

An der Schwelle zum Informationszeitalter, in einem Moment, in dem neue Medien und Technologien sich rasant entwickeln und völlig neue Möglichkeiten der Kommunikation und damit der Informationsversorgung erschließen, gehört der DB-Einsatz in den Bereich der strategischen Planung.

Erst im Rahmen eines integrierten Konzepts für eine zukunftsorientierte betriebliche Informationsverarbeitung kommen die Vorteile einer DBMS (Aktualität, Parallelität, Integrität ...) voll zur Wirkung.

In diesem Zusammenhang kommt der Auswahl eines DBMS erhöhte Bedeutung zu. In Studien können beispielsweise nur allgemeingültige Kriterien enthalten sein. Hier ist es meistens notwendig, die Untersuchung um anwenderspezifische Kriterien zu ergänzen.

Selbst nach einem fundierten Auswahlverfahren sollte der Anwender eine zu enge Bindung der eigenen Anwendungssoftware an das eingesetzte DBMS vermeiden.

Auch im Zusammenhang mit dem Einsatz von Werkzeugen für die Anwendungsentwicklung sollte der Aspekt der Systemabhängigkeit nicht außer acht gelassen werden.