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10.06.1983

Erfolgreicher Mikroeinsatz hängt vom DV-Gesamtkonzept ab

Personal Computer haben sich inzwischen - am DV-Leiter vorbei über die Schwelle der Fachabteilungen in Großunternehmen geschlichen. Mit ihrer Hilfe, so entdecken zunehmend die Sachbearbeiter, kann man sich nicht nur Papierkram vom Halse schaffen, sondern sich auch peu á peu von der ihrer Meinung nach oft "zähflüssigen" Groß-EDV abnabeln. Dieser Tendenz sollte das Management, so Heinz Rau, Ressortleiter bei der Nestle Deutschland GmbH in Frankfurt, "wohlwollend aber zurückhaltend" gegenüberstehen. Zu groß seien neben den Vorzügen der Tischcomputer nach wie vor die Mängel der vielfach noch nicht ausgereiften Maschinen. Darüber hinaus könnten nur diejenigen Mikros erfolgreich eingesetzt werden, deren tatsächlicher Bedarf vorher sachkundig von der Zentral-DV ermittelt wurde: Schon heute rosten nämlich viele voreilig angeschaffte Personalcomputer in den Fachbereichen vor sich hin. ih

Dr. Lutz Beck

Standard Elektrik Lorenz AG Pforzheim

Die größere Leistungsfähigkeit der sogenannten Personal Computer bietet einen stetig zunehmenden Anreiz, sie in vielen Bereichen von Großunternehmen einzusetzen. Argumentationen hierfür werden dabei frei Hand von den Herstellern dieser Computer durch ihre Werbekampagnen mitgeliefert. Wesentliche Begründungen für die Beschaffung von Personal Computern sind: Preis-/Leistungsverhältnis, dezentraler Einsatz zur schnellen Lösung von lokalen Problemen der Fachabteilung, Unabhängigkeit von der "schwerfälligen" zentralen DV-Abteilung sowie Verwendung als lokaler Multifunktionscomputer für Textverarbeitung, Filemanagement und Businessplanung. Bisher waren bei der Beschaffung von Personal Computern vorherrschend die Fachabteilungen der Großfirmen die treibenden, aktiven Kräfte. Da sie häufig nicht DV-orientiert sind, bildete sich eine Mischung aus Hobbyisten und technisch-wissenschaftlichen Mitarbeitern, die, basierend auf ihrem fach- und interessenbezogenen Know-how, bereit waren, neue unkonventionelle Wege beim Einsatz von DV zu gehen. Dieses Umfeld ermöglicht ein sehr breites Spektrum für den Einsatz von Personal Computern, aber auch eine große Bandbreite über den Erfolg des Einsatzes. Es gibt sicher viele erfolgreiche Installationen von Personal Computern in Großbetrieben, jedoch wurden bei der Einsatzplanung häufig wesentliche Rahmenbedingungen nicht berücksichtigt, so daß der anfänglich erwartete Erfolg ausblieb. Da meistens nur lokale Lösungen, "sogenannte Insellösungen", ohne Rücksicht auf globalere, abteilungsübergreifende Interessen realisiert wurden, folgte daraus eine, große Vielfalt installierter Systeme. Dies gilt sowohl für die Hardware als auch für die Software. So ist es heute keine Seltenheit, in einer Großfirma bis zu 20 verschiedene Personal-Computer-Fabrikate anzutreffen.

Die mehr oder weniger unkontrollierte Verbreitung von Personal Computern in den Fachabteilungen der Großfirmen ruft in zunehmenden Maße die professionellen EDV- und Organisationsabteilungen der Großfirmen auf den Plan, um mit ihrer Hilfe ein gesteuertes Wachstum des Personal-Computer-Einsatzes zu erreichen. Diese Tendenzen werden in hohem Maße von der Controlling-Seite unterstützt; um so eine sinnvolle Kosten-/Nutzen-Analyse über die Verwendung von Personal Computern zu erhalten.

Durch die Einschaltung der professionellen DV- und Organisationsabteilungen ergeben sich neue zusätzliche Anforderungsprofile an den Personal Computer. Waren es bisher hauptsächlich einfache technische Aspekte, wie Existenz von Basic, Verfügbarkeit von Visicalc, Verwendung eines bestimmten Prozessors, niedriger Preise und schnelle Verfügbarkeit, die zur Auswahl eines Systems führten, so werden zunehmend neue Kriterien über den Einsatz eines Personal Computers entscheiden. Sie werden in Standards und Rahmenbedingungen festgehalten, die ihrerseits die DV-Strategie des Großunternehmens, unter Einbeziehung der zu erwartenden technologischen Entwicklung im DV-Bereich widerspiegeln.

Die zentralen Großrechner bilden als zentrale Datenbank und Kommunikationsrechner das Rückgrat von Personal-Computer-Netzen. Zu erwähnen ist noch, daß sich wahrscheinlich eine Hierarchie von Computer-Kommunikationsnetzen in den Großunternehmen herausbilden wird, die von unten nach oben etwa folgendermaßen gegliedert sein wird:

Cluster von Personal Computern zum gemeinsamen Zugang auf teure Peripherie, Verbindung dieser Personal-Computer-Cluster durch LANs innerhalb eines Gebäudes, Anschluß und Verbindung der LANs von Personal-Computer-Clustern an das bestehende Computernetz der Großfirma, parallel dazu Ausgang aus den Clustern, den LANs oder dem firmeneigenen Computernetz in öffentliche Netze wie Datex-P, Datex-L, Teletex und Bildschirmtext.

In welcher Zeit der hier anskizzierte verstärkte, zukünftige Einsatz von Personal Computern in den Großunternehmen stattfindet, ist derzeit schwer abzuschätzen. Einerseits schreitet die Technologie sehr schnell fort, andererseits ist die Umstrukturierung der gewachsenen DV-Infrastruktur von Großunternehmen sicher kein Prozeß, der von heute auf morgen stattfinden kann. Es ist zu erwarten, daß eine wesentliche Durchdringung der Großfirmen mit Personal Computern bis 1985 stattfinden wird. Die Organisation der Personal Computer in Kommunikationsnetzen innerhalb einer Firma wird aber wahrscheinlich noch einige Zeit weitergehen.

Heinz Rau

Ressortleiter DV, Nestle Gruppe Deutschland GmbH, Frankfurt

Personal Computer, wie sie uns von immer mehr Schaufenstern und Hochglanzpapieren entgegenflimmern, appellieren vorrangig an zwei Dinge, den Besitz- und den Spieltrieb. Seit die Preise in Richtung 10 000 Mark tendieren, hört der DV-Leiter immer häufiger Sätze wie "wir haben da ein Problem, das müßte sich doch eigentlich mit einem PC lösen lassen", oder schlimmer noch, "wir haben eine PC angeschafft, könnten Sie da eben mal bei der Programmierung helfen". Da diese Entwicklung nicht zu stoppen ist, muß das Unternehmen sie sinnvoll zu beeinflussen versuchen, am besten nach dem Motto "wohlwollend aber zurückhaltend". Grundsätzlich gilt: Die Hardware-Entscheidung ist der letzte Schritt in der DV-Projektplanung, nicht der erste. Also sind die traditionellen Fragen zu stellen. Liegt Bedarf für Computer-Fähigkeiten (speichern, rechnen, sortieren, anzeigen, drucken) vor? Wenn ja, welche Daten sind zu verarbeiten? Eigene des (Möchte-Gern-)PC-Betreibers oder schon vorhandene? Falls letzteres, soll eine Datenverbindung zum Großrechner erfolgen oder Doppelpflege auf zwei Maschinen. Warum dann aber nicht gleich auf den Großrechner gehen?

Ähnliche Überlegungen gelten für die Programme. Läßt sich die vorgesehene Anwendung mit Standard-Software (zum Beispiel Spread Sheet) bewältigen, oder ist Eigenprogrammierung erforderlich? (Falls letzteres, kann der PC-Betreiber die Programmierung übernehmen) oder ist Profi-Programmierung unvermeidlich? Diese geht bei geordneten Verhältnissen auf dem Großrechner schneller, es sei denn, ein Programmierengpaß zwingt zu Fremdprogrammierung, für die sich ein PC-Spezialist anbieten könnte.

Gelingt es dem DV-Spezialisten, solche Fragen zu stellen und beantwortet zu bekommen (eine undisziplinierte Geschäftsleitung könnte die PC-Beschaffung unter Umgehung der organisatorischen Vorarbeit tolerieren oder gar ermuntern, in der Hoffnung, sich etwas von der "trägen, alles verkomplizierenden EDV" zu lösen), dann liegt eine Aufgabenstellung vor, die auf PC-Einsatzkriterien abgeklopft werden kann.

Für den PC sprechen die uneingeschränkte Verfügbarkeit am Arbeitsplatz nach den Prioritäten des Benutzers, die vielfältigen Druckmöglichkeiten (Schriftarten, Graphik, Plotting) und all das ohne mühsamen TP-Monitor, die schnellere Realisierung der Anwendung (falls der Benutzer weiß, was er will und entsprechende Standardprogramme existieren) sowie geringe Hardwarekosten.

Dem stehen aber auch Gefahren gegenüber in Form unnötiger überhöhter Kosten für Fremdprogrammierer, unerwünschte Duplizierung oder Substituierung von vorhandenen Anwendungen und Datenbeständen, widersprüchliche Datenbestände auf PC und Großrechner, unerwünschte Informationsmonopole, erhebliche Folgekosten bei Entwicklung und Betrieb, die in keinem Verhältnis zur preiswerten Hardware mehr stehen, sowie unklare Verhältnisse bezüglich Datenschutz und Datensicherung.

So wird der heutigen PC-Begeisterung ohne Zweifel die Phase der Ernüchterung folgen und mancher voreilig beschaffte PC still in seiner Ecke rosten. Andere jedoch werden zur vollen Zufriedenheit ihrer Benutzer arbeiten und der eine oder andere darunter sogar zum Unternehmenserfolg betragen.

Diedrich Mahnke

Senior Consultant, Tele-Consulting GmbH, Gäufelden

Seit Mitte der siebziger Jahre die amerikanischen Elektronikfirmen die ersten Tischcomputer für Bastler, Spieler und Studenten auf den Markt brachten, hat ein Weiterentwicklung dieser Mikros stattgefunden. Heute gibt es sehr leistungsfähige 8- und 16-Bit-Kleincomputer, die inzwischen an vielen Arbeitsplätzen in der Wirtschaft Einzug gehalten haben. Sachbearbeiter und Manager aus der mittleren Ebene großer Konzerne fanden heraus, daß sie sich mit Hilfe eines Tischcomputers viel Papierkram vom Hals halten und die Routinearbeit wesentlich erleichtern konnten.

Hand in Hand mit dem Einzug der PCs am Arbeitsplatz wurden hilfreiche und universell einsetzbare Softwarepakete für die Textverarbeitung mit Adressenverwaltung, die Datenhaltung (Erfassung, Änderung, Selektion, Sortierung), die Kalkulation in Tabellen (electronic spread sheet), Modellrechnungen (Trends, business case) sowie Grafikausgaben (Kreis- und Balkendiagramme) entwickelt, die den Einzug der PCs am Arbeitsplatz beschleunigt haben. Es entfällt der weitverbreitete Ärger der Sachbearbeiter und Manager mit der zentralen DV ihres Unternehmens, nämlich: "Wer vom Rechenzentrum etwas will - zum Beispiel eine Liste, einen Plan oder eine komplizierte Kalkulation -, muß dies zunächst beantragen und sich dann in eine Warteschlange einreihen, da das Rechenzentrum meist überlastet ist. Oft stellt sich dann am Ende auch noch heraus, daß Programmierer und Bittsteller einander gründlich mißverstanden haben, so daß alles vergeblich war."

Auf der anderen Seite sind viele heute auf dem Markt befindliche PCs für den Einsatz am Arbeitsplatz noch nicht geeignet. Neben ergonomischen Mängeln weisen viele Geräte große Schwächen vor allem im Bereich der Bedienerfreundlichkeit auf.

In Unternehmen mit zentraler DV werden PCs als intelligente Terminals zunehmend die heute eingesetzten "dummen" Dialogterminals verdrängen. Sie müssen für den Informationsaustausch zwischen PC und zentraler DV, aber auch untereinander datenfernübertragungsfähig gemacht werden und können dann in das Gesamt-DV-System eines Unternehmens integriert werden.

Mit den neuerdings zur Verfügung stehenden DFÜ-fähigen PCs sind Gesamt-DV-Lösungen möglich, die beispielsweise eine Datenerfassung mit Plausibilitätskontrolle und Speicherung sowie tabellarische Übersichten und Grafiken von ausgewählten Daten, entsprechend verdichtet, verknüpft und aufbereitet im PC vor Ort erlauben oder eine automatisierte Zusammenstellung und Komprimierung der für die DV-Zentrale relevanten Daten im PC bis hin zur Übertragung an die DV-Zentrale.

Wenn hier die Benutzerfreundlichkeit nicht vernachlässigt wird, so sehe ich große Chancen für die Integration der PCs in das DV-System der Unternehmen.