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04.08.1989 - 

Quartalsverlust, Managementprobleme und wachsender Konkurrenzdruck:

Erfolgskind Sun steuert in eine Krise

MOUNTAIN VIEW (IDG) - Für den Aufsteiger Sun Microsystems scheint der Höhenflug beendet: Zu internen Problemen wie finanziellen Engpässen, Managementfehlern und

personellen Veränderungen in der Führungsspitze gesellt sich der steigende Konkurrenzdruck von außen. Sun-President Scott McNealy gerät unterdessen immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik.

Die Erfolgsstory des amerikanischen Unternehmens begann 1983. Innerhalb weniger Jahre mauserte sich Sun vom Nobody auf dem DV-Markt zu einem renommierten

Workstation-Hersteller mit einer Milliarde Dollar Jahresumsatz. Im Juni warnte Sun jedoch vor schweren Einbußen bei Umsatz und Gewinn; als eine der Ursachen nannte das Management "Ausrutscher" bei der Finanzplanung. Anfang Juli schließlich erließen die Sun-Verantwortlichen einen Einstellungsstopp für allle Bereiche, die keinen direkten Kundenkontakt haben. Mittlerweile steht fest: Im zweiten Quartal lief ein Verlust von mindestens 20 Millionen Dollar auf.

Sun-President Scott McNealy fällt ob dieser zunehmenden Schwierigkeiten die Rolle des Sündenbocks zu. Der Vierundreißigjährige, in der Branche als eine Mischung aus Marketing-Genie und "Enfant terrible" verschrien, gerät zunehmend unter Beschuß: Viele Insider befürchten, daß Sun mit dem ehrgeizigen Führungsstil des Mannes an der Spitze überfordert ist.

Zweifelhaftes Kompliment für das "Enfant terrible"

Andere halten seine Unternehmenspolitik für schlichtweg verfehlt. Die Mitarbeiter des Workstation-Produzenten geben sich in bezug auf McNealy zurückhaltend: "Er ist nicht so inkompetent wie viele Manager in der DV-Industrie", lautet ein zweifelhaftes Kompliment für den Boß. Im Gegensatz zu den fetten Jahren nach der Gründung spüren die meisten Mitarbeiter immer mehr den wachsenden Wettbewerbsdruck von außen: "Wir mußten alle einsehen, daß Sun nicht die Welt erobern wird, wie wir das noch vor einigen Jahren glaubten", gesteht ein Sun-Angestellter.

McNealy und seinem Konzern weht nach den goldenen Jahren als Workstation-Marktführer ein kalter Wind ins Gesicht: DEC will mit der neuen Unix-Workstation 2100 in Suns ureigenstes Geschäft einbrechen, und auch IBM hat für den Herbst eine überarbeitete Version ihres bisher recht erfolglosen RT (6150) angekündigt. Wie hart umkämpft das Marktsegment mittlerweile ist, zeigt auch das Beispiel Hewlett-Packard: Das Unternehmen, das kürzlich Suns Hauptrivalen Apollo geschluckt hat, läßt Interessenten die Workstations drei Monate lang umsonst testen. Und bei den Rechnern, die auf der hauseigenen Scalable Processor Architecture (Sparc) basieren, sieht sich Sun der Konkurrenz von Intel, Motorola oder Intergraph gegenüber, die ihre Risc-Produkte forcieren.

Der Wettbewerb hat bei den Sun-Mitarbeitern für Ernüchterung gesorgt. An der Basis droht die Mannschaft in zwei Lager zu zerfallen: In die Gruppe der altgedienten McNealy-Anhänger, die immer noch den Visionen der ersten Jahre nachhängen, und in das Lager der neuen Mitarbeiter, für die Sun ein Arbeitgeber wie jeder andere ist. Diese Spaltung ist mehr und mehr auch in der Management-Ebene zu beobachten.

Personelle Veränderungen in der Firmenspitze

Personelle Veränderungen in der Führungsspitze haben in jüngster Zeit ohnehin einige Verwirrung gestiftet und die Position von McNealy geschwächt. So ist bis heute der Vice-President für Produkt- und Technologieentwicklung, Bernard J. Lacroute, nicht ersetzt worden. Mit der offiziellen Begründung, daß das interne Tempo seine Kräfte überfordere, hatte er im April das Unternehmen verlassen. Inzwischen ist Lacroute als Partner der Venture-capital-Firma Kleiner-Perkins beigetreten. Außerdem existieren Gerüchte, daß die neue Position eines Chief Operating Officer geschaffen werden soll. Bis heute gibt es dazu keine offizielle Stellungnahme aus der Vorstandsetage.

Einige der härtesten McNealy-Kritiker vermuten, daß sich Suns Geldgeber auf lange Sicht nach einer geeigneteren Besetzung für den Chefposten umsehen werden. Als Modell dient dabei Ex-Pepsico-President John Sculley, der von Apple nicht nur eingestellt wurde, um den Konzern auf Vordermann zu bringen, sondern auch, um Apple-Mitgründer Steve Jobs aus dem Sattel zu heben.