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22.07.1983 - 

Positivdarstellung im Mittelpunkt der weiteren Entwicklung:

Ergonmiestandards zunehmend beachtet

Die Zeiten, in denen das Bildschirmterminal als "Politikum" im Mittelpunkt der Ergonomiedebatte stand, sind vorbei. Mittlerweile sorgt ein umfangreiches Regelwerk dafür, daß Datensichtgeräte bestimmten Mindestanforderungen genügen. Dies gilt vor allem für die ergonomische Gestaltung von Bildschirm und Tastatur. Nach wie vor monieren aber die Benutzer bestimmte Mängel wie zum Beispiel eine zu hohe Wärmeentwicklung, zu starke Ventilator- und Vibrationsgeräusche und vor allem die unterschiedlichen Tastaturen. Skepsis herrscht außerdem gegenüber der vielpropagierten Positivdarstellung.

DIN-Normen, VDE- und VDI-Bestimmungen sowie die im Oktober 1980 verabschiedeten "Sicherheitsregeln für Bildschirmarbeitsplätze im Bürobereich", die seit Anfang des Jahres Bestandteil des Gerätesicherungsgesetzes sind, haben nach Meinung der meisten Arbeitswissenschaftler dazu geführt, daß die hardwaremäßige Gestaltung eines ergonomischen Arbeitsplatzes heute technisch in einem wirtschaflich vertretbaren Rahmen als gelöst betrachtet werden kann.

Meint Dieter Rentrop von der Berufsgenossenschaft "Verwaltung" : "Gewisse Standards haben sich mittlerweile durchgesetzt. Die Regelungen, die sich speziell mit dem Monitor und der Tastatur beschäftigen, sind in der Praxis allgemein anerkannt." Beweis: Die Hersteller würden sich zunehmend um das GS-Zeichen als Prüfsiegel für ergonomische Geräte bemühen; auf Anwenderseite flössen die Sicherheitsregeln immer häufiger in Betriebsvereinbarungen über den Einsatz von Bildschirmterminals ein.

Technikprobleme bei der Positivdarstellung

Nach wie vor denken die Arbeitswissenschaftler über weitere Verbesserungen in Sachen Ergonomie nach. Bereits in den "Sicherheitsregeln", die immerhin von 32 Institutionen mit 48 Mitgliedern aus allen Bereichen (Hersteller, Arbeitgeber, Arbeitnehmer etc.) erarbeitet worden sind, ist die Rede von der Positivdarstellung. Da heißt es unter anderem: "Derzeit dominiert die Darstellung heller Zeichen auf dunklem Untergrund gegenüber der Darstellung von dunklen Zeichen auf hellem Grund. Da bei der letztgenannten Darstellungsart eine bessere Anpassung an die Fähigkeiten des Menschen und an die Arbeitsplatzumgebung erwartet wird, ist diese im Zug der technischen Entwicklung verstärkt zu verfolgen. "Die Hauptgründe: eine bessere Lesbarkeit, da die Kontrastunterschiede zur Papiervorlage nicht mehr so groß sind sowie eine abnehmende Belastung der Augen, weil der ständige Wechsel zwischen Hell- und Dunkel-Adaption entfällt.

Die Probleme bei der Positivdarstellung liegen allerdings - noch - in der Technik. Während die heutigen Datensichtgeräte mit 50 Hertz betrieben werden, erfordert die Darstellung dunkler Zeichen auf hellem Grund eine Bildwiederholungsfrequenz von mindestens 70 bis 75 Hertz, um die Flimmerfreiheit zu gewährleisten. Darüber hinaus ist ein qualitativ hochwertiger Monitor notwendig. Schließlich spielt auch der verwendete Phosphor eine große Rolle.

Gerade beim Phosphor - so die Untersuchungen der Berufsgenossenschaft Verwaltung - hapert es aber bei zahlreichen Terminalherstellern. Viele, die die Technik und vor allem die Flimmerfreiheit nicht so gut im Griff hätten, verwenden einen nachleuchtenden Phosphor. Dieser flimmere zwar nicht so stark, die Darstellung der Zeichen wirke aber auf den Beschauer, als wenn man mit Hand über eine Schrift wische.

Einen optimalen Positivmonitor, wobei Rentrop unter "optimal" das derzeit wirtschaftlich Vertretbare verstanden wissen will, präsentierte das Institut für Arbeitsphysiologie in Dortmund auf der diesjährigen Hannover-Messe: einen Ganzseitenbildschirm mit 90 bis 100 Herz Bildwiederholrate und P-4-Phosphor. Dieses Gerät ist laut Rentrop voll den Empfehlungen der Berufsgenossenschaft nachempfunden und erfüllt die Ergonomie in jeder Beziehung.

Noch nicht ganz zufriedenstellend sind nach Meinung der Berufsgenossenschaft auch die heutigen Entspiegelungsmöglichkeiten. Hier zeichne sich aber ein Trend in Richtung "Lamba- 1 /4-Ätzung" ab. Dieses Verfahren kombiniere einerseits die sehr guten Entspiegelungseigenschaften der Lamba- 1 /4-Beschichtung mit der Unempfindlichkeit der geätzten Oberfläche.

Entwicklung einer Europa-Tastatur

Neben Verbesserungsmöglichkeiten des Monitors und damit auch der Darstellung auf dem Bildschirm richten Ergonomieforscher ihr Hauptaugenmerk auf die Tastatur. Sie sind sich einig, daß hier ebenfalls die Hannover-Messe in diesem Jahr ein wichtiges Datum war. Die flache, verschiebbare Tastatur mit langem Kabel habe sich nun wohl endgültig durchgesetzt. Das Problem seien hier aber die vielen schon am Arbeitplatz vorhandenen "hohen Kisten", also Tastaturen, die höher als 30 Millimeter sind.

Bemängelt wird von Anwenderseite außerdem die fehlende Standardisierung in puncto Tastenanordnung und hier vor allem bei den Funktionstasten. Die Meinungen darüber, ob man jedoch verbindliche Normen oder lediglich Empfehlungen vorgeben soll, gehen noch weit auseinander. Möglicherweise bringt die "Europa-Tastatur", an deren Entwicklung das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation derzeit arbeitet, nähere Aufschlüsse.

Doch ungeachtet aller weiteren Hardwareentwicklungen bei Bildschirmterminals weisen Berufsgenossenschaft und Anwender immer wieder darauf hin, daß es nicht damit getan ist, nur das Gerät unter Ergonomieaspekten auszuwählen. So meint Rentrop:" Man kann ein wunderbar ergonomisches Bildschirmgerät haben, hat aber die Ergonomie trotzdem nicht erfüllt. Es gibt auch keine Summe von GS-geprüften Geräten, die einen ergonomischen Arbeitsplatz ausmachen." Notwendig sei vielmehr eine ganzheitliche Betrachtung des Arbeitsplatzes, die nicht nur die Hardware optimal auswähle, sondern auch Klima und Akustik, Raum und Umwelt, Beleuchtung sowie das organisatorische Umfeld miteinbeziehe.