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10.11.1989 - 

Skandinavier spielen Vorreiterrolle

Ergonomiegedanke erfordert einen ganzheitlichen Ansatz

FRANKFURT (CW) - Der ganzheitliche Ansatz gewinnt bei der Schaffung menschengerechter Arbeitsplätze zunehmend an Bedeutung. So stand denn auch das Thema Ergonomie im Mittelpunkt einer von der Nokia Data GmbH initiierten Podiumsdiskussion in Grainau am Eibsee.

Effizienz bei der Büroarbeit ist längst nicht mehr ohne Computertechnik herzustellen. Bildschirmarbeitsplätze sollen immer häufiger die Arbeitsbedingungen verbessern und vereinfachen. Die menschengerechte, "ergonomische" Gestaltung dieser Arbeitsplätze ist trotzdem keine Selbstverständlichkeit. Zu unterschiedlich sind die technischen Spezifikationen der Geräte, die von Herstellern aus der ganzen Welt auf den deutschen Markt gebracht werden.

Als Thema von größter Brisanz erwies sich bei einer Podiumsdiskussion, die die Düsseldorfer Nokia Data GmbH mit Wissenschaftlern und Praktikern führte, die Gefährdung des Menschen durch elektromagnetische Abstrahlung. Der überwiegende Anteil aller in der Bundesrepublik Deutschland installierten Bildschirme ist mit Kathodenstrahlröhren ausgestattet, die nach wie vor als die wirtschaftlichste und qualitativ beste Lösung der Bildschirmarbeit gelten.

Die Gefährdung des Menschen durch die Abstrahlung der Kathodenstrahlröhren beschäftigt die Wissenschaft schon seit langem. Aber: "Zu jeder Studie, die Effekte auf den Menschen nachweist, gibt es auch eine Gegenstudie, die das widerlegt", faßt Michael Kundi vom Institut für Umwelthygiene der Universität Wien zusammen Zwar heize das Thema Abstrahlung die öffentliche Diskussion am Nachhaltigsten an, doch sei auf lange Sicht keine endgültige wissenschaftliche Entscheidung zu erwarten. Die Untersuchungen seien zu komplex und aufwendig und die Nebeneffekte mitunter schwer zu lokalisieren.

Wiederholten Meldungen zufolge sind schwangere Frauen durch die Bildschirmarbeit besonders gefährdet, doch lasse sich nicht ausschließen, daß zum Beispiel auch die Sitzhaltung einer schwangeren Frau am Arbeitsplatz zu Schäden führt. Weitere Faktoren können psychosozialer Natur sein - etwa eine Abneigung gegen den Arbeitsraum und seine Gestaltung oder die innere Abwehr gegen den Umgang mit Computern. Abschließend empfahl der Wissenschaftler, in jedem Fall sei abstrahlungsarmen beziehungsweise strahlungsgeschützten Bildschirmen der Vorzug zu geben; denn Vorsorge zu treffen gegen Schäden sei Pflicht jedes Unternehmens.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der ganzheitliche Ansatz zur Schaffung eines menschengerechten Computerarbeitsplatzes große Bedeutung. Nicht nur die Qualität des Bildschirms, die elektromagnetische Abstrahlung oder die Bildung von Gasen sind ergonomische Faktoren, sondern auch die Gestaltung der Programme, mit denen Menschen arbeiten. Jürgen Olschewski, Geschäftsführer der Nokia Deutschland, wies darauf hin, daß Software-Ergonomie gleichberechtigt neben Hardware-Ergonomie tritt. Dabei komme der Anpassung von Bedienoberfläche und damit der "Schnittstelle" Mensch/Maschine entscheidende Bedeutung zu.

Auch die Arbeitsplatzgestaltung mit Licht und Mobiliar gewinnt als psychosoziale Komponente Bedeutung für die Akzeptanz des Arbeitsgerätes Computer. Nach Ansicht von Michael Erlhoff, dem fachlichen Leiter und Geschäftsführer des Rates für Formgebung, Frankfurts wird der Faktor Design angesichts der zunehmenden technischen Homogenität der Computer in Zukunft eine wachsende Rolle spielen.

Die Schaffung des europäischen Binnenmarktes wird sicher die Definition von technischen Richtwerten für Computer intensivieren. Zu den Unterschieden in den einzelnen europäischen Ländern äußerte sich Mario Menozzi vom Institut für Arbeitsphysiologie der ETH Zürich. Warum gerade in skandinavischen Ländern besonders viel Wert auf Ergonomie gelegt wird, erklärte er damit, daß dort die Forderung nach menschengerechten Arbeitsplätzen zu allererst erhöhen worden sei.