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05.04.1991 - 

Kongreß "Software-Ergonomie '91"

Ergonomische Programme gibt es nur mit Hilfe des Anwenders

ZÜRICH (hp) - Die Entwicklung von benutzerfreundlichen Programmen ist ohne die aktive Mithilfe des künftigen Anwenders kaum möglich. Darüber herrschte Einvernehmen bei der Tagung "Software Ergonomie '91" in Zürich. Unsicherheit gab es jedoch hinsichtlich der Fragen, wie diese Benutzerorientierung aussehen soll und wie das Thema Ergonomie in die Ausbildung der Software-Entwickler einbezogen werden kann.

Die überwiegende Mehrheit der Software-Entwickler, Führungskräfte und Anwender, befürwortet eine Beteiligung des künftigen Anwenders bei der Erstellung von Applikationen. Das ergab eine Untersuchung, die von Philipp Spinas und Daniel Waeber vom Institut für Arbeitspsychologie der ETH Zürich vorgetragen wurde. Die Befragten zeigten eine hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Besonders bei der Gestaltung der Programmoberfläche und der Dialogführung sollten die Benutzer mitentscheiden. User seien im Gegensatz zu den Entwicklern bei der Software-Erstellung eher für ein schrittweises Vorgehen mit Zwischenentscheidungen. Die Softwarespezialisten sträuben sich, so die Studie, ein unfertiges Produkt zu zeigen und beurteilen zu lassen.

Arbeiten die künftigen Anwender bei der Software-Entwicklung mit, führt dies schneller zu besseren Ergebnissen. Zu diesem Schluß kommt Oliver Strohm von der ETH Zürich. In seiner Untersuchung stellte er fest, daß bei systemorientierten Projekten der Wartungsaufwand einen Anteil von durchschnittlich 28 Prozent einnimmt und die Kostenüberschreitung bei rund 60 Prozent liegt. Dahingegen werden bei benutzerorientierten Projekten für Wartung zehn Prozent der Gesamtkosten aufgewendet und die angenommenen Kosten nur um 13 Prozent überschritten. Auch auf das Zeit-Management wirke sich die Benutzerbeteiligung positiv aus: Bei den systemorientierten Entwicklungen wurde der Termin um durchschnittlich zehn Monate überzogen, bei den benutzerorientierten nur um einen Monat.

Hat sich ein Unternehmen entschlossen, die künftigen Anwender bei der Erstellung von Software mit einzubeziehen, so zieht dies grundsätzliche Veränderungen des Entwicklungsprozesses nach sich. Bislang werden Programme überwiegend in einem linearen Ablaufmodell entwickelt, das durch starke Arbeitsteilung zwischen Entwicklungsplanung und -ausführung geprägt ist. Bernd Müller-Holz auf der Heide, Mitarbeiter der Technischen Universität München, stellte vor, wie eine Ablauforganisation mit Einbeziehung der Benutzer aussehen kann (siehe Abbildung 1) und proklamierte dabei das Prototyping in einem Designerteam.

Um benutzerfreundliche Software zu gestalten, müssen für ihn vier Kriterien erfüllt sein:

- Die künftigen Anwender sollten von Anfang an im Mittelpunkt der Gestaltung stehen.

- Entwickler und Benutzer haben in einem Designerteam zusammen-zuarbeiten.

- Die Benutzerfreundlichkeit der entworfenen Systeme muß durch systematische Tests anhand von typischen Arbeitsaufgaben geprüft werden.

- Ein zyklischer Entwicklungsprozeß mit systematischen Rückkoppelungs-

schleifen soll Korrekturen erleichtern.

Als Entscheidungs- und Entwicklungshilfe forderte Matthias Rauterbach von der ETH Zürich die Einführung von benutzerorientierten Benchmark-Tests. Um die einzelnen Schritte der Benutzer auswerten zu können, empfiehlt Rauterbach die automatische Aufzeichnung aller Tastatureingaben. Diese Methode eigne sich zur Erarbeitung und Überprüfung von Gestaltungs-vorschlägen. Allerdings können solche Tests erst relativ spät im Entwicklungs-prozeß durchgeführt werden, da sie die volle Funktionalität der Software voraussetzen (siehe Abbildung 2).

Benutzerfreundliche Applikationen können nur von Software-Entwicklern gestaltet werden, die Zeit und Gelegenheit haben, sich mit dem Thema Ergonomie auseinanderzusetzen. DV-Spezialisten, die bereits an Projekten mitarbeiten, fehlt meist die nötige Zeit. Aber selbst bei der Ausbildung kommt der Bereich Ergonomie zu kurz. "Bislang findet dieses Thema zu wenig Beachtung. Viele Informatiker machen ihren Abschluß, ohne überhaupt das Wort Ergonomie gehört zu haben", beklagt Thomas Strothotte von der freien Universität Berlin.