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24.01.1975 - 

Firma Stahlgruber ist postgeschädigt:

Erhöhte Leitungskosten verhindern On-line-Verbund

- Die Firma Stahlgruber und Sie persönlich betrachten sich als "Post-Geschädigte".

Ja, aber der eigentliche Geschädigte ist die Bundespost, die mit uns jetzt kaum noch Umsatz macht.

- Zur Sache. Sie haben ein großes Lagerbestandsführungs- und Dispositionssystem auf Ihrer 370/145. Was für Pläne hatten Sie, um dieses System noch zu vervollkommnen?

Wir wollten alle neunzehn vorhandenen Außenstellen Online mit IBM 3270 Stationen und über 4800 Baud-Leitungen an die zentrale Anlage anschließen.

- Welche Überlegungen gab es in bezug auf die Wirtschaftlichkeit dieser Lösung?

Die kalkulierten Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 900 000 Mark jährlich für Leitungskosten, Modems und Datenstationen. Die Wirtschaftlichkeit ergab sich für uns aus drei Posten. Etwa 200 000 Mark Einsparungen erwarteten wir aus schnellerem Zahlungseingang, denn die Rechnungen sollten ja sofort beim Verkauf erstellt werden. Zweitens müssen wir jährlich ca. 700 000 Rechnungen zum Versand bringen. Das sind Portoeinsparungen von 350 000 Mark. Des weiteren wurde ein gleichhoher Nutzen errechnet durch den Online-Anschluß der Verkaufsstellen und die dadurch möglichen Lagerbestandssenkungen in den Filialen.

- Das hieß, die Sache wurde unwirtschaftlich, wenn mehr als 900 000 Mark ausgegeben werden mußten. Wie weit waren Sie mit Ihren Planungen vorangekommen?

Die Leitungen waren bereits bestellt und auch von Darmstadt genehmigt, die Modems und die Datenstationen waren bei der Firma IBM in Auftrag gegeben und lieferbereit. Das komplette System sollte zum 1. 1. 75 starten.

- Dann kam alles anders. Wie wirkte sich für Sie die Erhöhung der Leitungsgebühren zum 1. 7.74 aus.

Während die Gebühren für Strecken von 50 bis 100 Kilometern und darüber gleichblieben, erhöhten sie sich bei Strecken bis 50 Kilometer um 100 Prozent, und zwar von zwei auf vier Mark für je 100 Meter Stromweg. Gerade in unserem innerbayerischen Netz sind die Strecken fast immer kürzer als 50 Kilometer. Für das Gesamtnetz ergab sich eine Erhöhung von 64,75 Prozent, das heißt die reinen Leitungsstrecken stiegen von monatlich 21 000 Mark auf monatlich 33 000 Mark.

- Des weiteren wurden ja auch die Sockelbeträge für Anschlüsse an die Postknoten erhöht,- ebenso die einmaligen Anschlußgebühren und auch Zuschläge für Vier-Draht-Leitungen und ähnliches Kleingedrucktes. Geplant waren Gesamtausgaben in Höhe von 900 000

Mark. Das war ja auch die Wirtschaftlichkeitswelle. Wie wirkte sich die Gebührenänderung aus?

Unsere Gesamtkosten nach der Gebührenerhöhung entwickelten sich folgendermaßen: Die jährlichen Kosten für die Leitungen mit Zusatzgebühren wie Anschlußgebühren erhöhten sich auf 570 000 Mark. Bei Zugrundelegen von Modem-Kosten in Höhe von l50 000 Mark und Kosten für die Datenstationen in Höhe von 400 000 Mark erhöhten sich die Gesamtkosten von 900 000 Mark auf 1,1 Millionen Mark. Wir überschritten damit unseren festgelegten Betrag um 200 000 Mark, also um über 20 Prozent. Die Konsequenz: Alles wurde abgemietet.

- Für die Post hieß das zunächst einmal Mindereinnahmen aus Leitungsgebühren in Höhe der geplanten etwa 180 000 Mark. Was aber hieß das für Sie?

Wir mußten nach einer neuen Lösung suchen und die haben wir jetzt auch gefunden. Der Online-Anschluß an die Filialen wurde gestoppt, wir planen ein Netz mit Datenfernverarbeitungssystem IBM 3650. Wir entschieden uns für 19 Leitzentralen in der Ausrüstung mit Bildschirmen und Druckern, welche in jeder Filiale aufgestellt werden sollen.

- Kann diese Intelligenz vor Ort den Online-Anschluß ersetzen?

Die Leitzentrale ist mit einer Platte ausgerüstet, welche

9,3 Millionen Byte-Speicherkapazität hat. Dies reicht aus, um unseren Artikelsatz in Kurzform und auch die Kundensätze in verkürzter Form für alle die Verkaufsstelle umgebenden Gebiete zu speichern.

- Wie wird jetzt die Verbindung von den Außenstellen zur Zentrale geschaffen? Welcher Betrag fällt jetzt für Leitungskosten an?

Es mag vielleicht überraschen, aber wir benötigen für eine Filiale für die Datenübertragung mittels Wählleitung nachts lediglich zehn Minuten. Dabei wird das gesamte Datenvolumen der Filiale an die Zentrale übertragen und von der Zentrale die neuen Preis- und Rabattänderungen des Tages zurückübertragen. Gebühreneinnahmen für die Post: Jetzt nur noch 40 000 Mark jährlich.

- Jetzt könnte man ja argumentieren, daß die Verfügbarkeit neuer Hardware - eben das neue intelligente Fernverarbeitungssystem IBM 3650 - eine wirtschaftliche Lösung durch Dezentralisierung möglich machte. Oder würden Sie, wenn die Leitungskosten nicht gestiegen wären, auch heute die ursprüngliche Online-Version realisieren?

Wenn die Leitungskosten nicht gestiegen wären, würden wir wahrscheinlich bei der alten Version bleiben. Der Vorteil des Online Anschlusses liegt ja auch in der Abfragemöglichkeif aller Außenstellen über den Bestand des Zentrallagers und der anderen Filialen. Dies ist bei der neuen Lösung nicht möglich.

- Fazit für die Firma Stahlgruber: Eine Lösung die nicht ganz dem technologischen Stand entspricht. Fazit für die Bundespost: erhebliche Umsatzeinbußen.

Ja, es ist ein Trauerspiel für beide Seiten.