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01.05.1987 - 

Regierung in Paris entscheidet sich für politisch "neutrale" Lösung:

Ericsson bei CGCT vor Siemens und AT&T im Ziel

PARIS/MÜNCHEN (CW) - Das Rennen der Bieter um die staatliche Compagnie Générale de Constructions Téléphoniques (CGCT) ist gelaufen: Als Sieger ging die schwedische Ericsson mit ihrem französischen Partner Matra ins Ziel - wohl vor allem deshalb, weil sich die Regierung in Paris mit dieser Entscheidung dem Druck Bonns und Washingtons entziehen konnte. Siemens oder AT&T zu berücksichtigen.

Der Zuschlag an das Konsortium Ericsson-Matra markiert das Ende eines mehr als einjährigen heftigen Tauziehens um die Nummer zwei des französischen Marktes auf dem Gebiet der öffentlichen Vermittlungstechnik. Mit dem Erwerb der CGCT, die einen Marktanteil von 16 Prozent hält, fällt dem schwedischen Elektrokonzern nun auch in Frankreich die Rolle eines Zweit-Lieferanten für die staatliche Postverwaltung zu. Eine vergleichbare Position hatte Ericsson sich bereits durch ein Joint-venture mit der britischen Thorn-Gruppe für England gesichert.

Mit der Zustimmung des französischen Wirtschaftsministeriums erwirbt Ericsson nun über eine direkte Beteiligung von 20 Prozent sowie - über eine Holding-Gesellschaft - weitere 5,95 Prozent und damit die industrielle Führerschaft bei CGCT. Der Partner Matra, der bereits die private Vermittlungstechnik der CGCT übernommen hat, hält 49,9 Prozent; die verbleibenden Anteile liegen bei der französischen Finanzgruppe Indosuez sowie bei Bouygues, dem größten Baukonzern in Frankreich.

Der Kaufpreis für die 1982 verstaatlichte ehemalige ITT-Tochter, die im Unterschied zu den übrigen zu privatisierenden Unternehmen außerbörslich privatisiert wird, liegt bei 500 Millionen Franc; dazu kommen eine dringend notwendige Finanzspritze von etwa 200 Millionen Franc sowie rund 150 Millionen Franc für die Anpassung des schwedischen AXE-Vermittlungssystems an die französischen Normen.

Bestandteil des Deals ist zudem die Zusage der Schweden, ein Forschungszentrum für Videokommunikation zu errichten sowie in den nächsten fünf Jahren über CGCT Exporte im Wert von 1,5 Milliarden Franc zu tätigen.

Darüber hinaus gaben Ericsson und Matra kurz vor der Entscheidung der Regierung bekannt, daß sie ihre Kooperation auch auf andere Vorhaben ausdehnen wollen. Als erstes Projekt ist die gemeinsame Entwicklung, Vermarktung und Produktion für das geplante pan-europäische Autotelefon-Netz ins Auge gefaßt. Auf diesem Sektor hatte Ericsson bereits vor einigen Monaten eine Zusammenarbeit mit Siemens vereinbart.

Die geschlagenen Konkurrenten beim Erwerb der CGCT, allen voran die deutsche Siemens AG sowie das amerikanisch-holländische Joint-venture AT&T/Philips, zeigten sich enttäuscht. Siemens-Manager Peter von Schau sprach von einer "vertanen Chance, auf dem europäischen Markt weiterzukommen", und charakterisierte die Entscheidung der französischen Regierung als eine "politische", denn technisch und preislich habe man nach Angaben aus Paris durchaus im Rahmen gelegen. Nach dem Erwerb der deutschen SEL durch die französische Alcatel N.V., die sich damit in der Bundesrepublik einen Marktanteil von 30 Prozent in der öffentlichen Vermittlungstechnik gesichert hatte, hätten es die Münchener nach den Worten von Schaus "ganz schön gefunden, wenn wir vice versa einen Einstieg in den französischen Markt gehabt hätten". Allerdings richte Siemens nach wie vor sein Hauptaugenmerk auf den US-amerikanischen Markt.

Die Bemühungen von Siemens wie von AT&T um die CGCT hatten sich im Laufe des letzten Jahres bis zum handelspolitischen Konflikt zwischen Paris, Bonn und Washington hochstilisiert, so daß die französische Regierung offenbar die Ericsson-Lösung für die am wenigsten schädliche hielt, um sich ohne Gesichtsverlust aus der Affäre zu ziehen und weder die Bundesrepublik noch die USA allzusehr zu verprellen.