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11.09.1987 - 

Gemeinsame Studie über intelligente Fernmelde-Netze vereinbart:

Ericsson und IBM Europe peilen VAN-Markt an

11.09.1987

PARIS/ROM (bk) - In einer europaweiten Telecom-Offensive befindet sich derzeit der schwedische Telefon-Hersteller AB L. M. Ericsson, Stockholm. In Paris kündigte der schwedische Konzern jetzt eine Zusammenarbeit mit IBM Europe bei intelligenten Fernmeldenetzen an. In Italien führt Ericsson derzeit mit der Mailänder Telit SpA Gespräche über ein Joint-venture.

Seit die Monopolstellung der europäischen Postbetriebe sowohl bei Geräten als auch bei Netzen ins Wanken geraten ist, suchen immer mehr Computer- und Telecom-Hersteller nach Möglichkeiten, sich rechtzeitig ein Stück von freiwerdenden Marktbereichen zu sichern. Deshalb war es für viele Marktanalysten in den letzten Monaten nur eine Frage der Zeit, wann sich die ersten Multis beider Bereiche zusammentun würden.

Das Eis gebrochen haben jetzt IBM Europe und der schwedische Ericsson-Konzern. Vor allem die IBM, die eine führende Position im europäischen Telekommunikationsgeschehen anstrebt, hat schon zahlreiche Gespräche mit weltweiten Herstellern von Fernmeldeanlagen sowie staatlichen Telefongesellschaften hinter sich. Mit Ericsson, seit dem Erwerb der französischen Fernmeldegesellschaft CGCT ebenfalls in einer Telecom-Offensive, will man nun in einem ersten Schritt eine gemeinsame Studie über intelligente Fernmelde-Netze erarbeiten.

Wie die IBM Deutschland mitteilte, soll die Möglichkeit untersucht werden, die eigenen Erfahrungen bei Datenbank-Techniken und Netzwerk-Management mit jenen von Ericsson in der Fernmeldetechnik zu kombinieren, um neue Fernmelde-Dienste (Value Added Network Services) zu ermöglichen. Dabei gehe es auch darum, technische Lösungen für intelligente Telekommunikationsnetze zu finden und Verbindungsmöglichkeiten zwischen Rechnern und den Vermittlungsanlagen von Ericsson zu untersuchen. Beide Unternehmen sehen die Zusammenarbeit als einen logischen Schritt in einer Zeit, in der Anbieter wie Nutzer von Fernmelde-Diensten nach innovativen Lösungen suchen.

Als einen geschickten Schachzug wertet Marktbeobachter Bill Coleman von der Londoner James, Capel & Co. die Zusammenarbeit zwischen IBM und Ericsson. Sie gebe beiden Unternehmen die Möglichkeit, sich weiter ihren Kunden zu nähern, ohne dabei das Risiko einer Expansion in einem neuen Markt eingehen zu müssen. Allerdings sei nicht mit schnellen Ergebnissen zu rechnen, da diese Vereinbarung eher als ein Langzeit-Projekt gesehen werden müsse. Auch bleibt abzuwarten, ob sich die Resultate in neuen Produkten niederschlagen werden. Schränkt Ericsson-Sprecher Nils Ingvar Lundin ein: "Die Vereinbarung bezieht sich auf die gemeinsame Forschung; sie muß nicht unbedingt neue Produkte zur Folge haben."

Ein weiteres heißes Eisen haben die Schweden indes im italienischen Telecom-Geschäft im Feuer. So verlautete jetzt, daß Ericsson mit der staatlichen Telit SpA, Mailand, ein Gemeinschaftsunternehmen gründen will. Dabei will der Stockholmer Telefonkonzern nach Auskunft des Managing-Direktors Björn Svedberg seine italienische Holding Fatme SpA in die neue Gesellschaft einbringen. Fatme und Telit, so der Ericsson-Plan, sollen bei der Herstellung spezieller Telekommunikationsnetze in Italien und bei der Entwicklung digitaler Vermittlungssysteme zusammenarbeiten.

Die Liaison mit Telit würde die Wettbewerbsposition von Ericsson in Italien ungemein stärken. Das im Mai dieses Jahres durch die Fusion der staatlichen Italtel SpA und der Fiat-Tochter Telettra entstandene Unternehmen verfügt in Italien in der öffentlichen Vermittlungstechnik über einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent. Die Schweden sind derzeit mit 21 Prozent vertreten. Die Verhandlungen sollen bereits aufgenommen worden sein, doch laut Svedberg habe man sich kein Zeitlimit für den Abschluß einer Vereinbarung gesetzt.

Umworben wird Telit auch noch von der deutschen Siemens AG. Die Münchener bestätigten, daß lose Kontakte zwischen beiden Unternehmen bestehen. Konkrete Vereinbarungen existierten jedoch nicht. Siemens selbst hält im italienischen Markt für öffentliche Vermittlungstechnik einen Anteil von 2,4 Prozent. Hinzu kommen 10,5 Prozent über die italienische GTE-Tochter GTET, an der Siemens zu 80 Prozent beteiligt ist.