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21.09.1990

Erinnerungen an die 370-Zukunft

Der Markt bestimmt die Erkenntnis: Solange der Übergang auf neue Rechner Software-Anpassungen erfordert, werden die Anwender im alten Betriebssystem weiterarbeiten wollen oder bestenfalls emulieren. Geschrieben wurde dieser Satz von einem DV-Analysten für die CW vom 13. Januar 1978. Thema: "Increasing User Resistance" - zunehmender Widerstand der Anwender. Der folgende Satz sollte Mut machen: "Offenbar haben die Anwender doch mehr Einfluß auf die Produkt-Strategien der Hersteller, als die allgemeine Schwäche der Anwender-Organisationen vermuten läßt." Das Eingehen auf "vielfältige Kundenwünsche" war jetzt IBMs Begründung für das offizielle Announcement, daß die Entwicklung des Betriebssystems DOS/VSE auch unter der neuen ESA/390-Architektur weiterverfolgt wird.

Höflichkeit gegenüber den Anwendern ist das nicht, der Markt läßt keine andere Lösung zu. Die Alternative wäre doch gewesen, die 43XX-Kunden zu verprellen - selbst eine IBM kann sich das nicht leisten. Daß andererseits volle Kompatibilität auf Betriebssystem-Ebene, um die Investitionen in die Anwendungssoftware zu sichern, mit spektakulärer Hardware-Politik nicht vereinbar ist, versteht sich von selbst. Es wäre blauäugig, in der S/390-Ankündigung mehr zu sehen als ein Parkschutz-Manöver der IBM - zumindest die DOS/VSE-Anwender haben auch gar nichts anderes erwartet. Mehr noch: Alles andere, daß nämlich der /370-Architektur DV-technische Grenzen gesetzt sind, mußte ihnen total nebensächlich erscheinen. Die IBM eine Gefangene ihrer eigenen Produktpolitik? Es ist so - und sie führt selbst den Beweis.

Wie konnte es dazu kommen? Um eine Antwort zu finden, muß man tief graben. Seit mehr als 25 Jahren gehört bei Big Blue die permanente Proklamation, nichts werde sich für die Kunden ändern - obwohl sich doch alles ändert -, zur Geschäftsgrundlage. Folglich mußte das legendäre "Future System" dem Keine-Experimente-Grundsatz geopfert werden. Seit 1976 - bereits zu diesem Zeitpunkt wurde das FS-Projekt eingemottet - haben wir es also im Mainframe-Bereich der IBM mit Übergangsprodukten zu tun, zwingt die Absicht, nichts für die Kunden Überraschendes zu machen, zu Spracherfindungen, die sich um Präzision und Tatsachengehalt nicht kümmern können.

Beispiel S/390-Ankündigung: "Unser Highlight für Ihre Informationsverarbeitung", wirbt der Mainframe-Marktführer unter dem Motto "Eine neue Ära von IBM". Die Einschränkung (und Besänftigung) folgt auf dem Fuß: "Daß nun die Zukunft beginnt, heißt nicht, daß Sie mit der Vergangenheit brechen müssen." Das heißt aber auch, daß die IBM-Anwender Gefangene sind. Fazit aus zweieinhalb Jahrzehnten IBM-/370-DV: "Und wenn die Lochkarten nicht gestorben sind, dann. . ."