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22.07.1977 - 

BMFT zum Nixdorf-Jubiläum:

Ermunterung zur kontrollierten Dezentralisation

PADESBORN (hö) - 25 Jahre Nixdorf-Computer - Heinz Nixdorf lud ein, und an die 4000 Firmenangehörige kamen, um mit ihm auf einem dem Münchner Oktoberfest nicht unähnlichen Rummelplatz zu feiern. Und blieben - aufgeheizt durch Darbietungen bekannter Showstars - bis der Tag graute. Nicht weniger bekannt die Prominenz, die tags zuvor bei der Laudatio ihre Glückwünsche bekundete, darunter Dr. Rainer Barzel und der Parlamentarische Staatssekretär im BMFT, Dr. Volker Hauff. Thema der Hauff-Rede, deren Inhalt wir in den wesentlichen Punkten wiedergeben, war die "Dezentralisierung als Chance für die Industriegesellschaft".

"Dezentralisierung ist sicherlich kein allein seligmachendes Heilmittel für alle möglichen politischen und gesellschaftlichen Unzulänglichkeiten und Gebrechen. Aber ich sehe darin, wie der Titel meines Vortrags sagt, eine Chance. Dezentralisierung ist zum Modewort geworden, und Moden sind kurzlebig. Dennoch greife ich das Schlagwort Dezentralisierung auf denn es hat einen sehr ernsthaften Aspekt vor allem mit Blick auf die wachsende Kritik an Großorganisationen und Bürokratisierungstendenzen unserer Gesellschaft und Wirtschaft ...

Während im 2. DV-Programm (1971 bis 1975) noch die Großrechnerentwicklung Vorrang hatte, aber die Förderung bei kleinen und mittleren Universalrechnern und bei Prozeßrechnern bereits angelaufen war, wird im 3 DV-Programm (1976 bis 1979) die Förderung bei mittleren und großen DV-Systemen weitergeführt - den Kleinrechnern wird eine Schlüsselrolle zuerkannt. Wir haben also die Option für dezentrale Lösungen früh eröffnet und geben jetzt die Option auf zentrale Lösungen nicht auf. Wir bemühen uns zusätzlich darum, weitere Optionen zu schaffen beziehungsweise in der Technologiepolitik aufzugreifen. Deshalb arbeiten wir an einem Förderungsprogramm 'Technische Kommunikation', in dem neben der Förderung von Systemen zur Übermittlung von Informationen und von Endgeräten ein Förderschwerpunkt bei Anwendungssystemen liegt, bei denen DV-Komponenten mit den nachrichten-technischen Komponenten und mit der Gerätetechnik zusammengefügt werden. Ich halte diese Entwicklungslinie besonders im Hinblick auf die absehbaren Tendenzen bei der Mikroelektronik für aussichtsreich: Die Technologie der Größtintegration wird es zunehmend möglich machen, auch größere Verarbeitungskapazität direkt am Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Diese Möglichkeit kann aber nur genutzt werden, wenn zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen die erforderlichen Kommunikationsverbindungen bestehen, wenn also bei aller Dezentralisierung der arbeitsteilige Zusammenhang nicht verlorengeht ...

"Revo" statt "Evo"

Heute, wo das Schlagwort der Dezentralisierung in aller Munde ist, muß man sich fragen, warum die Datenverarbeitung diese Möglichkeit nicht von Anfang an eröffnet hat. Dafür gibt es wohl zwei Gründe: Die Datenverarbeitung begann mit für damalige Verhältnisse sehr großen Rechnern und wurde - so eigenartig dies heute auch anmutet - von einem Büromaschinen-Hersteller forciert und marktfähig gemacht. Durch die großen Entwicklungsaufträge der Raumfahrt, die die moderne Rechnerentwicklung schnell vorangetrieben haben, begann - mehr revolutionär als evolutionär - die Datenverarbeitung mit großen zentralen Strukturen, die bis auf den heutigen Tag den Anwendungen ihre Merkmale und Eigenheiten aufprägen. Neben dieser Entwicklungslinie vollzog sich langsamer und ohne die Schubwirkung großer Entwicklungsaufträge der Fortschritt in der sogenannten Mittleren Datentechnik. Erst in den letzten Jahren sind hier aus programmierbaren Buchungsautomaten vollwertige Kleinrechner entstanden. Anders als in der großen Datenverarbeitung ist für diese Entwicklungsrichtung der Gedanke der arbeitsplatzorientierten Informationsverarbeitung von Anfang an typisch gewesen. Er erweist sich nun erst recht, seit es sehr leistungsfähige und kompakte Rechner gibt, als tragfähig.

Je nach Aufgabenstellung werden die Systeme der Zukunft mehr oder weniger durch das Zusammenspiel von zentralen großen und dezentralen Arbeitsplatzgeräten gekennzeichnet sein. Dann werden auch die Handkarteien und die anderen manuellen Hilfswerkzeuge entbehrlich werden, die die Sachbearbeiter trotz oder vielleicht sogar gerade wegen der Rechenzentren führen, um für sich selbst das notwendige Maß an individueller Informiertheit zu garantieren.

Systemwissen bei MDT-Herstellern

Mein Bild von den historischen Entwicklungslinien führt nun unmittelbar auf zwei vor uns liegende große Aufgaben. In dem Maße, wie die früheren Geräte der Mittleren Datentechnik zu vollwertigen kleinen Datenverarbeitungs-Systemen weiterentwickelt werden und ihr Komplexitätsgrad und ihre Anwendungsbreite größer werden, muß bei ihren Herstellern auch das Systemwissen zunehmen. Das erfordert vor allem Anstrengungen auf der Software-Seite, bei den Betriebssystemen, der Datenverwaltung und der Betriebsmittel-Zuweisung. Hier gilt es, eine Reihe von Funktionen zu implementieren, die bei großen Rechnern selbstverständlich, der früheren Mittleren Datentechnik aber fremd waren.

Ein Wort noch zur Unternehmenspolitik der Deutschen Bundespost: Die Arbeiten und der Abschlußbericht der "Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems" haben gerade in der Deutschen Bundespost Bewegung ausgelöst. Von den Vorschlägen der Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems (KtK) zur Einführung neuer Formen der Daten- und Textkommunikation bis zur Förderung neuer Technologien, Geräte und Anwendungen durch das BMFT sind bereits Impulse ausgegangen. Ich bin sicher, daß das in Gang gekommene Gespräch weitere Antriebskräfte mobilisieren wird ...