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08.11.2002 - 

Kolumne

"Ernüchternde Erkenntnis"

Wolfgang Herrmann Redakteur CW

Microsoft hat gewonnen, die Aktienkurse steigen, und die Kunden können endlich wieder vernünftig planen. So oder ähnlich kommentierten nicht wenige in Washington und anderswo das wohl abschließende Urteil in dem seit viereinhalb Jahren schwelenden Kartellverfahren. Nach dem Machtwechsel im Weißen Haus konnte niemand erwarten, dass der weltgrößte Softwarehersteller mit harten Sanktionen belegt oder gar, wie einst von Bezirksrichter Thomas Jackson gefordert, zerschlagen wird.

Ebenso wenig ist damit zu rechnen, dass Microsoft sein Geschäftsgebaren grundlegend verändert. Schon einmal hat sich das Unternehmen mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich geeinigt. Der Consent Decree aus dem Jahr 1994 sollte regeln, wie Microsoft Geschäfte mit seinen Lizenzpartnern abzuwickeln hat. Bereits die damalige Vereinbarung wurde als haushoher Sieg für die Gates-Company gewertet.

Die Folgen sind bekannt: Microsoft koppelte seinen Browser an das Windows-Betriebssystem und drängte den damals scheinbar ärgsten Konkurrenten Netscape aus dem Markt. PC-Hersteller setzte der Konzern wie gehabt massiv unter Druck, wenn diese etwa konkurrierende Software auf ihren Rechnern vorinstallieren wollten.

Das laxe Vorgehen der US-Behörden gegenüber marktbeherrschenden IT-Unternehmen hat Tradition. Zu den größten und bekanntesten Monopolverfahren zählt der Fall IBM. Die im Jahr 1969 eingeleiteten Ermittlungen gegen den Mainframe-Giganten wurden zwölf Jahre später ohne Ergebnis eingestellt; die Klage des Justizministeriums sei gegenstandslos, so die lapidare Feststellung. Ähnlich endete eine kartellrechtliche Überprüfung des Quasi-Monopolisten Intel Anfang der 90er Jahre.

IBMs Marktdominanz wurde später dennoch gebrochen, allerdings nicht mit Hilfe juristischer Maßnahmen, sondern durch einen dramatischen Umbruch in der IT-Landschaft. Downsizing, Client-Server und Dezentralisierung lauteten die Schlüsselwörter. Eine ähnliche Entwicklung ist im Fall Microsoft nicht abzusehen, trotz offener Standards, Linux oder des gestiegenen Kostenbewusstseins der Kunden.

Im Gegenteil: Der Softwaremulti nutzt seine Vormachtstellung systematisch, um neue Märkte zu erobern. Auch diesen Umstand lässt der von Richterin Colleen Kollar-Kotelly abgesegnete Vergleich unberücksichtigt. Was bleibt, ist eine ebenso alte wie ernüchternde Erkenntnis: Die US-Justiz ist weder willens noch in der Lage, den Machtmissbrauch einheimischer IT-Konzerne zu unterbinden.