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09.01.1998 - 

SSA kämpft gegen schlechtes Image

"ERP-Anbieter sollten ihre Softwarekerne wegwerfen"

CW:SSA hat bei der Entwicklung von BPCS 6.0 einen schmerzhaften Technologiesprung aus der AS/400-Welt in die objektorientierte Client-Server-Technologie vollzogen. Nun konstatieren Analysten, Ihr Softwarekonzept sei zwar sehr gut - jedoch nur auf dem Papier.

Covey: Das ist nicht wahr. Kunden wie Novartis, Toyota und Glaxo sind sehr zufrieden. Wir haben zur Zeit mehr als 100 BPCS-6.0-Installationen produktiv im Einsatz, zusätzlich wird die Software gerade etwa 900mal implementiert.

CW: Nach Meinung von Fachleuten gibt es immer noch Schwierigkeiten mit der Distributed Object Component Architecture (Doca, siehe Kasten Hintergrund). So sollen etwa Probleme bei der Integration der verteilten Anwendungen auftreten. Auch soll BPCS 6 nach Aussagen von Ovum nicht vollständig in Doca entwickelt sein...

Covey: Auch das stimmt nicht. BPCS 6 basiert vollständig auf der Doca-Architektur. Meine Freunde von Ovum haben manchmal recht, manchmal aber auch nicht. Die Integrationsprobleme existieren nicht.

CW: Mit BPCS 6.0 bieten Sie ein komponentenbasiertes Client-Server-Paket an. Ähnliches liefern auch Ihre Mitbewerber wie SAP und Baan. Worin unterscheiden sich die Produkte?

Covey: Wir liefern mit BPCS ein n-tier Client-Server-Produkt, bieten darüber hinaus aber mehr als nur die Verteilung von Anwendung, Datenbank und Präsentation. Unser BPCS-Kern selbst ist sehr feinkörnig. Er besteht aus über 30 Komponenten, und Anwender können diese auf unterschiedlichen Rechnern unternehmensweit und auch über die Grenzen von Betrieben hinweg verteilt einsetzen. Zudem unterstützen wir unterschiedlichste Datenbanken und haben keine Schwierigkeiten mit echten verteilten Datenspeichern.

Die SAP hat in diesem Punkt Probleme, da sie eine eigene mächtige Middleware hat, die viele Datenbankaufgaben übernimmt. Damit lassen sich aber neueste Techniken, etwa der jüngsten Datenbankversionen von Oracle und Informix sowie verschiedener Ausführungen von DB2 nur schwer nutzen.

CW: Die Software Ihrer Konkurrenten basiert nach deren Aussage aber auch auf Komponentechnik.

Covey:Die Produkte von Baan und SAP gründen auf einer Architektur, die rund zehn Jahre alt ist. Da ist es selbstverständlich, daß beide versuchen, den Lebenszyklus der Software künstlich zu verlängern. Dazu bieten sie um das Kernsystem herum neue Produkte an, die sie dann als Komponenten bezeichnen. SAP praktiziert das seit über drei Jahren, und Baan versucht es nun auch. Diese sogenannten Komponenten werden über Schnittstellen verbunden. Bei SAP sind das die Business Application Programming Interfaces (BAPIs), Baan nennt sie halt Business Object Interfaces (BOIs).

Im Softwarekern arbeitet aber noch die "alte" Technik. Früher oder später werden auch Baan und SAP wie wir ihre Produkt von Grund auf erneuern müssen.

CW: Völlig neu? Reicht es nicht aus, sie in Komponenten aufzugliedern?

Covey: Nein, denn ihre Anwendungen haben einen massiven monolithischen, prozeduralen Kern. Es ist nicht möglich, daraus sinnvoll Komponenten herauszulösen. Man kann natürlich darüber streiten, ob eine Technik, wie wir sie anbieten bereits heute geliefert werden muß. Jedenfalls sollten Software-Anbieter schon einmal damit beginnen, ihre alten Kernanwendungen wegzuwerfen.

CW: Nicht nur die angeblich mangelnde Stabilität der Doca-Architektur sorgte in der Vergangenheit für Schlagzeilen. Auch der Service stand im Brennpunkt der Kritik von Anwendern und Analysten. Ein schlechtes Image bleibt oft lange in den Köpfen haften...

Covey:...wenn schlechtes Image lange präsent ist, dürfte in den kommenden zehn Jahren eine wahre Flut von SAP-Kunden auf uns zukommen, die sich wegen langer und teurer Implementierung von R/3 sowie wegen des hohen Aufwands für Wartung an uns wendet.

CW: Konkret: Wie will SSA in puncto Service das Vertrauen von Kunden gewinnen?

Covey: Was zählt ist die Gegenwart. Wenn sich Kunden unsere aktuelle Situation anschauen, erhalten sie ein sehr positives Bild. Wir haben vier positive Quartale in Folge abgeschlossen. Wir erwarten eine Umsatzsteigerung von rund 30 bis 40 Pro-zent auf rund 425 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 1997 und verfügen über einige Millionen in der Kriegskasse. Darüber hinaus können wir gute Referenzen zeigen.

CW: Und der Service...

Covey:Unser weltweiter Service ist unschlagbar. Vielleicht ist in Deutschland nicht immer alles optimal gelaufen, hier haben wir sicher noch einiges zu tun. In der Vergangenheit hat hierzulande eine Schwestergesellschaft SSA-Produkte verkauft. Deren Strategie war es, alles selbst zu machen und mit Service Geld zu verdienen. Man hat dabei leider versäumt, Partnerschaften aufzubauen, um auch bei steigenden Installationszahlen guten Service leisten zu können. Wir planen aber, in den nächsten Jahren weltweit Mitarbeiter einzustellen, darunter natürlich auch eine Reihe von Service- und Support-Spezialisten in Deutschland.

Zur Person

Roger Covey gründete 1981 die Systems Software Association (SSA) und war bis 1991 President und Chairman des Unternehmens. Von 1991 bis 94 absolvierte er den Bachelor of Computerscience, studierte chinesische Kunstgeschichte und Sprache, die er fließend spricht. Der 42jährige kehrte 1994 zu SSA zurück und ist seitdem CEO des Unternehmens. Covey ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Chikago.