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26.11.2007 - 

Warenwirtschaftsprojekt des GDI-Partners TME electronic

ERP fürs Motorradlager

Oft gewinnen bei Projektausschreibungen nicht Partner von bekannten Unternehmen, sondern diejenigen, die den Kunden am besten überzeugen so geschehen beim Motorradzubehör-Spezialisten Touratech.

Von Dr. Ronald Wiltscheck

Die ERP-Software von GDI hatte der Interessent zum ersten Mal auf der CeBIT gesehen. Daraufhin gab der Hersteller den Lead an seinen Partner TME electronic weiter. Dieser wiederum verlor keine Zeit und stellte sich umgehend beim Motorradzubehör-Spezialisten Touratech vor. Und von da an ging alles ganz schnell.

Außer dem GDI-Partner sind auch größere ERP-Anbieter beim Kunden vorstellig geworden, unter anderem KHK (heute Sage) und Navision (heute Microsoft). "Was die Funktionsvielfalt betrifft, so standen diese Lösungen der GDI-Software in nichts nach", erinnert sich TME-Geschäftsführer Xaver Hilser an seine damalige Präsentation bei dem Kunden. Doch offenbar überzeugte er den Touratech-Vorstand Jochen Schanz.

Für diesen war es entscheidend, einen kompetenten Partner vor Ort zu haben. Da traf es sich natürlich gut, dass der Firmensitz von Touratech, Niedereschach bei Villingen-Schwenningen, gerade mal 20 Kilometer vom TME-Standort Tennebronn entfernt ist. "Wir hatten ein ausführliches Pflichtenheft, das alle Funktionen und Leistungen enthielt. Darüber hinaus war entscheidend, dass die neue ERP-Software zum einen offen für Erweiterungen war und zum anderen die Betreuung durch einen Partner vor Ort und den Hersteller selbst kompetent erschien", erinnert Schanz.

Mittelständler arbeiten für Mittelständler

Ein weiterer Grund dafür, dass sich Touratech für GDI entschied, war die Tatsache, dass der Kunde einen mittelständischen Anbieter bevorzugte. Rolf Lutz, Geschäftsführer von GDI, sieht genau hier einen großen Vorteil für sein Produkt: "Wir sind ebenfalls Mittelständler und sprechen deshalb mit unseren Kunden auf Augenhöhe. Wir verstehen ihre Anforderungen und Probleme. Mit einem dichten Netz von gut ausgebildeten Fachhan-delspartnern können wir vor Ort flexibel und schnell reagieren."

Einer dieser Partner ist die TME electronic GmbH. Diese Ein-Mann-Firma arbeitet nur mit freien Entwicklern zusammen und kann so flexibel auf die Kundenanforderungen reagieren. So war dies eben auch beim Projekt bei Touratech. Der Kunde wollte eine professionelle Lösung für Warenwirtschaft und entschied sich auf Anraten von TME-Chef Hilser für die Software von GDI. Dabei vergingen vom Erstkontakt bis zum endgültigen Vertragsabschluss gerade mal zwei Wochen.

Nach vier Wochen war alles vorbei

Auch die Implementierung der Software bei Touratech ging sehr rasch vonstatten: Die zentralen Module Finanzbuchhaltung, Warenwirtschaft und Lager waren bereits nach vier Wochen betriebsbereit. Den größten Aufwand betrieb Hilser während dieser Zeit für die Übernahmen der Daten aus dem Altsystem beim Kunden. Damals waren es noch 500 Artikel mit Preisangaben sowie die Daten von etwa 10.000 Kunden. Doch der GDI-Partner tat mehr als nur das: Er übernahm auch alle Bewegungsdaten des Altsystems, wie Offene Posten und Lieferungen, in die GDI-Software. Damit sind auch Bestellungen, Rechnungen und andere Dokumente aus der Vor-GDI-Zeit im neuen System gelistet.

Laut Hilser von TME nahm die-se Aufgabe mehr als zwei Drittel der gesamten Arbeitszeit beim Kunden in Höhe von 40 Mannstunden in Anspruch. Während die Altdaten noch in einer DOS-basierten dBase-Datenbank untergebracht waren, arbeitet das neue System mit der quelloffenen Firebird-Datenbank, deren Umfang aktuell 1,5 GB beträgt. "Diese Datenbank ist bei einem Kunden dieser Größe Systemen von Oracle oder Microsoft auf jeden Fall vorzuziehen", erklärte Hilser im Gespräch mit ChannelPartner. "Während Firebird nur einige Minuten zum Booten benötigt, kann dieser Vorgang bei kommerziellen Datenbanken unter Umständen mehrere Stunden dauern."

Im Laufe der Zeit musste TME auf einige Besonderheiten bei Touratech beachten. So fertigt der Kunde fast all seine auszuliefernden Waren (Motorradzubehör) aus dem Rohmaterial, hauptsächlich Aluminium, selbst und kauft kaum etwas extern hinzu. Dies führt dazu, das bei Touratech sowohl das PPS-System (Produktionsplanung und -steuerung) als auch die Warenwirtschaft mit bis zu sechsstufigen Stücklisten umgehen können müssen. Ähnlich ausgefeilt ist auch die Bedarfsplanung für alle Teile, damit der Lagerbestand den dynamisch berechneten Mindestbestand nicht unterschreitet und jederzeit alle Artikel produziert und geliefert werden können. Schon jetzt sind 98 Prozent aller Artikel lagernd, doch Touratech möchte hier einen 100-prozentigen Deckungsgrad im Lager erreichen.

Zusätzlich zum PPS-System hat der GDI-Partner auch noch ein Versandmodul bei Touratech installiert. Dieses erstellt nicht nur alle Versandpapiere für die bestellten Waren, sondern achtet auch darauf, dass die Dokumente sowohl den Vorgaben des jeweiligen Frachtführers als auch den Anforderungen des Empfängers entsprechen. Über den direkten Datenabgleich mit der Datenbank des Frachtführers prüft das GDI-Versandmodul, ob die Versandanschrift korrekt ist und ob damit die Versandkosten über eine Leitcodegenerierung optimiert werden können. Zudem lassen sich die Sendungen bis zur Auslieferung elektronisch verfolgen.

Auch der Webshop von Touratech wird von der GDI-Warenwirtschaft aus gefüllt. Dies gilt ebenfalls für den über 800-seitigen Touratech-Katalog, der in vier Sprachen ausgeliefert wird: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Alle dort enthaltenen Texte und Bilder kommen direkt aus der zentralen GDI-Datenbank. Selbst die 25 Importeure weltweit greifen mit ihren Webshops auf die Daten in Nieder-eschach zu - auch in griechischer und russischer Schrift.

Stellt sich Touratech auf einer Messe vor, ist dort auch jedes Mal eine komplette Kopie der Software-installation auf drei oder vier PCs mit vertreten. Vor Ort richtet der Spezialist für Motorradzubehör ein eigenes Verkaufslager ein, in dem in Echtzeit Verkäufe getätigt und Rechnungen geschrieben werden. Nach der Rückkehr von der Messe übernimmt die interne IT-Abteilung alle Buchungen und gleicht die Bestände des Messelagers aus.

Da sehr viele Produkte von Touratech eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) des Kraftfahrtbundesamts benötigen, räumt das Unternehmen der Qualitätssicherung und der Rückverfolgung der Produktionsgeschichte eines jeden Teils große Bedeutung ein. Daher dokumentiert die GDI-Software alle Produktionsschritte unter Berücksichtigung der an den einzelnen Prozessen beteiligten Mitarbeiter. So befindet sich in der Produktionshalle des Kunden an jeder Fertigungsstation ein PC mit Barcode-Scanner. Insgesamt sind es mehr als 60 Windows-XP-Clients, an denen die ERP-Software aus Landau installiert ist. Als Server agiert dabei eine handelsübliche Intel-kompatible Windows-2003-Maschine, an der ausschließlich die gesamten GDI-Anwendungen und die Firebird-Datenbank ihre Arbeit verrichten.

Folgegeschäfte "drohen"

Touratech-Vorstand Jochen Schanz (l.) und TME-Geschäftsführer Xaver Hilser begutachten die gelungene Installation der GDI-Software.
Touratech-Vorstand Jochen Schanz (l.) und TME-Geschäftsführer Xaver Hilser begutachten die gelungene Installation der GDI-Software.
Foto:
Vieles an Motorradzubehör lässt sich am besten an der Maschine testen. Touratech stellt hierfür seinen Kunden das Equipment bereit.
Vieles an Motorradzubehör lässt sich am besten an der Maschine testen. Touratech stellt hierfür seinen Kunden das Equipment bereit.
Foto:
Touratech fertigt fast das gesamte Motorradzubehör selbst, da ist eine detaillierte Ersatzteilplanung unumgänglich.
Touratech fertigt fast das gesamte Motorradzubehör selbst, da ist eine detaillierte Ersatzteilplanung unumgänglich.
Foto:
Solution Snapshot

Kunde

Touratech AG, www.touratech.de

Problemstellung

Die eingesetzten kaufmännischen Programme konnten mit dem Wachstum des Unternehmens nicht mehr Schritt halten.

Lösung

ERP-Software von GDI; PC-Server; quelloffene Datenbank "Firebird"

Dienstleister

TME electronic GmbH; www.tme.de

Technologielieferant

GDI, Gesellschaft für Datentechnik und Informationssysteme mbH; www.gdi-home.de

Kontaktaufnahme

Lead-Weitergabe von der CeBIT

Größte Herausforderung

Übernahme der Altdaten

Implementierungsdauer

zwei Wochen

Arbeitsaufwand des Dienstleisters

40 Mannstunden

Kostenumfang des Projekts

15.000 Euro

Projektaufteilung

10 Prozent für Hardware; 40 Prozent für Softwarelizenzen; 50 Prozent für Dienstleistung

Service- und Wartungsverträge

Softwarewartung über den Hersteller (Updates mit jährlicher Laufzeit); Hotline und laufender Support durch den Dienstleister ohne vertragliche Fixierung (je nach Aufwand)

Schulungen

zwei Tage; danach fortlaufende Folgeschulungen bis heute

Nutzen für den Kunden

eine einzige Lösung für alle Abläufe im Unternehmen: Finanzbuchhaltung, Waren- und Lagerwirtschaft, PPS, Versandmodul; offen, erweiter-, anpass- und individualisierbar

Nutzen für den Dienstleister

Know-how hinzugewonnen; Sonderprogrammierungen bereits in anderen Projekten eingesetzt; Wissenstransfer zu anderen GDI-Partnern; Ruf als PPS-Spezialist gefestigt; neue Kunden akquiriert

Und die Arbeit geht dem GDI-Partner keinesfalls aus. Denn die bei Touratech installierte ERP-Software soll erweitert werden. In der ersten Jahreshälfte 2008 wird TME auch die Anlagenbuchhaltung und die Lohnabrechnung beim Kunden auf die passenden GDI-Systeme umstellen. Später soll noch die Kostenrechnung dazukommen. "Wir wollen in der gesamten Firma nur ein einziges System einsetzen", argumentiert Touratech-Gründer Schanz. Schon heute bekommen Mitarbeiter nach seiner Aussage ein Problem, wenn sie beispielsweise Excel für Auswertungen einsetzen, statt diese mit GDI zu erstellen. Dies ist dank der flexiblen Auswertungsgeneratoren und der zugrunde liegenden SQL-basierten Datenbank einfach möglich.

Meinung des Redakteurs

Das vorliegende Projekt belegt es wieder mal aufs Deutlichste: Nicht immer kommt der bekannteste Hersteller mit dem dicksten Marketingbudget zum Zuge. So gelang es dem relativ kleinen ERP-Anbieter GDI aus Landau, Größen wie KHK (heute Sage) oder Navision (heute Microsoft) auszustechen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung des Kunden war die Kompetenz des Partners.