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Business-Software unter Windows


01.02.2002 - 

ERP-Hersteller warten bei .NET noch ab

MÜNCHEN (fn) - Microsofts Web-Services-Strategie .NET verfängt bisher nur bei wenigen Softwareanbietern. So bleiben die meisten Hersteller von ERP-Produkten für Windows lieber auf bewährtem Terrain. Nur in Teilbereichen soll die .NET-Technik bestehende Funktionen ergänzen.

Geht es nach Microsoft, dann ist .NET nicht nur eine Technik zum Schreiben von XML-basierenden Web-Services. Vielmehr stelle es einen Paradigmenwechsel in der Softwareentwicklung dar. Mit .NET fasst der Hersteller das ".NET Framework", bestehend aus Ablaufumgebung und APIs, das Entwicklungswerkzeug "Visual Studio .NET" sowie eine Reihe von Servern, darunter "Biztalk Server 2000" und "Commerce Server 2000", zusammen, dazu kommen Web-Services vom Schlage der ".NET My Services".

Viele Anbieter von Windows-gestützter Software überlegen sich zurzeit, wie sie .NET für ihre eigenen Produkte nutzen können. Auch Hersteller von ERP-Software denken darüber nach. "Wir schauen uns an, inwieweit wir das .NET Compact Framework sowie die Common Language Infrastructure (CLI) für die Client-Entwicklung nutzen können", umschreibt Frank Hassler, Entwicklungsleiter bei Navision, die Pläne seines Unternehmens. Beim Compact Framework handelt es sich um eine Variante des .NET Framework speziell für persönliche digitale Assistenten (PDAs) und andere Kleingeräte. Dafür geschriebene Software wäre, einmal in die "Intermediate Language" übersetzt, sowohl auf tragbaren Rechnern als auch auf PCs ohne nochmaliges Kompilieren lauffähig.

Java als VorbildDie Intermediate Language ist vergleichbar mit dem Bytecode von Suns Programmier- und Ablaufumgebung Java, das Framework entspricht etwa der "Java Virtual Machine" (JVM). Durch die von Microsoft versprochene Unabhängigkeit vom Endgerät müsste Navision nur noch eine Client-Software für alle mit .NET-Basistechnik versehenen Gerätetypen pflegen. An den APIs, über die der heutige Navision-Client mit dem Server spricht, ändert sich dadurch grundsätzlich nichts. Die Schnittstellen will Hassler so verpacken, dass sie in der Common Language Infrastructure verwendet werden können. Die CLI ist ein wesentlicher Bestandteil des .NET Framework und erlaubt es, mit unterschiedlichen Programmiersprachen Funktionen des Windows-Betriebssystems einheitlich zu nutzen.

Doch damit hat es sich auch schon mit .NET bei Navision, denn die Kernfunktionen der Server-Software möchte Hassler nicht antasten. Dennoch wird der Hersteller Web-Services-Techniken wie etwa das Simple Object Access Protocol (Soap) in seinen Produkten unterstützen. Der künftige W3C-Standard erlaubt einen Methodenaufruf zwischen Softwareobjekten auf der Grundlage einer XML-Syntax und bedient sich des Hypertext Transfer Protocol (HTTP). Nach den Worten Hasslers wird ein neuer, für Mitte des Jahres geplanter Applikations-Server Soap-Messages verarbeiten können.

Die hauseigene Entwicklungsumgebung "C/Side" erhält Komponenten, die Soap-Nachrichten interpretieren können. Zudem eignet sich Soap zum Transport von XML-Daten, die sich Firmen bisher noch per E-Mail oder Dateitransfer übermitteln müssen. Für den Datenaustausch via XML oder EDI benötigen Navision-Anwender zusätzlich das "Commerce Gateway", das auf Microsofts Biztalk-Server basiert. Für den Browser-Zugriff auf die ERP-Software hat der Hersteller sein "Commerce Portal" entwickelt, das auf dem Commerce-Server der Redmonder aufsetzt.

.NET verleitet Hersteller Windows-basierender Software derzeit nicht dazu, ihre eigenen Produkte umzukrempeln. Nach Hasslers Einschätzung wird die Microsoft-Architektur auch in naher Zukunft nur auf dem Client eine Rolle spielen. Bei den Server-Produkten von Navision und anderen Playern bleibe alles noch lange beim Alten. Microsoft werde die Softwarebranche dazu ermuntern, ihre Desktop-Programme nicht mehr über das Win-32-API auf systemnahe Ressourcen durchgreifen zu lassen, sondern stattdessen die CLI in ihren Produkten zu verwenden.

Wenig Interesse bei AnwendernDer Bedarf seitens der Anwender an .NET-Technik ist nach den Erfahrungen des Navision-Entwicklungsleiters im Augenblick jedoch gleich null. Der Hersteller bedient in erster Linie mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen fünf und 250 Millionen Euro. "Keiner fragt heute nach .NET", gibt Hassler offen zu. Diese Klientel beginne erst damit, sich für einen simplen Web-Zugriff auf Business-Software zu interessieren, sei es über ein Browser-Frontend oder über ein Portal.

Ungeachtet des offenbar geringen Kundeninteresses an .NET will der ERP-Anbieter AP AG aus Karlsruhe die Microsoft-Technik durchaus ins eigene Produkt "P2plus" aufnehmen. Der Hersteller bietet seit zwei Jahren eine Web-gestützte Business-Software an. P2plus-Anwender benötigen lediglich einen Windows-PC inklusive Internet Explorer, um auf die Applikation zugreifen zu können. Zurzeit tauscht AP die auf Microsofts Active Server Pages (ASP) basierende Architektur aus. Die ASPs werden dabei in der von Microsoft entwickelten .NET-Programmiersprache C# implementiert. Dabei mussten Entwicklungsleiter Matthias Hertel und sein Team nicht alles von Grund auf neu entwickeln: Viele ASPs ließen sich durch simple Makros in die entsprechenden C#-Routinen übersetzen. Zum Programmieren nutzen die Experten bei AP Microsofts Entwicklungsumgebung Visual Studio .NET. Die Geschäftsdaten liegen bei P2plus in einer Datenbank, die auf dem SQL Server von Microsoft läuft.

Soap entlastet das NetzBei AP kommuniziert der Client über Soap mit dem Backend. Im Gegensatz zu HTML bietet das Protokoll dabei erhebliche Vorteile für die Maskendarstellung auf dem Client-Rechner. So genügt es beispielsweise, wenn der Server den äußeren Rahmen eines Adressbuchs am Anfang der Sitzung an den Client übermittelt. Blättert der Benutzer im Datenbestand, überträgt das Backend lediglich die Rohdaten über das Netz. Beim herkömmlichen Web-Zugriff über HTML wäre der Client gezwungen, bei jeder Änderung eine vollständige Seite herunterladen. Der Schwenk zu Soap fiel dem Hersteller nicht besonders schwer, da er bereits im Jahr 1999 einen Vorläufer der Soap-Spezifikation implementiert hatte. Somit ändert sich für den Endanwender gegenüber den bisherigen Versionen der AP-Software nichts.

Im Gegensatz zu AP haben andere Windows-Spezialisten im ERP-Umfeld noch wenig mit .NET am Hut. Bei der Infor Business Solutions AG aus Friedrichsthal gibt es bislang keine Pläne diesbezüglich. Auch Konkurrent Proalpha winkt ab. Man sehe derzeit keinen Bedarf, sich mit der Microsoft-Technik näher zu beschäftigen. Bäurer wollte sich noch nicht zu möglichen .NET-Aktivitäten äußern. Das leuchtet ein: Zurzeit evaluiert die Firma neben dem Applikations-Server von Microsoft die "Websphere"-Plattform von IBM. Big Blue zählt zu den Verfechtern des mit .NET konkurrierenden J2EE-Lagers, dem auch Sun und Oracle beigetreten sind.

.NET-KomponentenFür .NET geschriebene Programme benötigen das ".NET Framework", das zurzeit unter Windows NT 4.0, Windows 2000 sowie Windows XP Professional läuft. Zudem hat Microsoft ein "Compact Framework" für persönliche digitale Assistenten (PDAs) mit Windows CE .NET auf den Markt gebracht. Darüber hinaus vertreibt der Hersteller mit "Visual Studio .NET" eine Entwicklungsumgebung für .NET-Software.

Neben einem neuen Programmiermodell für die Windows-Plattform enthält .NET alle Ingredienzen, die Web-Services standardisieren, als da wären Simple Object Access Protocol (Soap), Universal Description, Discovery and Integration (UDDI) und Web Services Description Language (WSDL). Somit ist jede verteilte .NET-Anwendung automatisch ein Web-Service. Dadurch können .NET-basierende Dienste auch mit solchen kommunizieren, die beispielsweise auf einem J2EE-konformen Applikations-Server von Bea oder IBM laufen, die diese Standards ebenfalls unterstützen. Solange beide Lager sich an die Spezifikationen halten, dürfte einer Koexistenz von .NET und J2EE nichts im Wege stehen. Doch die Versuchung, sein eigenes Süppchen zu kochen, ist groß.