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28.02.2003 - 

Die Zukunft von ERP/Avantgardistische Vorzeigeprojekte haben wenig gebracht

ERP: Jetzt auf Mainstream-Prozesse konzentrieren

Mit vielen ehrgeizigen Vorzeigeprojekten der Boomjahre wurden nicht die erwarteten Wettbewerbsvorteile erzielt. Mittlerweile konzentrieren sich die Unternehmen wieder auf die Mainstream-Prozesse des Enterprise Resource Planning (ERP). Verlangt werden nachhaltige Beiträge zur Wertschöpfung. Von Kurt Unterhuber*

Glaubt man aktuellen Studien, so sind die Wachstumsaussichten für Anbieter betriebswirtschaftlicher Standardsoftware insbesondere im Bereich der Großunternehmen eher trübe. Als Gründe gelten neben der Marktsättigung das fehlende Investitionsklima sowie enttäuschte Erwartungen.

In diesem Umfeld können Impulse allenfalls aus bevorstehenden Upgrades oder Release-Wechseln kommen. Fakt ist aber auch, dass Unternehmen nicht einfach ihren Betrieb einstellen. Im Gegenteil: Gerade angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen erhöhen sie die Anforderungen an ihre "Betriebssysteme".

Fehler und Schwachstellen

Viele Fehler und Schwachstellen, die in Zeiten des IT-Booms nur notdürftig geflickt wurden, treten jetzt offen zutage. So haben zahlreiche Unternehmen ihre ERP-Systeme modular eingeführt, statt der Implementierung eine unternehmensweite Prozessbetrachtung voranzustellen. Resultat sind inkompatible Prozesse und Systeme zwischen verschiedenen Abteilungen, Ebenen, Ländern oder Produktbereichen. Diesen Wildwuchs haben Akquisitionen und Spinoffs teilweise noch vergrößert. In einigen Unternehmen wiederum sind teilweise noch veraltete ERP-Versionen im Einsatz.

Manch einer ist angesichts seines ERP-Scherbenhaufens versucht, den Kopf in den Sand zu stecken. Doch kann sich die aktuelle wirtschaftliche Abkühlung durchaus auch als Chance erweisen: Weil die Unternehmen nicht mehr gezwungen sind, mit einer Vielzahl von IT-Initiativen bei Kunden, Kapitalanlegern und Partnern auf sich aufmerksam zu machen, konzentrieren sie sich jetzt auf ihre Hausaufgaben. Unterhalb der medialen Wahrnehmungsschwelle rüsten sie sich mit gezielten Investitionen für den Wettbewerb.

Pflichtbereiche im Mittelpunkt

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren stehen dabei weniger die Kürprojekte wie Customer Relationship Management (CRM) oder elektronische Marktplätze im Mittelpunkt, sondern die Pflichtbereiche. Gerade in den Kernprozessen wie Finanz- und Rechnungswesen, Controlling, Einkauf/Verkauf, Manufacturing/Logistics und Personalwirtschaft liegen noch ungenutzte Potenziale für die Kostensenkung und Ertragssteigerung.

Angesichts dieser Ausgangssituation ergeben sich einige Trends für die Zukunft des ERP.

Konsolidierung und Harmonisierung: Nicht nur global agierende Konzerne, sondern auch international tätige Mittelständler stellen an ihre IT umfangreiche Anforderungen. Allerdings lassen sich ein länderübergreifendes Supply-Chain-Management, die nahtlose CRM Integration und eine echte Collaboration mit Zulieferern und Abnehmern nur dann profitabel realisieren, wenn eine geeignete Backend-Systemlandschaft vorhanden ist. Auf Seiten der Entscheider wächst das Bewusstsein, dass die bestehenden Systeme dazu nicht ausreichen. In Zukunft werden sich deshalb viele Unternehmen darauf konzentrieren, ihre ERP-Anwendungen zu konsolidieren und zu harmonisieren. Das bedeutet aber auch, dass der größte Teil der IT-Budgets damit quasi in Aufräumarbeiten gesteckt werden wird. Bei dieser Konsolidierung haben die IT-Verantwortlichen eine gute Chance, den bisherigen Betrachtungswinkel zu ändern. Es gilt, IT nicht mehr länger als reine Kostenstelle zu betrachten, sondern den Beitrag zur Wertschöpfung herauszustellen.

Zurück zu den Ursprüngen: In der Vergangenheit haben sich einige Unternehmen mit State-of-the-Art-Anwendungen gebrüstet. In der Regel waren diese aber nur wenigen Anwendern tatsächlich zugänglich. Der kritische Blick der Controller richtet sich nun auf die Betriebskosten dieser Applikationen und ihren tatsächlichen Beitrag zur Wertschöpfung. Dabei zeichnet sich ab, dass gut aufeinander abgestimmte Mainstream-Prozesse für viele Unternehmen wertvoller sind als einige wenige isolierte Spezialanwendungen.

Integriertes Supply-Chain-Management (SCM): Vor allem in der Fertigungs- und Logistikbranche ist ein Schub für integrierte SCM-Systeme zu erwarten. In diesen Bereichen sind auch jetzt noch signifikante Kostenreduzierungen und Verbesserungen der Leistungsfähigkeit möglich. Unternehmen, die in der Vergangenheit erste Erfahrungen mit CRM, E-Procurement oder SRM-Initiativen gemacht haben, werden diesen Bereich weiter beobachten. Vorgabe ist, mit gezielten Investitionen in eine gute Ausgangsposition für die erwartete wirtschaftliche Belebung zu kommen.

Alleingänge vermeiden

Business Case Revival: Fehlin-vestitionen in Millionenhöhe, die erst nach zwei Jahren aufgedeckt werden, soll es in Zukunft nicht mehr geben. Die Zukunft wird von Initiativen geprägt sein, bei denen der erwartete Return on Investment mit einem Business Case bereits vorher definiert wurde. Innerhalb dieser Business Cases kommt es darauf an, die Interessen aller beteiligten Abteilungen zu harmonisieren. Projekte werden mit messbaren Zielen aufgesetzt und zeitlich aufeinander abgestimmt werden. Alleingänge, denen im Verlauf der Implementierung jegliche Unterstützung versagt wird, lassen sich dadurch ebenso vermeiden wie enttäuschte Erwartungen auf Seiten des Managements.

Wachsender Druck auf die Berater: Die Zeiten, in denen Bera-ter zwar den Business Case, den Projektplan und die Umsetzung entwickelt haben, aber nach dem Go-live keine Verantwortung mehr für ein ERP-Projekt übernahmen, sind vorbei. Unternehmen werden verstärkt nach Geschäftspartnern Ausschau halten, die sie auch nach dem Anwendungsstart dabei unterstützen, die versprochenen Verbesserungen zu erreichen. Dieses Vorgehen beeinflusst auch die Vergütungsmodelle der Beratungsunternehmen, hin zu einer stärker erfolgsorientierten Bezahlung.

Kontinuierliche Updates

Bewussteres Outsourcing: Für das Outsourcing der IT inklusive des ERP gab und gibt es eine Vielzahl von Gründen. Unternehmen, die mit der IT-Auslagerung nur nach einem externen Anbieter suchen, um ihre ineffektiven Prozesse und Systeme aufräumen zu lassen, werden in der Minderheit sein. Dieser Bewusstseinswandel führt insbesondere im Bereich der Service-Level-Agreements (SLAs) zu Veränderungen. SLAs werden in Zukunft nicht mehr Innovationsbremse der betrieblichen Informationssysteme sein, sondern deren Förderer. Viele der heutzutage bestehenden SLAs bilden nur einen Status quo ab. In Zukunft werden kontinuierliche Updates und Weiterentwicklungen in den SLAs vereinbart werden. Dadurch eröffnen sich Chancen für Unternehmen, die in diesem Bereich überzeugende innovative Angebote machen können.

Hersteller: Die geringe Investitionsbereitschaft hängt sicher auch mit einer gewissen Unsicherheit zusammen. Noch ist nicht klar, ob und welche Technologien sich durchsetzen werden. Wenn man den Marketing-Aussagen glaubt, steht zwar eine Konsolidierung bevor, die Realität wird aber auf absehbare Zeit von Heterogenität geprägt bleiben. Dies gilt insbesondere für Lösungen in mittelständischen Unternehmen. Trotz der Bemühungen, ihr Angebot zu erweitern, tun sich die Großen der Branche schwer mit den in diesem Bereich geforderten individuellen Anpassungen. Anders Großunternehmen, die über eine feste Kundenbasis verfügen. Dennoch dürfte das Geschäft eher schleppend verlaufen, zumal die wesentliche Aufgabe zunächst die Harmonisierung der Systeme ist. Hier können insbesondere die Anbieter von dazu geeigneter Middleware auf eine Belebung hoffen.

Diese Trends bedeuten für Unternehmen und Berater vor allem, dass die Zukunft des ERP seine Vergangenheit ist. Es gilt nun, die vorhandenen Erfahrungen zu nutzen und zu erkennen, dass die Basis und damit integraler Bestandteil des E-Business die Mainstream-Prozesse innerhalb des ERP-Systems sind. Wenn dann noch die bisherige Fixierung auf die IT als Kostenstelle überwunden werden kann, steht der Orientierung zurück in Zukunft nicht mehr allzu viel entgegen. (bi)

*Kurt Unterhuber ist Partner bei Deloitte Consulting in München und verantwortlich für die deutschen ERP- und SAP-Berater des Unternehmens.

Angeklickt

- Manch einer ist versucht, den Kopf in den Sand zu stecken.

- Unterhalb der medialen Wahrnehmungsschwelle rüstet man sich mit gezielten Investitionen für den Wettbewerb.

- Der kritische Blick der Controller richtet sich auf die Betriebskosten der Applikationen und ihren tatsächlichen Beitrag zur Wertschöpfung.

- Es zeichnet sich ab, dass gut aufeinander abgestimmte Mainstream-Prozesse wertvoller sind als einige wenige isolierte Spezialanwendungen.

- Dieser Trend bedeutet für Unternehmen und Berater vor allem, dass die Zukunft des ERP seine Vergangenheit ist.

- Die Zeiten, in denen Berater zwar den Business Case, den Projektplan und die Umsetzung entwickelt haben, aber nach dem Go-live keine Verantwortung mehr übernahmen, sind vorbei.