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27.04.2009

ERP-Trends im Zeichen der Krise

Michael Gottwald
Anwender investieren zurzeit nur in IT, um Prozesskosten zu senken und um zusätzliche ERP-Module zu integrieren.

Das Landauer Softwarehaus Demand Software Solutions GmbH und die Hamburger Unternehmensberatung Softselect GmbH haben im Rahmen des "ERP Trend Reports 2009" 120 mittelständische deutsche Unternehmen vor allem aus Industrie und Handel befragt. Drei Viertel der Unternehmen haben mehr als 100 Mitarbeiter, 83 Prozent betreiben dezentrale Standorte. Die Erhebung konzentrierte sich auf den aktuellen ERP-Status, geplante IT-Investitionsvorhaben und die Anforderungen an das nächste ERP-System. Die Analyse der Antworten hat folgende Ergebnisse gebracht:

1. Es gibt Bedarf an modernen Lösungen

Der Bedarf an technisch modernen Komplettlösungen wächst. Nicht etwa, weil die Betriebe neben einem umfangreichen Leistungsspektrum, das auch Reserven für zukünftiges Wachstum bietet, die neuesten Techniken oder Architekturen per se nachfragen beziehungsweise adaptieren. Vielmehr soll die nächste Lösung möglichst plattformunabhängig und skalierbar sein, Web-Services unterstützen, hoch integrationsfähig, flexibel und leicht an sich ändernde Prozesse anpassbar sein und dabei die Folgekosten verringern. Hauptwunsch ist und bleibt die Senkung der Kosten - insbesondere auf Prozessebene. Instrumente, die diesem Zweck dienen, stehen daher bei künftigen ERP-Auswahlprojekten auch mit jeweils über 90 Prozent ganz oben auf der Agenda. So hat das Modellieren, Automatisieren und Optimieren von Unternehmensprozessen großes Gewicht.

2. Neue ERP-Software senkt Prozesskosten

Die Hälfte der befragten Unternehmen hat ihr heutiges ERP vor dem Jahr 2000 angeschafft, 17 Prozent sogar schon vor mindestens 15 Jahren. Ein Fünftel nutzt sein jetziges ERP erst seit höchstens vier Jahren. Über 80 Prozent der Teilnehmer haben ihr ERP-System schon einmal oder mehrmals gewechselt. Gründe waren vor allem funktionale Mängel im Hinblick auf die eigenen Anforderungen, fehlende Flexibilität sowie unzureichende Weiterentwicklung durch den Hersteller. Bei mehr als der Hälfte der Betriebe sorgte eine neue ERP-Software dafür, dass die Kosten in einzelnen Bereichen um über zehn Prozent sanken.

Im Allgemeinen sind deutsche Mittelständler mit ihrer eigenen ERP-Software zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Nur ein Viertel der Befragten äußerte Kritik und strebt Nachbesserungen an. Die Dienstleistungskompetenz des ERP-Anbieters wird sogar von 80 Prozent als gut oder sehr gut bewertet.

3. Investitionsbereitschaft ist derzeit dürftig

Angesichts dessen verwundert es nicht, dass in Zeiten der Wirtschaftskrise ein ERP-Systemwechsel eher selten angestrebt wird. Die Initialkosten und den interne Aufwand halten 74 Prozent der befragten Entscheider im Verhältnis zu den zu erwartenden Verbesserungen für zu hoch. Hinzu kommt, dass über die Jahre meist viel in die eigene ERP-Software investiert wurde. Daher ist gerade jetzt die Bereitschaft vieler Anwenderfirmen, eine neue Lösung anzuschaffen, oft geringer, als sie eigentlich wegen der oftmals zu hohen laufenden IT-Kosten sein müsste. Knapp 80 Prozent der Umfrageteilnehmer streben stattdessen den funktionalen Ausbau der vorhandenen ERP-Lösung in mehreren Bereichen an (siehe Grafik "Gefragte ERP-Module").

4. Geringes Interesse an ERP II

Die Beschäftigung mit ERP II beziehungsweise Web-basierendem ERP ist trotz der hohen Anforderungen an die Basistechnik und -architektur künftiger ERP-Lösungen noch verhalten. Erst ein Viertel der Unternehmen hat sich schon intensiv damit auseinandergesetzt. Die Vorbehalte der Mehrheit reichen von zu geringem internem Know-how und mangelndem Vertrauen in schnelle Rentabilität über fehlenden Bedarf an dezentralem Zugriff auf ein ERP-System bis hin zu einem zu hohen organisatorischen Aufwand und geringem Interesse der Unternehmensführung. Letzteres könnte zum Teil an Informationslücken liegen, da die betriebswirtschaftlichen Vorteile des ERP-II-Ansatzes gegenüber proprietären Konzepten eigentlich überwiegen.

5. SaaS interessiert nur wenige

Ähnlich verhält es sich mit Application-Service-Providing (ASP) und Software as a Service (SaaS). Nur ein Viertel der Betriebe hält Mietmodelle im Zusammenhang mit der künftigen ERP-Lösung für wichtig oder sehr wichtig. Noch herrscht große Unsicherheit bezüglich der Weiterleitung sensibler Firmendaten an den Provider, der Sicherheitsstandards beim Dienstleister sowie der Abhängigkeit von einer Internet-Verbindung oder einem spezifischen Anbieter.

6. Prozessoptimierung ist wichtig

Viel Wert legen Anwenderunternehmen dagegen auf die Optimierung der Prozesslandschaft, bevor eine neue Unternehmenssoftware eingeführt wird. Aber auch während des ERP-Betriebs sollen Prozesse reorganisiert und die IT daran ausgerichtet werden können. Werkzeuge, die etwa Prozesse visualisieren, analysieren und designen sowie die Performance messen und Projekte zur Prozessoptimierung überwachen, sollten vom ERP-Dienstleister der Wahl bereitgestellt werden.

7. Web-Clients kommen punktuell zum Einsatz

16 Prozent der Unternehmen nutzen bereits Web-gestützte ERP-Systeme. Der Großteil der in den Unternehmen eingesetzten Lösungen basiert hingegen auf Client-Server-Architekturen. Dort werden vereinzelt Web-Clients genutzt, um von anderen Standorten aus auf die Applikationen und Daten zuzugreifen. Am häufigsten setzen Anwender Web-Clients für die Bereiche Customer-Relationship-Management (etwa Vertrieb, Presales, Marketing und Support), Personalzeiterfassung, Controlling, Auftragsbearbeitung, Service-Management und Einkauf (E-Procurement) ein. Die Unternehmen sehen für die Zukunft jedoch noch weitere Nachfrage nach Web-Clients vor allem für CRM, Controlling und Projekt-Management.

8. Technik gewinnt an Bedeutung

Statt eines Komplettaustauschs ihrer ERP-Systeme bevorzugen Anwender die Integration weiterer Module.
Statt eines Komplettaustauschs ihrer ERP-Systeme bevorzugen Anwender die Integration weiterer Module.

In den vergangenen fünf Jahren sind IT-spezifische Themen bei der Softwareauswahl weiter in den Fokus gerückt. Das liegt nicht zuletzt an den Bemühungen der Hersteller, mit neuen Techniken und Architekturen kostengünstigere Integrationen zu ermöglichen und dabei gleichzeitig die Flexibilität zu erhöhen. In der Praxis setzen sich Anwender aber nur zögerlich mit modernen Basisarchitekturen auseinander, oft erst im Zusammenhang mit konkreten Aufgaben wie zum Beispiel der Anbindung weiterer Systeme. Doch kann man aufgrund der Befragungsergebnisse und der steigenden Anforderungen an ERP-Anwendungen davon ausgehen, dass technische Eigenschaften bei künftigen Entscheidungen zunehmend eine Rolle spielen werden. Dies belegen auch die Erfahrungen aus den derzeitigen Beratungsprojekten von Softselect. Gerade weil gegenwärtig verstärkt Zusatzmodule angebunden und weniger komplette Systeme ausgetauscht werden, spielt die Integrationsfähigkeit und Offenheit der Systeme eine zentrale Rolle. (jha)

Ergebnisse des ERP Trend Reports 2009

Der deutsche Mittelstand – insbesondere der Maschinen- und Anlagenbau und deren Abnehmer aus der Automobil-, Kunststoff- und Metallindustrie – ist zunehmend von der internationalen Wirtschaftskrise betroffen. Sparprogramme sollen das Überleben sichern. IT-Investitionsprojekte werden deshalb oft verschoben oder ganz gestoppt. Dabei wissen viele Unternehmen, dass kurzfristige Kostensenkungen allein das Überleben in der Krise nicht sichern können. Nur wer es zusätzlich schafft, ineffiziente Prozesse zu verbessern, wird sich behaupten.

Die von Softselect in den letzten sechs Monaten begleiteten Softwareauswahlprojekte sowie der aktuelle, von Softselect und Demand Software Solutions herausgegebene "ERP Trend Report 2009" zeigen, dass ein wichtiges Ziel der IT-Entscheider die Senkung der Prozess- und IT-Kosten bei einer gleichzeitigen Verbesserung der Prozesse ist. Das bedeutet, dass Investitionen in IT nicht immer generell gestrichen, aber oft auf ihre Notwendigkeit überprüft werden. Oft geht es nicht um den Austausch einer kompletten ERP-Lösung, sondern um die durchgängige Integration wichtiger Zusatzmodule wie Computer Aided Design (CAD), Dokumenten-Management-Systeme (DMS), Manufacturing Execution Systems (MES) oder auch Business Intelligence (BI).