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20.06.2003 - 

Marktpräsenz von Oracle, Peoplesoft und J.D. Edwards

ERP-Vollsortimenter mit Stärken und Schwächen

MÜNCHEN (fn) - Peoplesoft, Oracle und J.D. Edwards werden zwar dem ERP-Lager zugerechnet, doch in puncto Produktportfolio und Positionierung weisen die drei Firmen nur wenige Gemeinsamkeiten auf. Während Oracle und J.D. Edwards vor allem fertigungsnahe Unternehmen im gehobenen Mittelstand beliefern, kommt Peoplesoft mit HR- und CRM-Lösungen bei großen Firmen zum Zuge.

Ähnlich wie SAP verfügt Oracle über Software für die Finanzbuchhaltung, Produktionsplanung und Controlling sowie über Module für Customer-Relationship- (CRM) und Supply-Chain-Management (SCM), doch im Gegensatz zu den Walldorfern konnte sich der Hersteller im Heimatmarkt USA vor allem im gehobenen Mittelstand einnisten. Im Geschäft mit Großkonzernen tut sich die Firma schwer gegen SAP, wenngleich der Datenbankspezialist zumindest in den USA auch bei zahlreichen Big-Shops vertreten ist. Hierzulande wird Oracle hingegen in erster Linie als Datenbank-, Portal- und Applikations-Server-Anbieter wahrgenommen, die ERP- Angebote spielen keine herausragende Rolle. Zu den in Deutschland gefragten Oracle-Applikationen zählt die CRM- sowie die E-Procurement-Software.

Während Oracle in Europa etwa 3500 ERP-Kunden hat, sind es in Deutschland nur etwa 150. Insbesondere Fertigungsbetriebe, die sich Produktionssteuerungs- und Logistikfunktionen wünschen, nutzen die "E-Business-Suite". Insofern steht Oracle mit der ebenfalls im gehobenen Mittelstand angesiedelten Firma J.D. Edwards eher im direkteren Wettbewerb als mit Peoplesoft. Trotzdem möchte die Ellison-Company offenbar nur Peoplesoft übernehmen und nicht auch dessen Wunschkandidaten J.D. Edwards: Weder die Produkte noch die Kundenbasis seien kaufenswert, argumentiert Oracle. Peoplesoft dagegen könnte Experten zufolge sowohl Oracles Softwareportfolio ergänzen als auch die Kundenbasis im Highend-Segment verbreitern. Vor allem in den Bereichen HR, CRM und Supplier-Relationship-Management (SRM) hat der Konkurrent technisch mehr zu bieten als Oracle. Zwar kann auch Peoplesoft Module für Fertigungsbetriebe vorweisen, doch sind diese, ebenso wie die SCM-Funktionen, nicht so ausgefeilt wie die von Oracle. Gerade diese Defizite will Peoplesoft mit dem geplanten Kauf von J.D. Edwards ausgleichen.

Kernmarkt sind die USA

Wie Oracle spielt auch Peoplesoft hierzulande nicht die Rolle wie im amerikanischen Kernmarkt. In Deutschland zählt die Firma etwas über 200 Firmenkunden, weltweit sind es 5100. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Lösungen für die Personalverwaltung ("Human Capital Management"). In der Bundesrepublik sind es vornehmlich große Firmen, die die HR- und CRM-Software des Anbieters einsetzen, oftmals gemeinsam mit einem ERP-System von SAP. Vor einigen Monaten hat der Anbieter eine SRM-Lösung hervorgebracht, die nach Ansicht von Experten wie Bruce Hudson, Program Director beim Beratungshaus Meta Group in München, vergleichbaren Werkzeugen von SAP und Oracle überlegen ist. Laut Hudson verfügt die Peoplesoft-Software generell über eine elegantere Architektur als jene von Oracle. So lassen sich die Produkte über eine reine Browser-Oberfläche bedienen, die weniger Netzwerkbandbreite beansprucht als die E-Business-Suite, erläutert der Meta-Group-Analyst. Über schlanke Clients verfügt Oracles Anwendungspaket nur in Teilbereichen, für transaktionsintensive Funktionen sieht der Hersteller Java-Clients vor.

Mit seiner ERP-Technik hatte Oracle in der Vergangenheit massive Probleme. Wenig Ruhm erntete der Datenbankspezialist mit der E-Business Suite 11: Sie erwies sich als fehlerhaft und instabil, so dass Anwender zunächst lieber mit dem veralteten Release 10.7 weiterarbeiten wollten. Mit "11i" lieferte der Hersteller schließlich ein ausgereifteres Produkt aus.

Oracle weist im Gegensatz zu den meisten anderen ERP-Anbietern einige Besonderheiten auf. So läuft die E-Business-Suite nur auf der hauseigene Datenbank, andere Hersteller unterstützen verschiedene Systeme. Auch Oracles massives Werben für Linux als Betriebssystemplattform für ERP-Systeme findet in der Branche wenig Nachahmer, was darin begründet liegt, dass Oracle-Boss Ellison alles daran setzt, dem Datenbankrivalen Microsoft zu schaden. Peoplesofts Linux-Bestrebungen muten da eher zaghaft an: Erst im Mai hatte der Anbieter eine Portierung seiner Software auf das Open-Source-Betriebssystem angekündigt. Hierbei kooperiert der Anbieter mit IBM. Die unter Linux lauffähige Softwareversion wird darüber hinaus an Big Blues Infrastrukturplattform "Websphere" sowie die DB2-Datenbank angepasst.

Sollte es zu einer Übernahme von Peoplesoft durch Oracle kommen, dürfte diese Konstellation bald der Vergangenheit angehören, denn Websphere steht ebenso wie die Datenbank DB2 in direktem Wettbewerb zu Oracle-Produkten. Damit nicht genug: Peoplesofts Architektur beinhaltet den Transaktionsmonitor "Tuxedo" von Bea Systems.

Die Firma zählt zu den Marktführern bei J2EE-Applikations-Servern und damit ebenfalls zu Oracles Wettwerbern. Ellisons Interesse, Bea weiterhin Umsätze über das OEM-Abkommen mit Peoplesoft erzielen zu lassen, dürfte gering sein. Peoplesoft-Chef Craig Conway dagegen müsste sich nicht mit unerwünschter Infrastrukturtechnik abgeben, sollte der Deal mit J.D. Edwards zustande kommen: Vor einigen Wochen hat der Übernahmekandidat seine Lösung ebenfalls für die Websphere-Umgebung optimiert. Wie bei Peoplesoft steht IBM auch hier als Partner für die Linux-Portierung zur Seite.

IBM als gemeinsamer Partner

Die Nähe zu IBM hat bei J.D. Edwards Tradition: Der Vorgänger der "One World"-Software, dass "World"-System, läuft auf der I-Series (vormals AS/400). Mit One World bietet die Firma ein Client-Server-System an, das neben den Midrange-Rechnern der IBM auch Unix-Derivate und Windows unterstützt. Anwender loben One World unter anderem wegen dessen Offenheit sowie den Möglichkeiten zur Integration in Business-Software anderer Hersteller. In Deutschland nutzen etwa 400 Firmen Produkte von J.D. Edwards, die weltweite Kundenanzahl gibt der Anbieter mit 6500 an.