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06.03.1992 - 

Studie von Butler Cox: Hochkomplexe Tools sind kaum einsetzbar

Erschreckende Bilanz: Trotz CASE keine Software-Vorteile

MÜNCHEN (CW) - Anwender, deren hohe Erwartungen in das Computer Aided Software Engineering (CASE) bis heute nicht erfüllt wurden, können sich trösten: Sie gehören einer absoluten Mehrheit an. Die meisten CASE-Investitionen, so das Ergebnis einer Studie der Butler Cox GmbH, München, lassen sich keineswegs rechtfertigen.

Insgesamt 75 Organisationen und Unternehmen hat die CSC-Index-Tochtergesellschaft befragt. Dabei wurden als Bewertungsmaßstab Faktoren wie Kostenreduzierung durch CASE-Einsatz, größere Entwicklungsgeschwindigkeit, bessere Softwarequalität, geringerer Wartungsaufwand und bessere Anpassung an die konkreten Anwenderbedürfnisse berücksichtigt. Die Untersuchungsergebnisse, die in der Studie "Die Vorteile von CASE - Mythos und Realität" vorgestellt werden, belegen, daß die Anbieter ihr Klassenziel verfehlt haben.

Mehr als 80 Prozent der Befragten betonten, daß die Vorteile, die sie sich von ihrer Investition erhofft hatten, nicht eingetreten seien. Die Analyse von 800 Entwicklungsprojekten bestätigt diese Erfahrungen: Bestimmte Werkzeuge, so zeigte sich, haben sich sogar negativ auf die Produktivität und technische Qualität ausgewirkt.

Sich bei der Software-Entwicklung an den Aktivitäten der Wettbewerber zu orientieren, war nach Einschätzung des deutschen Butler-Cox-Geschäftsführers Klaus Heinrich in der Vergangenheit nicht unbedingt sinnvoll. Oft seien neueste Spitzentechnologien eingesetzt worden, obwohl ein vielen Fällen preiswertere und einfachere Lösungen zu besseren Ergebnissen geführt hätten. Während die Verantwortlichen weniger komplizierte Werkzeuge methodisch und technisch leichter und damit sorgfältiger einfuhren konnten, wurden bei den hochtechnisierten Tools nicht selten wichtige Schritte übersehen.

Anbieter anspruchsvoller integrierter CASE-Umgebungen, so scheint es, haben ihren Markt am Anwender vorbei geschaffen: Rund 95 Prozent aller Unternehmen sind nach den Aus. Ehrungen Heinrichs nicht in der Lage, das "hochkomplexe Potential" der CASE-Tools auszunutzen. Millionenbeträge würden dafür ausgegeben, eine Technologie zur Prozeßautomatisierung zu nutzen, die weder stabil noch in sich ausgereift sei. In den wenigsten Unternehmen könne der Software-Entwicklungsprozeß tatsächlich zu einem automatisierten, "engineerten" Prozeß gestaltet werden.

Butler Cox warnt selbst solche Unternehmen vor dem bedingungslosen CASE-Einsatz, die felsenfest davon überzeugt sind,

die Einführung problemlos in den Griff zu bekommen. Die Investitionskosten reichten in eine Größenordnung von vier bis fünf Millionen Mark hinein, doch ein erster Nutzen aus der Investition sei - wenn überhaupt - in der Regel erst nach drei Jahren zu ziehen. Bei diesem Investitionsvolumen verlangten die meisten Unternehmen aber einen kürzeren Return on Investment.