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27.09.1996 - 

System-Management/Flexible Infrastruktur fördert Innovation

Erst das System-Management, dann die Client-Server-Welt

Harter Wettbewerb und Kostendruck, diese Zeiterscheinungen lassen auch die Versicherungsbranche nicht ungeschoren. Einführung der Pflegeversicherung, Öffnung des Versicherungsmarkts innerhalb der Europäischen Union, neue gesetzliche Regelungen oder Auswirkungen der Gesundheitsreform - alle diese Ereignisse führen zu unmittelbaren Veränderungen in den Geschäftsprozessen der Versicherungsgruppen. Analog dazu steigen auch die Anforderungen an Organisation und Informationstechnik, denn hier heißt es, adäquat zu reagieren.

Versicherungen gehörten aufgrund ihrer Geschäfts- und Kundenstruktur mit zu den ersten großen DV-Anwendern. Anfangs wurden die Massendaten auf Großrechnersystemen verarbeitet, die jedoch in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt offenen, also flexibleren und leistungsfähigeren Strukturen weichen mußten.

Zeitzeuge dieser Evolution ist die Barmenia Versicherungsgruppe, Wuppertal, denn schon im Jahr 1904 wurde das Unternehmen als Leipziger Verein gegründet. Heute zählt sie über eine Million Kunden - in der Barmenia Krankenversicherung a.G., der Barmenia Lebensversicherung a.G. und der Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG. Die Beratung und Betreuung erledigen ein Vertriebsnetz von rund 2500 geschulten Innen- und Außendienstmitarbeitern, 43 Bezirks- und sieben Maklerdirektionen sowie der Finanzservice. Das Versicherungsangebot der Barmenia ist vielfältig und umfaßt neben den traditionellen Formen der Lebens-, Kranken-, Unfall-, Haftpflicht-, Kraftfahrt- und Sachversicherung auch spezielle Neuentwicklungen für Familien und Privathaushalte.

Das Rechenzentrum der Barmenia-Gruppe mit Produktions- und Backup-Bereich arbeitet heute mit zwei Bull-Großrechnern DPS 9000, auf die Hunderte von Terminals und PCs zugreifen. In den Bezirksdirektionen ist eine Außendienstsoftware auf Basis von SNI-8860-Computern im Einsatz, die Außenstellen haben Zugriff auf die Datenbestände der Bull-Großrechner in der Wuppertaler Zentrale. Die Weitverkehrsverbindungen sind derzeit über das Datex-P-Netz der Deutschen Telekom realisiert.

Mit dieser Konstellation ist die Barmenia ein typischer DV-Anwender - und natürlich ein Kandidat für den Wechsel zu moderneren Infrastrukturen. "Wir sind nicht unzufrieden", umschreibt Achim Flanhardt, Leiter der Hauptabteilung Datenverarbeitung, die Situation. "Die Hardware läuft bestens, die Software ist stabil. Aber wir müssen unsere Umgebung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in eine flexiblere Infrastruktur überführen, um Innovationsstaus zu vermeiden." Diese Strategie ist auch auf den zukünftigen Einsatz von Standardsoftware ausgerichtet.

Während die installierte Großrechner-Welt mit "dummen" Terminals als Endgeräte zentral vom Rechenzentrum relativ gut handzuhaben sind, wirft der Schritt zu mehr verteilten Anwendungen im wachsenden Client-Server-Umfeld weitere Aufgaben auf. Neue Server und PCs sind zu installieren und mit aktueller Software auszustatten. Diese Software ist permanent zu pflegen und auf dem neuesten Stand zu halten. Die PCs sind in lokalen Netzen zusammengefaßt, was ein kontinuierliches Beschaffen, Installieren und Überwachen der neuen Verkabelungssysteme und aktiven Netzkomponenten bedingt. Die gesamte IT-Struktur ist immer wieder erneut zu überdenken und befindet sich in einem ständigen Wandel.

Das Management eines solchen komplexen Informationssystems wäre ohne spezielle Werkzeuge nur mit erhöhtem Personalaufwand zu bewältigen. Für die Versicherungsgruppe ist es überlebenswichtig, daß die gesamte DV-Welt überwacht und gepflegt wird, um den Betrieb ohne Unterbrechungen produktiv zu halten.

"Wir haben beschlossen, zunächst das System-Management sicherzustellen, bevor wir überhaupt mit der Implementierung der Client-Server-Welt beginnen", kommentiert Achim Flanhardt das Vorgehen. Mit seinen Kollegen sichtete er die am Markt verfügbaren und bewährten Produkte für das heterogene Umfeld, darunter Produkte wie HP Openview, später auch Microsoft SMS und neue, objektorientierte Konzepte wie Integrated System Management von Bull. "Wir haben uns dieses Produkt sehr genau angesehen. Das Ergebnis war, daß Integrated System Management in der offenen Client-Server-Welt die geforderte Unterstützung bietet und unsere Großrechner-Welt in diese Lösung integrierbar ist." Letzteres ist für die klassischen Versicherungsanwendungen unentbehrlich und ist daher beizubehalten.

Die Rahmenbedingungen für die Client-Server-Umgebung sind beschlossene Sache: Standard-Betriebssysteme und Standardsoftware kommen in einer offenen Systemwelt zum Zuge. Barmenia schafft sich damit viele Möglichkeiten für die Auswahl der Hardware- und Softwareplattformen und bleibt auf diese Weise offen für zukünftige Entscheidungen.

Zentrales Auswahlkriterium eines Werkzeugs für das System- und Netz-Management war die Installation einer plattformübergreifenden Software, die das gesamte heterogene Umfeld von der PC-Software am Arbeitsplatz über das physikalische Netz bis hin zum Großrechner und Unix-PC-Server unter einer einheitlichen Oberfläche verwaltet. Ebenso sollten die Management-Disziplinen durchgängig abgedeckt sein. "Wir wollten auf keinen Fall mehrere Tools, sondern ein Werkzeug, das flexibel den Anforderungen entspricht." Zu berücksichtigen war auch, daß in den 50 regionalen Direktionen der Versicherungsgruppe keine DV-Fachleute beschäftigt sind. Die Systeme haben dort weitgehend ohne Operator zu laufen und müssen sich von zentraler Stelle aus verwalten lassen. "Eine Turnschuh-Lösung, bei der Mitarbeiter dauernd für Softwarepflege und Benutzerunterstützung unterwegs sein müssen, kam nicht in Frage", unterstreicht Achim Flanhardt.

Offen und kooperationsbereit

Bereits 1993 erfolgte die erste Installation von Integrated System Management (ISM) im Bereich der Konsolautomation, zunächst beschränkt auf die Großrechnersysteme. 1994 wurden weitere ISM-Module dann auch im Client-Server-Umfeld im Rahmen einer Testinstallation implementiert. Nach deren erfolgreichem Abschluß folgte der Transfer in die Produktion. Die Installation von Clients und Server-Systemen läuft zur Zeit auf Hochtouren. Die Voraussetzung dazu war, die Gebäude der Hauptverwaltung mit einem neuen physikalischen Netz auszustatten. ISM administriert das Netz um die darin installierten aktiven Netzkomponenten.

Eine große Herausforderung innerhalb des System-Managements liegt in der Pflege und Kontrolle der PCs der Barmenia Gruppe. Geplant sind bis zu 2000. Auch diese Domäne läßt sich mit den passenden ISM-Modulen bedienen. Sowohl die anspruchsvollen Aufgaben der Softwareverteilung als auch der PC-Inventarisierung sind berücksichtigt. Es soll außerdem möglich sein, per Fernadministration PCs und Server zentral von Wuppertal aus zu bedienen. Dazu kann sich der Benutzer-Helpdesk per PC Remote Operation für diverse Aufgaben auf die PCs aufschalten.

Mitwachsendes IT-Management

Die Außendienstmitarbeiter der Barmenia müssen ihren Versicherungskunden und -Interessenten eine professionelle Beratung liefern und in kürzester Zeit auf Fragen die richtigen Antworten parat haben. Um dieses Ziel zu erreichen, ohne die persönlichen Daten dem Risiko der Offenlegung und des Mißbrauchs auszusetzen, hat die Barmenia sich auch für den Einsatz von ISM Accessmaster entschieden. Der Transport der Daten geschieht nun verschlüsselt, so daß Unbefugte ihn nicht "abhören" können. Auch wenn die Daten auf dem PC oder Notebook beim Außendienstmitarbeiter vor Ort angekommen sind, kann nur der definierte Mitarbeiter über seinen zentral verwalteten Benutzernamen und das Paßwort darauf zugreifen (Local Security).

Im Innendienst sieht das Ziel der IT-Sicherheit so aus: Statt vieler unterschiedlicher Benutzernamen und Paßwörter, die ein Mitarbeiter normalerweise für den Zugriff auf die Anwendungen in den verschiedenen Systemen benötigt, soll jeder Mitarbeiter nur noch jeweils eines benutzen müssen (Single-Sign-on). Darüber soll sich außerdem steuern lassen, welche Anwendungen und Datenbereiche aus der gesamten Systemwelt dem Benutzer individuell freigeschaltet werden. Schlüssel für die Lösung ist vor allem die zentral administrierte Benutzerdatenbank, in der die Anwender und Benutzergruppen mit ihren Zugriffsberechtigungen und Privilegien definiert sind. "Accessmaster besitzt für uns eine sehr wichtige Funktionalität", erklärt Achim Flanhardt.

Aufgrund der zahlreichen, in der Umgebung der offenen Systeme anfallenden Daten befindet sich zur Zeit eine Konzeption für eine automatisierte Backup/Restore-Lösung in Arbeit.

Als Fazit konstatiert der Barmenia-DV-Leiters: "Das Ziel, unsere komplexe Systemumgebung auch bei der Ausweitung der Client-Server-Welt sinnvoll und wirtschaftlich von zentraler Stelle aus zu verwalten, läßt sich mit dem Integrated System Management von Bull erreichen. Bull ist mit der ISM-Architektur ein vernünftiges Miteinander im Hinblick auf die Administration der verschiedenen Aufgaben und Systemwelten gelungen..

Angeklickt

Versicherungen, so auch die Barmenia, sind typische DV-Anwender der ersten Stunde. Sie spiegeln exemplarisch die Entwicklungen der letzten Jahre hin zur Offenheit und Flexibilität im Hinblick auf künftige Technologien. Bis zu 2000 PCs im Endausbau soll das System-Management der Barmenia kontrollieren und pflegen können. Dazu gehören dann auch Inventarisierung und Softwareverteilung. Fernadministration der PCs und Server sollen ebenfalls möglich werden. Eine wichtige Funktionalität ist zusätzlich der "Accessmaster", der die Zugriffsberechtigungen regelt.

*Angelika Schrader ist freie Fachjournalistin in München.