Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

30.10.1992 - 

Bücher zu Microsofts Word for Windows im Vergleich

Erst die Handbücher erschließen den Nutzen von PC-Anwendungen

Software ist nur dann ein nützliches Instrument, wenn der Anwender mit ihr umgehen kann. Hier liegt die zentrale Rolle von Handbüchern. Matthias Hattemer* demonstriert am Beispiel von Microsofts Textverarbeitung Word for Windows, daß Hersteller und Verleger dieses Thema noch immer nicht ernst genug nehmen.

Die klassische Schnittstelle zwischen Anwender und Programm ist das Handbuch. Hier hat jedes Software-Unternehmen die einmalige Chance, äußerst wirksame Eigenwerbung und Verkaufsförderung für das eigene Produkt zu betreiben, indem es die Leistungsvielfalt des Programmes vorstellt und die Befehle vollständig und der Arbeitsweise des Anwenders angemessen dokumentiert.

Um so mehr wundern sich die Anwender, warum nur wenige Anbieter diese Möglichkeit nutzen. In den letzten fünf Jahren mauserte sich verstreute Computerliteratur zu einem professionellen Markt, dessen Produkte in den Buchläden inzwischen ganze Abteilungen füllen.

Die Suche nach dem optimalen Buch

Eines der meistgenutzten Textverarbeitungsprogramme ist M icrosofts Word für Windows, kurz: Winword. Microsoft hat in der Version 2.0 dieses Produkts einen Gutteil der Anwenderprobleme bei der Handhabung sinnvoll gelöst: Die ersten Schritte in das System sowie das behutsame Heranführen an das Programm übernimmt die mitgelieferte Lernsoftware.

Darüber hinaus fängt ein ausgeklügeltes Hilfesystem spontane Fragen der Benutzer ab. Auf Basis einer Datenbank können hier alle über ein Netz verbundenen Informationen abgerufen werden. Ein solches Verfahren, im Fachjargon "Hypertext" genannt, erleichtert es dem Anwender erheblich, sein konkretes Problem schnell zu lösen. Mit einer ausführlichen Referenz und einem auf Wunsch kostenfrei zu beziehenden MakroHandbuch hat das Software-Unternehmen zudem sehr wirksame Mittel gefunden, auch die Feinheiten des Programms aufzuzeigen und dem Anwender zugänglich zu machen.

Man sollte meinen, diese Lösung des Herstellers mache weitere Handbücher unnötig. Doch allein Winword ist im Buchhandel momentan mit gut zwei Dutzend Sachbüchern vertreten. Dem hilfesuchenden Anwender wird die Entscheidung nicht gerade leicht gemacht

Wir haben die unterschiedlichen Handbücher, die zu diesem Textverarbeitungsprogramm erschienen sind, einmal gründlich unter die Lupe genommen. Die aufgeführten Kriterien sollen den potentiellen

Käufer zugleich in die Lage versetzen, die Suche nach dem für ihn optimalen Buch zu erleichtern

Kein Hlandbuch kommt an dem vorbei, was Pädagogen und Didaktiker "Zielgruppenanalyse" nennen.

Jedes Konzept muß daher bestimmte Fragen eindeutig beantworten können:

- Für wen ist das Buch geschrieben?

- Wieviel Vorwissen kann vorausgesetzt werden?

--- Was erwartet der Leser vom Buch? Wie arbeitet er?

- Was interessiert ihn besonders?

Jedoch lassen sich solche Fragen in der Regel nicht generell beantworten. So richtet sich Winword an mehrere Zielgruppen. Dazu gehören so unterschiedliche Anwender wie

- Schreibkräfte, die stapelweise Akten und Korrespondenzen zu erledigen haben,

- Studenten und wissenschaftler, die in ihren Publikationen Formeln, Tabellen und Grafiken verarbeiten müssen und

- Journalisten, die in Presse und Zeitschriftenartikeln innerhalb einer Textverarbeitung DTPFunktionen nutzen, also ihre Texte am Computer druckreif setzen müssen.

Ein Handbuch soll zudem den Einsteiger in die Textverarbeitung genauso erreichen wie erfahrene Textverarbeiter in Büros, an Universitäten oder in Autorenbüros. Experten suchen im Handbuch nach kurzen Informationen, die ihnen die Neuerungen vor Augen führen und verärgert über jedes Beiwerk sind. Der Einsteiger dagegen ist glücklich, wenn er an die Hand genommen wird und Schritt für Schritt die Befehle und Möglichkeiten der Software kennenlernt.

Schließlich müßten auch verschiedene Lerntypen berücksichtigt werden. Manch einer lernt am schnellsten über ein gut ausgesuchtes Beispiel, der nächste bevorzugt die klare Auflistung von Befehlsketten.

Trotz dieser hohen Anforderungen und der Konkurrenz durch elektronische Hilfesysteme scheint der Markt für Handbücher zu explodieren. So legen die bekannten Computerverlage - Markt & Technik, Addison-Wesley, Data Becker und Tewi - Reihen auf, in der jede große Standardsoftware vertreten ist. Solche Reihen bieten erfahrungsgemäß kaum individuellen Entfaltungsspielraum für die Autoren.

Daneben suchen inzwischen auch Schulbuch-Verlage wie Vieweg das lukrative Geschäft im Computer-Buchmarkt. Gerade von diesen Anbietern könnte der Kunde ein feines didaktisches Gespür und ausgefeilte pädagogische Methoden erwarten. Doch die Enttäuschung ob der Einfallslosigkeit dieser Bücher ist groß.

Als erste Bilanz bleibt daher festzuhalten: Die großen Verlage verzichten in der Regel auf die Chance, wirkliche Alternativen zum Originalhandbuch zu bieten. Es liegt an der Qualität der Autoren, wenn dennoch in kürzester Zeit lesbare und verständliche Bücher entstehen.

Winword--Bücher im Vergleich

Wem die sechs Handbücher von Microsoft zu Winword nicht genügen und wer im Buchhandel nach weiterer Hilfe sucht, wird von der Masse der Publikationen zu diesem Thema nahezu erschlagen. Schmale Bändchen von 100 Seiten stehen neben dicken Schwarten mit über 1200 Seiten Umfang, mit Preisen zwischen 19,80 und 79,80 Mark. Der Euphorie über so viel Auswahl folgt schnell die Ernüchterung: Da, wo sich der Anwender von den Original-Handbüchern im Stich gelassen sieht - in seinen individuellen oder spartenbezogenen Anforderungen an Textverarbeitung - , da mangelt es an Angeboten.

Eine angenehme Ausnahme stellt das im Sybex-Verlag erschienene Winword-Buch von Michael Altenhövel dar. Der Autor hat ein halbes Jahr darauf verwendet, auf Beispieldateien knapp hundert Anwendungen aus der Praxis vorzubereiten. Darunter befinden sich aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen Layoutvorlagen, Grafiken, Tabellen und vor allem Makros.

Die Leser könnten von diesen Musterlösungen allerdings mehr profitieren, wenn der Autor auch die Bedeutung und nicht nur die Auswirkungen seiner Makros erklärte. Solche berufsbezogenen und anwenderorientierten Praxisbücher können ausgezeichnete Begleitbücher zum Originalhandbuch sein. Sie entlasten den Anwender von der mühseligen Arbeit, selbst Musterlösungen zu entwickeln, und beschreiben Software auch auf knappem Raum.

Für einen ersten Überblick haben wir das Angebot an Handbüchern in die Kategorien preisgünstige Einsteigerbücher, Literatur für besondere Anwenderprofile und umfassende Gesamtdarstellungen eingeteilt.

Neulinge legen in der Regel kaum Wert auf epische Breite, sondern suchen zunächst nur den Zugang zu der Software. Diese Literatur spricht daher vornehmlich solche Benutzer an, die auf ihre schnelle Auffassungsgabe und ihre DV-Erfahrung vertrauen. Einsteiger erwarten keine kniffligen Details, sondern ein hohes Maß an Übersichtlichkeit und möglichst viele Information auf knappem Raum. Neben der reinen Bedienungsanleitung sollte auch der Bezug zur Praxis nicht zu kurz kommen.

Bei der Bewertung der Einstiegsliteratur spielte vor allem eine Rolle, ob das Handbuch trotz Informationsdichte noch übersichtlich geblieben ist. Zudem wurde geprüft, ob es zu allen wichtigen Befehlen und Möglichkeiten der Software Beschreibungen enthält und inwiefern berücksichtigt wurde, daß auch der Einsteiger neben Befehlsbeschreibungen direkte Problemlösungen sucht (zur Bewertung der Produkte vergleiche Tabelle auf Seite 16).

Winword-Literatur für thematische Schwerpunkte

Zwischen Einführungsbüchern und Expertenliteratur ist ein Bereich angesiedelt, in dem die thematischen Schwerpunkte von einer ausführlich gehaltenen Hinführung in die Windows-Oberfläche und Windows-Anwendungen bis hin zu reinen Nachschlagewerken über Winword reichen. Meistens ist der Bereich der klassischen Textverarbeitung Gegenstand dieser Literatur.

Eine objektive Bewertung fällt hier jedoch besonders schwer, da die Bücher miteinander nicht immer vergleichbar sind. Als Entscheidungshilfe für einen Kauf mag das formulierte Thema und die angesprochene Zielgruppe des Winword-Buches eine wichtigere Rolle spielen als die Bewertung von einzelnen Merkmalen. Das vielleicht ausschlaggebende Kriterium kann die Rubrik "Empfehlung an" sein Gehört der potentielle Käufer zu einer der dort genannten Zielgruppen, hat er sein Buch bereits gefunden. Bei unserer Bewertung haben wir

uns vor allem.von folgenden Fragen leiten lassen:

- Wie handlich und leserfreundlich ist das Buch?

- Wird die Lektüre oder das Blättern in dem Buch durch eine ansprechende Form erleichtert?

- Ist ein gut funktionierendes Stichwortverzeichnis oder ein Glossar vorhanden, beziehungsweise enthält der

Anhang wichtige ünd nützliche Kurzinformationen?

- Wurde der Stoff in überschaubare Kapitel und Unterkapitel gegliedert, so daß der Leser nur das lesen muß, was er wissen will?

- Wurden gute Beispiele ausgewählt?

- Ist es den Autoren gelungen, so zu schreiben, daß auch das Fachbuch gerne gelesen wird?

- Wieviel Phantasie, Einfallsreichtum und nicht zuletzt auch Mut (zum Beispiel durch den Einsatz von Grafik) haben Verlag und Autor bewiesen, um neue Wege zu beschreiten?

- Konnten die Autoren eigene Erfahrungen mit dem Programm sinnvoll einbringen?

Bei der allgemeinen Bewertung der Expertenbücher haben wir im wesentlichen auf die bereits genannten Kriterien zurückgegriffen. Besonders kritisch prüften wir jedoch, ob das Buch in kleine und gut verdauliche Abschnitte gegliedert wurde und wie leicht es über die Verzeichnisse gelingt, Informationen schnell zu finden.

Leserfeundlichkeit und Layout spielen bei der Bewertung der Expertenliteratur keine große Rolle. Wer sich einen Wälzer von vielen hundert Seiten kauft, der ist sicher bereit, auf Lesezeichen im Buch zu verzichten und dicht bedruckte Seiten in Kauf zu nehmen. Dafür erwartet er, in das Programm, die Oberfläche und die 2ahlreichen Zusatzprogramme eingeführt zu werden. So rückt die Einführung in die Makrosprache immer mehr in den Mittelpunkt. Hier zeigte sich, daß die Bücher trotz vergleichbarem Preis und Umfang große Qualitätsunterschiede aufweisen (vergleiche Kasten 4).

Knockpunkt

Makro-Programmierung

Eine berufsspezifische Zielgruppe für diese Art der Literatur ließ sich nicht identifizieren; die Bücher wurden für alle geschrieben, die sich umfassend mit den Möglichkeiten von Winword auseinandersetzen wollen. Wer sich einen dieser Titel besorgt und bereit ist, dafür zwischen 70 und 80 Mark auszugeben, darf erwarten, auch in die Feinheiten des Programms eingeführt zu werden. Dazu gehört bei Winword eine detaillierte Einführung in die mächtige und entsprechend komplizierte Makro-Sprache sowie ein Kurs über den Umgang mit den Feldfunktionen.

Doch gerade bei der Makro-Programmierung, mit deren Hilfe immer wieder benötigte Befehlsketten gespeichert werden, zeigte sich, daß nur drei der fünf angeführten Bücher sich mit diesem Thema angemessen intensiv auseinandergesetzt haben: Den Autoren des Sybex-Verlages gelingt eine glänzende Einführung in die Programmlogik von Word-Basic, die das Verständnis der schwierigsten Kapitel von Winword ermöglicht. Die Sachkunde und die Erfahrung der Autoren wird besonders beim Lesen dieser Kapitel deutlich.

In der Data-Becker-Version wird die Makro-Programmierung mit Word-Basic als kleines such im Buch auf insgesamt 300 Seiten klar und einfach abgehandelt. Lobenswert ist am diesem Buch auch das Kapitel

"Word im täglichen Einsatz", in dem das Erstellen von Briefköpfen, Lebenslauf oder Fax-Formular knapp und verständlich erklärt wird, was letztlich die alltäglichen Probleme der Anwendung zu meistern hilft.

Die anderen Bücher beschränken sich im wesentlichen auf eine knappe Darstellung der Makro-Funktion und verzichten auf eine richtige Einführung in Word-Basic. Zu erwähnen bleibt, daß die Autoren des Vieweg Verlags zwar eine nützliche Einführung in Zusatzprogramme zu Winword bieten, jedoch in ihrer schulmeisterlichen und trockenen Darstellung nicht gerade zu brillieren vermögen. Auch dem Expertenhandbuch des Tewi Verlages fehlt es an praxisbezogener, problemorientierter Darstellung.

Das bei Markt & Technik erschienene Winword-Kompendium von Rudi Kost, das mittlerweile um eine klare und verständliche Einführung in die Makrofunktion erweitert wurde, besticht durch seine didaktische Leistung. Hier gelingt es, die Feinheiten des Programmes überaus anschaulich durch verschiedene Beispiele und Übungen darzustellen.

Der Autor hat vorgeführt, was auch an fast allen anderen Expertenbüchern positiv auffällt: Die Kapitel sind kurz und übersichtlich eingeteilt. Einführungen und Zusammenfassungen zu jedem Kapitel erleichtern das Verständnis, und Wiederholungen oder Redundanzen gibt es nur dort, wo sie inhaltlich angebracht sind. Die meisten Beispiele sind gut gewählt und veranschaulichen einzelne Inhalte. Eigene Erfahrungen, Tips und Tricks werden eingebracht, runden das Ganze ab und verhindern, daß sich der Leser in ein Problem verrennt.