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06.02.1976 - 

Computer besetzen immer "höhere" Jobs in den Büros

Erst geht die Sekretärin, dann der Chef

Den Kontoristen alten Stils hat es bereits erwischt, jetzt kommen die Sekretärinnen dran - und bald sind auch die höheren Positionen in den Büro-Hierarchien vom unaufhaltsam vordringenden Computer gefährdet. Welche Entwicklungen sind in den nächsten Jahren bei der Büro-Rationalisierung zu erwarten - und ist überhaupt schon eine Grenze erkennbar, ab der menschlicher Geist wirklich nicht mehr ersetzt werden kann durch flinkes Addieren? Heißt die vielleicht "Kreativität"?

Sekretärinnen nur zu 47 Prozent produktiv?

Die akute Bedrohung der charmanten Damen im Vorzimmer wird an wenigen Zahlen deutlich. Der New Yorker Office Management Systems Corp. zufolge, schreiben und korrigieren Sekretärinnen nur während 15% ihrer Arbeitszeit, und während 11% telefonieren sie. Aktenablegen und Verwaltungskram beanspruchen 21% des Tages - doch 53% der ganzen Zeit verbringen sie mit Warten, Kaffeekochen und anderen nicht direkt produktiven Tätigkeiten. Die Folge: ein typischer Geschäftsbrief kostet inzwischen 3,80 Dollar.

Lexitron etwa, eine kalifornische Fabrik automatischer Schreibmaschinen, meint dazu, für 150 000 Dollar könnte ein Betrieb sechs von sieben Sekretärinnen einsparen und dabei schon im ersten Jahr zwei Drittel der Investition zurückholen. Schon heute ist die Textverarbeitung in den USA ein 750-Millionen-Dollar-Markt und

dürften knapp 3 Milliarden für diesen Zweig der Bürorationalisierung ausgegeben werden.

Dabei umfaßt dieser Begriff jede Investition, mit der jenseits des reinen Daten-und-Zahlen-Verkehrs der ganze Textwust einer Organisation schneller und billiger behandelt werden kann. Das reicht vom Schreibautomaten bis zum computergesteuerten Schnelldrucker, vom Daten-Bildschirm bis zum hausinternen Faksimile-Übertragungssystem.

Kapital in die Büros!

Welch starken Kapitalsog die herkömmlichen Büros bei entsprechenden Rationalisierungsaussichten entwickeln dürften, zeigt ein Vergleich: In jedem Industrie-Arbeitsplatz der USA stecken gegenwärtig etwa 25 000 und in jedem agrarischen sogar 35 000 Dollar - doch pro Büroplatz sind lediglich 2000 Dollar investiert. Kein Wunder daß sich heute 40 Firmen um die Automatisierung dieses fast schon archaisch zu nennenden Bereichs drängeln. Zu ihnen gehören Marktriesen wie IBM und Winzlinge wie Lexitron.

So revolutionär dürften dateigestützte Computer-Textautomaten bald den Business-Alltag verändern, daß Xerox-Verkaufsdirektor John Labinski bereits von einem Angsttraum geplagt wird: Eines Tages, so klagte er dem Wirtschaftsblatt Forbes, werde wohl General Motors bei ihm anrufen und knapp um Abholung aller 400 angemieteten Xerox-Kopierer bitten. Ein Konkurrent dürfte dann GM mit einem nagelneuen Textverarbeitungs-Komplettsystem ausgestattet haben, das auf "fremde" Kopierer verzichten kann. Die Zukunft, so meinen denn auch mit Labinski viele Experten, gehört nämlich den Anbietern kompletter Problemlösungen.

Progressive Zwerge

Kein Wunder also, daß die Großen der Branche nun langsam ihr Produktionsprogramm um jeweils fehlende Teile ergänzen - oft, indem sie einfach einen spezialisierten Mini schlucken. So geht Xerox jetzt ins Faksimile-Geschäft, und IBM sowie Kodak legten sich je eine Kopierer-Abteilung zu. Wer von den kleinen selbständig überleben will, flüchtet sich derweil in Marktnischen.

Dabei können Mini-Unternehmen vorerst noch mit technologischen Gags einen gewissen Vorsprung herausholen, denn die Branchenriesen scheuen vor neuen Technologien, die bestehende Hardware veralten ließen, jetzt noch zurück. Schließlich kassiert allein IBM für seine altbewährten Textautomaten eine halbe Milliarde Dollar Miete im Jahr. Doch wie der Wind weht, zeigt die Tatsache, daß IBM seinen Unternehmensbereich, Textverarbeitung neuerdings eng an seine Kleincomputer-Division heranführt. Man kann sich ausrechnen, welche Produkte dieser Liaison - Geschäftsbereich Text und Basis-System - entspringen werden.

Blauer Brief vom Kollegen Computer

Man braucht auch sonst nicht allzuviel Phantasie, um sich die weitere Entwicklung in den Büros erst der großen und später der kleineren Betriebe vorzustellen: je mehr die eigentliche Datenverarbeitung dem Computer überlassen wird, desto sinnvoller wird es, ihn auch die zugehörigen Texte nach vorgegebenen Bausteinen zusammenfügen und ausdrucken zu lassen. Ist es erst so weit, dann werden nicht nur Schreibkräfte und Sekretärinnen - vom Computer natürlich - den blauen Brief erhalten.

*Egon Schmidt ist freier Wissenschaftsjournalist.