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22.08.1997 - 

Verlagerung der Client-Kontrollmechanismen

Erst mit Applets wird Workflow Web-tauglich

Derzeit sind die Beispiele von Anwendern, die ihren strukturierten Workflow und das über die reine Informationsdarstellung hinausgehende Dokumenten-Management auf Web-Basis abwickeln wollen, noch rar gesät. Von einem Pilotprojekt größeren Umfangs berichtete jüngst der britische Workflow-Spezialist Staffware im Zusammenhang mit den schwedischen Sparbanken Sverige AB und ihren 300 Niederlassungen sowie 11000 Mitarbeitern. Über das dort begonnene Channel-One-Project sollen neue Lösungen etwa für das interne Bestellwesen oder die Abwicklung von Kreditanträgen ausschließlich auf Intranet- und Browser-Technik basieren.

Ziel des Vorhabens ist in erster Linie ein Ende des Papierkriegs zwischen den Filialen und der Hauptstelle, was prinzipiell auch mit den Mitteln klassischer Workflow-Lösungen zu erreichen gewesen wäre. Die Verwendung von Internet-Standards soll darüber hinaus zu einer einheitlichen Oberfläche auf den unterschiedlichen Front-ends und zur Einbindung von Kunden in das Formularwesen führen. Äußerst optimistisch zeigen sich die Banker bezüglich der Rationalisierungspotentiale. Allein die Umstellung des bislang manuell betriebenen Bestellwesens für Büromaterial, Schalterraumausstattung und DV-Equipment soll in diesem Jahr acht Millionen Mark einsparen.

Derartige Projekte beschränken sich bislang noch auf Spezialanwendungen wie hier das Bestellwesen. Eine auch als Production-Workflow bezeichnete komplexe, aber stark strukturierte Vorgangsbearbeitung, wie sie beispielsweise in der Versicherungswirtschaft üblich ist, läßt sich dagegen nicht ohne weiteres mit Internet-Techniken abbilden. Dies gilt auch für Dokumenten-Management-Systeme (DMS), deren Web-Funktionen sich derzeit noch auf die Browser-basierte Darstellung von HTML-Seiten beschränken. Möglich ist allenfalls der Zugriff auf Einzeldokumente. Um die darin enthaltenen Informationen jedoch gezielt in eine Workflow-gestützte Sachbearbeitung einzubinden, fehlen noch die Mittel.

Laut Ulrich Kampffmeyer, Vorsitzender des Verbands Optischer Informationssysteme (VOI) und Chef der Hamburger Project Consult GmbH, liegt die Herausforderung für DMS- und Workflow-Anbieter darin, über den reinen HTML-Präsentationsstatus hinaus vollständige Client-Anwendungen auf Basis von Java-Applets und Web-Casting-Strategien zu entwickeln. Gemeint ist damit, daß nicht nur der Zugriff auf Dokumente möglich wird, sondern auch deren automatisierte Verteilung etwa im Rahmen definierter Geschäftsprozesse. Dieses als Push-Ansatz bezeichnete Verfahren ist typisch für einen strukturierten Workflow und unterscheidet ihn von Groupware-Anwendungen.

Weshalb die Umsetzung derartiger Techniken für das Web keineswegs trivial ist, läßt sich an den komplexen Mechanismen erkennen, die im Hintergrund der Vorgangsbearbeitung ablaufen. So muß die personalisierte Zuweisung von Dokumentenmappen (Posteingangskörbe) unterstützt werden, dazu kommen Check-in/ Check-out-Verfahren für Dokumente, Berechtigungen für deren Bearbeitung mit gleichzeitiger Versionsverwaltung und das Workqueue-Management.

Lokale Netze mit PC-Arbeitsplätzen erlaubten den Herstellern bislang, viele dieser DMS- und Workflow-Funktionen aus Performance-Gründen lokal am Front-end zu halten. Die mit dem Internet beziehungsweise Intranet propagierten schlanken Netzcomputer erfordern dagegen eine Verlagerung der genannten Kontrollmechanismen auf den Server.

Hier sollen demnächst Java-Applets beziehungsweise Javabeans greifen, in denen die ursprünglich ausgelagerte Client-Logik vorgehalten wird. Ein wesentliches Problem dieser Technik bestand laut Kampffmeyer bislang jedoch darin, daß die in einem Browser ablaufenden Applets keine kontrollierte Programm-zu-Programm-Kommunikation zuließen: Die Systeme für strukturierten Workflow und Dokumenten-Änderungs-Management verloren die Kontrolle über ein in ein Applet eingebundenes Dokument, sobald dieses etwa an Winword übergeben wurde.

Alternativ bietet sich zwar Active X an, die Microsoft-Objekttechnik verursacht jedoch bei den in diesem Anwendungssegment üblicherweise hohen Workqueues deutliche Performance-Verluste. Auftrieb schaffen für DMS- und Workflow-Anbieter die kommenden Features des Java Development Kits (JDK) und der Active-X-Bridge, die eine Einbindung von Java-Komponenten in OLE-Container erlaubt.

In diesem Jahr sind deshalb noch einige Fortschritte bei Workflow- und DMS-Lösungen zu erwarten. Die Architektur der neuen Produktgeneration ist bei den verschiedenen Anbietern weitgehend ähnlich strukturiert. Das Back-end bildet ein proprietäres Repository des Herstellers, das die zentralen Steuerungs- und Verwaltungsmechanismen sowie eine Indexdatenbank enthält. Der Rest entspricht den üblichen Internet-Standards: Ein zwischen Host und Front-ends (Browser, Windows, Terminals etc.) eingeschobener HTTP-Server beziehungsweise ein zusätzlich installierter API- und Methoden-Server übernehmen künftig die Applets sowie die Schnittstellen für die Funktionsaufrufe der Remote Procedure Calls (siehe dazu auch obenstehenden Artikel mit Grafik).