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08.06.1979 - 

Kompaktcomputern auf Mikroprozessor-Basis haftet noch das Spielzeug-Image an:

Erstanwender-Markt: Personal Computer contra MDT

08.06.1979

MÜNCHEN (de) - Computer für den persönlichen Gebrauch oder "Personal Computer", wie sie im Englischen heißen, sind mit dem Image des ..Bastelcomputers" behaftet. Da herrscht die Vorstellung, es handle sich um Steckkarten-Kits mit Montage-Anleitung - eine Art Lego für private Computer-Fans. Logisch, daß dieses Bild die Marktchancen der Kompaktrechner auf Mikroprozessor-Basis im kommerziellen Bereich beeinträchtigt hat. Doch jetzt schicken sich die Anbieter von "Personal Computern" an, neue Märkte zu erobern. Sie sehen bei Klein- und Mittelbetrieben, aber auch bei dezentralen Organisationen "ein weites Feld". Hier gilt es gegen die Mittlere Datentechnik (MDT) und gegen die RZ-Dienstleister Flagge zu zeigen,' was bei der bekannten Stärke dieser Konkurrenten auf dem Software-Sektor nur bedeuten kann: Die Anbieter von "Personal Computern" messen schnellstens Anwendungsprogramme für die wichtigsten Aufgabengebiete der genannten Zielgruppen entwickeln. Zur aktuellen Marktsituation hat die COMPUTERWOCHE eine Reihe von Anbietern befragt.

Dieter Fette

1) Wie definieren Sie den Begriff "Personal Computer"?

2) Dem "Personal Computer" haftet das Image an, Spielzeug für Bastler zu sein.

Beschränkt dieses Image die Entwicklung des "Personal Computers"?

3) Ist der "Personal Computer" so verbreitet, wie er es verdient?

4) Wie beurteilen Sie die Marktentwicklung in der Bundesrepublik (Fünf-Jahres-Zeitraum: Umsatz, Stückzahlen).

5) Ist es sinnvoll, den "Personal Computer" als dedizierten Arbeitsplatzcomputer in Klein- und Mittelbetriebe sowie in Großunternehmen einzusetzen? (MDT-Konkurrenz!)

6) Wo sehen Sie die Anwendungsschwerpunkte des "Personal Computers"?

7) Gestandene EDV-Leute argumentieren gegen "Personal Computer": Das Blech ist billig, die Software schwach. Stimmt diese Behauptung?

Christa Schiemer

Data Logic, Frankfurt

zu 1) Alle Computer unter 4000 Mark

zu 2) Nur zum Teil

zu 3) Noch nicht

zu 4) Das wäre Prophetie

zu 5) Ja

zu 6) Siehe Punkt 5

zu 7) Ja, zum Teil. Blech ist billig. Software wird stärker.

Verkaufsleiter OEM und Großkunden Logabax Datensysteme, Frankfurt

zu 1) Ich glaube, daß der "Personal Computer" von den Kunden noch weitgehend mit dem Hobby-Computer gleichgesetzt wird. Unser Modell LX 500 stufe ich nicht unbedingt als "Personal Computer" ein. Wir sehen ihn eigentlich ausschließlich für kommerzielle Anwendungen.

zu 2) Ja, das glaube ich. Wenn Sie solche Computer wirklich für kommerzielle Anwendungen einsetzen wollen, können Sie keinen Bastelcomputer gebrauchen, weil der schon von der Zuverlässigkeit her nicht dem entspricht, was von den Kunden gefordert wird. Es gibt zwar eine Unmenge von "Personal Computern", die von Bastlern zusammengesteckt werden. Da sieht keiner aus wie der andere - das heißt, intern werden ständig andere Chips, andere Karten verwendet - und ich glaube nicht, daß das eine Basis ist, um solche Geräte kommerziell vertreiben zu können.

zu 3) Nein, das glaube ich nicht. Aber ich meine, daß die Kunden inzwischen unheimlich wach geworden sind und nicht mehr einfach hingehen und irgendein MDT-Gerät kaufen, sondern daß sie sich auch schon von der Hardware her informieren, was es da so gibt. Und wenn Sie dann in der Lage sind, eine vernünftige Software zu bieten, dann haben Sie ein unheimlich weites Feld. Dann kommt es nur noch darauf an, die entsprechenden Vertriebskanäle aufzubauen. Wir haben das so gemacht, daß wir dieses Gerät anfangs ausschließlich an Softwarehäuser vergeben haben. Diese Softwarehäuser haben praktisch die Basis für den Vertrieb geschaffen. Ohne Software ist dieses Gerät Oberhaupt nicht zu verkaufen, denn sonst bieten Sie natürlich alle Ansatzpunkte für Kritik: Daß Sie zwar in der Lage sind, ein wunderbares Gerät anzubieten, aber keine Software.

zu 4) Das ist sehr, sehr schwer, da Prophet zu spielen. Aber ich glaube, daß in diesem Bereich die Zahlen, die auch von den Mitbewerber angegeben worden sind, sehr realistisch sind. Ich denke da an 10 000 bis 15 000 Stück pro Jahr.

zu 5) Da gibt es eine Marktlücke, die noch nicht ausgefüllt wird. Nämlich kleine Kunden, die bisher zum Beispiel Buchungsmaschinen eingesetzt haben - und zwar für einen ganz bestimmten Bereich. Aber alle Geräte, die jetzt noch für diesen Bereich eingesetzt werden, sind praktisch gar nicht in der Lage, eine vernünftige Buchhaltung zu machen.

zu 6) Die Anwendungsschwerpunkte liegen zum Beispiel in der Fakturierung und in Auskunftssystemen, also automatisierte Karteien, die die Möglichkeit geben, mal schnell etwas zu finden, was man mit einer normalen Kartei nicht hat. Die Anwendungsschwerpunkte werden sicherlich auch auf Gebieten liegen, an die wir noch gar nicht denken. Die könnten zum Beispiel auch in großen Unternehmen liegen, etwa die Eingangskontrolle beim Pförtner oder solche Dinge. Da gibt es Hunderte von Anwendungen. Ich finde, der "Personal Computer" ist immer dann interessant, wenn er nicht unbedingt große Datenmengen verarbeiten und nicht unbedingt an eine Groß-EDV angebunden werden muß.

zu 7) Das kommt auf den Vertriebsweg an. Wenn Sie so verkaufen, daß Sie sagen: Hier haben Sie die Hardware und nun sehen Sie zu, was Sie damit manchen, dann ist dieser Einwand ohne Weiters richtig. Aber da diese "Personal Computer" in Basic programmiert werden können, gibt es keinen Unterschied mehr zu der unteren Grenze der MDT-Geräte.

Heinz Mittof

Elektron, Weikersheim

zu 1) Unserer Meinung nach wird dem Begriff "Personal Computer billiges Konsumgerät als Heimcomputer verstanden. Dies bedeutet eine Konsumware, für die keine hohen Qualitätsnormen eingehalten und keine ergonomischen Gesichtspunkte berücksichtigt werden, kein Dauerbetriebseinsatz gewährleistet und keine Wartung vor durchgeführt werden kann.

Gleichzeitig besteht keine Kompatibilität zu höherwertigen Geräten, Ausbaufähigkeit und keine hochwertigen Peripheriegeräte und keine schlußmöglichkeit an Computersysteme Wir produzieren daher keine "Personal Computer" im obengenannten Sinn, sondern nur Stand-alone-Terminals mit all den Eigenschaften, die zur Negativbegrenzung zum "Personal Computer" oben aufgeführt worden sind. Die Preisgestaltung unseres Stand-alone-Computers läßt jedoch zu, daß damit auch der Bedarf befriedigt wird bei Leuten die regelmäßig hochwertige Konsumgeräte kaufen.

zu 2) Wie oben definiert, resultiert sicherlich aus dieser Definition des "Personal Computers" das entsprechende Image, "ein Spielzeug" für den Bastler zu sein. Es ist deshalb notwendig, bei der Verwendung zwischen Konsum- und höherwertigen Geräten zu unterscheiden und damit dem Verbraucher eine Hilfestellung für die Auswahl zu geben.

zu 3) Betrachtet man den "Personal Computer" in der erweiterten Definition wie oben angeführt, ist es sicherlich notwendig, ihn weiter zu verbreiten als es heute der Fall ist.

zu 4) Aus unserer Sicht wäre es unseriös, eine Marktentwicklung abzuschätzen, bevor hier weitergehende Untersuchungen vorgenommen werden. Über den Heimcomputer als Billigcomputer (eine Ware mit kurzfristiger Lebensdauer) gibt es kühne Hochrechnungen von über 160 000 Stück pro Jahr. Betrachtet man dabei seriöse Schätzungen bei Diebold, kommt man zu ganz anderen Hochrechnungszahlen (für hochwertige Terminals). Sicherlich ist wesentlich, daß die Bedarfsdeckung in den nächsten Monaten und Jahren vorangetrieben wird.

zu 5) Aus unserer Sicht wird das Stand-alone-Terminal seinen Platz in den Mittelbetrieben als auch bei speziellen Arbeitsplätzen in Großbetrieben finden, da es sehr vielseitig eingesetzt werden kann. Angefangen vorn reinen Bildschirmterminal (angeschlossen an die großen EDV-Anlagen) bis zum groß aufgerüsteten Terminal mit Floppy Disk, Platten, Drucker etc. Einen Hauptschwerpunkt sehen wir jedoch zum Beispiel im Bereich der Ausbildung bei Schulen, Universitäten und Betrieben (dafür verwenden wir unseren SC 1 als Stand-alone-Terminal in der Sprache Basic als Standard und höherwertigen Sprachen in der Entwicklung) bei Freiberuflern.

N. N. Siemens AG, München

zu 1) Personal-Computer = Computer, welcher für den persönlichen Einsatz sowohl örtlich als auch zeitlich zur Verfügung steht.

Außerdem ist dieser Computer so preiswert, daß die Anschaffung keine ausschlaggebende Investition . darstellt und keine Organisationsumstellung bedingt.

zu 2) Der Personal-Computer wurde ohne Zweifel mit der Zielrichtung "privater Einsatz" (hauptsächlich für Hobbyisten) in den USA gestartet.

Daraus haben sich jedoch ernsthafte Anwendungsfälle für beruflichen und industriellen Einsatz sowie als Kleincomputer für die dezentralisierten DV-Anwendungen ergeben. Dies erlaubt eine Rationalisierung von vielen Arbeitsgängen und beweist damit die Attraktivität der Mini-DV. Dieser Trend wird zu einer enormen Steigerung des Einsatzes von Personal-Computer führen. Eingeschränkt wird diese Entwicklung nur durch die schnelle Verfügbarkeit spezieller Software.

zu 3) Nein, die Anwendung wird rapide steigen, so bald sich die Potenz dieser Maschinen herumgesprochen hat und die Leute lernen, mit diesem Werkzeug zu arbeiten.

zu 4) Die Marktentwicklung in Europa wird nur mit geringer Verzögerung (1 bis 2 Jahre) dem Trend in den USA folgen.

zu 5) Aufgrund der Preiswürdigkeit des Personal-Computers wird er sich besonders in Klein- und Mittelbetrieben bezahlt machen, da er als dezentralisierter Rechner keine Organisationsumstellung und die dafür notwendigen hohen Kosten verursacht und die EDV in kleinen Schritten bei Bedarf entsprechend eingeführt werden kann.

zu 6) Anwendungsschwerpunkte werden meist im technischen und kommerziellen' Bereich entstehen, gefolgt von Aus- und Weiterbildung jeder Art.

zu 7) Gestandene EDV-Leute haben recht, wenn sie die Schwierigkeit mit der speziellen Software ansprechen. Da die Erstellung der Software derzeit wesentlich teurer kommt als Hardware. Aber es wird sich, wie das billige Taschenbuch, eine billigere Software durchsetzen (mehr standardisierte Software als bisher in Form von Massenprodukten).

Harald Speyer

Commodore Büromaschinen GmbH, Neu Isenburg

zu 1) Der Begriff "Personal Computer", zu deutsch persönlicher Computer, beinhaltet ein weites Feld von Anwendungsmöglichkeiten. Es ist mit diesem Begriff absolut nicht der "Heimcomputer" gemeint, sondern, daß der "Personal Computer" am Arbeitsplatz (oder auch unter Umständen zu Hause) unabhängig von der Zentral-EDV eingesetzt wird.

zu 2) Das Image eines "Spielzeugs für Bastler" resultiert in Deutschland in erster Linie aus der Begriffsverwechslung: "Personal Computer" gleich "Heimcomputer".

zu 3) Mikrocomputer im allgemeinen sind heute schon ziemlich weit verbreitet. Längst jedoch sind nicht alle Bereiche eines möglichen Einsatzes erfaßt.

zu 4) Hierbei kann man nur auf verschiedene ausländische Marktstudien verweisen. Diese Studien prognostizieren allein für die Bundesrepublik Deutschland einen Bedarf von einer Million Mikrocomputer bis zum Jahr 1990. Die Umsatzerwartung beziehungsweise Stückzahlen sind außerordentlich schwierig vorherzusagen. Es können jedoch von Jahr zu Jahr erhebliche Steigerungsraten erwartet werden.

zu 5) Es ist absolut , sinnvoll "Personal Computer" in Mittel- und Großbetrieben als Arbeitsplatz-Computer einzusetzen. Es gibt genügend Bereiche, in denen MDT oder Groß-EDV zu unflexibel oder zu teuer sind. In Klein- bis Mittelbetrieben kann ein "Personal Computer" mit entsprechender Peripherie die alleinige EDV-Anlage sein.

zu 6) Neben den Möglichkeiten als Arbeitsplatz-Computer kristallisieren sich die Bereiche Ausbildung (Schule und Universitäten) und Kleinbetriebe heraus.

zu 7) Wer verliert gerne seinen Glorienschein?

Norbert Steinbach

Geschäftsführer der Infodata GmbH, Kassel

zu 1) "Personal Computer" bedeutet "persönlicher Computer". Man will damit andeuten, daß durch Einsatz der heutigen preiswerten Mikroprozessor-Technologie jeder Einmann-Betrieb oder jede Abteilung eines Konzerns ein eigenes Computersystem einsetzen kann.

zu 2) Das Image "Haushaltscomputer" ,oder "Computer f& Bastler" ist bewußt in den Markt hineingeraten worden. Man hat durch diese Provokation das Computer-Image auf eine niedrige Stufe heruntergehoben. Jetzt, da Floppy Disk-Speicher und in aller Kürze 10-40 MB Magnetplattenspeicher angeschlossen werden, geht man zu Dumping-Preisen in den typischen MDT-Markt. Das Image "Haushaltscomputer" oder "Computer für Bastler" wird durch gezielte Werbemaßnahmen seit der Hannover-Messe 1979 und vor allem durch Installationen von Standardsoftware (Fakturierung, Finanzbuchhaltung mit Mahnwesen sowie Lohn- und Gehaltsbuchhaltung) automatisch auf ein anderes Niveau gebracht.

zu 3) Eindeutig ja.

zu 4) Zur Zeit werden pro Monat zwischen 500 und 1000 "Personal Computer" in der Bundesrepublik installiert. In fünf Jahren dürften es pro Monat 2000 Stück sein ' das bedeutet einen Umsatz zwischen 10 und 20 Millionen Mark.

zu 5) Ja, wenn der Interessent überwiegend Standardsoftware mit geringfügigen Anpassungen einsetzt. Im anderen Fall wild die MDT aufgrund ihrer höheren Hardware-Spanne diese Aufträge entgegennehmen.

zu 6) in den ersten Jahren (bis 1978) in Schulen, Instituten und Ingenieurbüros. Im technisch-wissenschaftlichen Einsatz und in der Ablösung von Fakturiermaschinen. Ab 1979 im typischen MDT-Markt. Ab 1980 in Konzernen, da bis dahin Datenträger-Kompatibilität gewährleistet ist.

zu 7) Gestandene EDV-Leute argumentieren nur dann gegen den "Personal Computer", wenn sie sich nicht die Mühe gemacht haben, gemeinsam mit Hard- und Software-Spezialisten den "Personal Computer" kennenzulernen. Wir haben durch kommerzielle Peripherie aus dem "Personal Computer" eine MDT-Anlage gemacht.