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Kleinsysteme und Individualsoftware:

Erstanwender unterschätzen das Kostenrisiko

21.12.1979

"Der EDV-Neuling überschaut den Markt der Standardpakete nicht" sagt Harald Weiß, Leiter des Bereichs "Anwendersoftware" bei Dietz Computersysteme, Mülheim. Systemhäuser und Hersteller sollten deshalb Bibliotheken bereitstellen, mit denen es möglich sei, individuelle Applikationen durch Verknüpfung von Unterbausteinen zusammenzustellen. Der folgende Weißbeitrag ist dem Dokumentationsband "Namen-Daten-Themen" zur "Systems 79" entnommen.

Bereits heute wird eine Vielzahl von Kleinsystemaufgaben mit Individualsoftware gelöst. Will man diese auf den ersten Blick unwirtschaftliche Vorgehensweise analysieren, so fallen zunächst zwei vollkommen unterschiedliche Anwendergruppen auf;

- Großbetriebe mit starken zentralen EDV-Abteilungen, welche die Kleinsysteme im Vorfeld innerhalb der Fachabteilungen oder für Prozeßaufgaben einsetzen.

- Kleine und mittlere Betriebe, die mit der Anschaffung eines Minicomputers in die hauseigene EDV-Anwendung einsteigen.

Obwohl Großbetriebe sehr oft spezielle Individualsoftware für ihre Minis entwickeln, ist diese Softwareentwicklung eigentlich keine Individualsoftware. Fast immer wird sie innerhalb des I Betriebes mehrfach eingesetzt und erreicht sehr oft einen Vervielfältigungsgrad, der weit über dem liegt, was Softwarehäuser für ihre Standardpakete erwarten können. Echte, das heißt nur einmal eingesetzte Individualsoftware tritt im Zusammenhang von Kleinsystemen fast ausschließlich bei Klein- bis Mittelbetrieben auf.

Und das sind die immer wiederkehrenden Gründe:

þDer EDV-Neuling überschaut den Markt und die Leistungsfähigkeit der Standardpakete nicht. Erst recht nicht, wenn ihm nirgends das exakt passende gezeigt wird, sondern erst noch Anpassungen fällig sind.

þDie mittelständische Industrie lebt von ihrer organisatorischen und fertigungstechnischen Flexibilität. Ein solcher Unternehmer fragt sich, ob eine Standardsoftware schnell genug umgestellt werden kann, und ob er dann schnell genug Unterstützung vom Lieferanten erhält.

þPflege und Wartung der Standardsoftware kann zwar vertraglich garantiert werden. Die Kapazität des Lieferanten ist auch nur begrenzt, und bei allgemeinen Änderungen (zum Beispiel bei Gesetzesänderungen) werden vermutlich die Großbetriebe zuerst bedient.

þWenn mit dem Kleinsystem der Einstieg in die EDV gemacht wird, so ist es notwendig, daß der Anwender EDV-Know-how erhält, um spätere Aufgabenerweiterungen selbst durchführen zu können. Kommt nur Standard-Software zum Einsatz, so verlangsamt sich der notwendige Lernprozeß erheblich. Der Anwender bleibt eigentlich "Standardsoftware-abhängig".

þBenutzen auch die Techniker das neue System, so gibt es nur wenig brauchbare Standardsoftware. Bei fast allen Prozeßdatenverarbeitungen, oder wenn bestimmte technische Peripherie ç anzuschließen ist, müssen Individuallösungen erstellt werden. Hier ist noch ein weites Arbeitsfeld für Systemhäuser und Hersteller, um mit Hardware- und vor allem Softwarehilfen die Erstellung der notwendigen Programme zu beschleunigen.

þEbenfalls im technischen Bereich gibt es das Problem der Produktgeheimnisse. Hier bleibt dem Anwender nichts anderes übrig, als selber zu programmieren oder eine Standardsoftware selber anzupassen.

Insgesamt kann man bei den heutigen Kleinsystemanwendern eine große Aufgeschlossenheit bezüglich des Einsatzes von Standardsoftware feststellen. Hierbei spielt schon der Preis eine entscheidende Rolle. In vielen Fällen können die Standardpakete jedoch (noch?) nicht alle in der betrieblichen Praxis auftretenden Sonderfälle ausreichend berucksichtigen.

Hilfreich wäre es, wenn Systemhäuser und Hersteller ihren Lieferumfang von Software-Hauptprodukten verstärken würden. Das bedeutet das Bereitstellen von Bibliotheken, mit denen es leicht möglich ist, sich eine individuelle Applikation durch entsprechende Verknüpfung von Unterbausteinen zusammenzustellen. Dieses wäre ein sinnvoller Brükkenschlag zwischen der (für den Benutzer) unantastbaren Standardsoftware und dem komplett selbst erstellten Programm - denn fast alle Erstanwender unterschätzen die erheblichen Kosten- und Zeitrisiken einer eigenen Softwareentwicklung.