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29.09.1995

Erste Eindruecke von Visual Basic 4.0 OCX-Elemente sollen Anwender zur Component-Software fuehren

Von Michael Matzer*

Mit der neuen Version 4.0 des Entwicklungswerkzeugs "Visual Basic" gibt Microsoft den Startschuss fuer die Fliessbandproduktion von anwenderspezifischen Applikationen: Standardisierte OLE- Komponenten von Drittanbietern lassen sich zu kompletten Anwendungen zusammenbauen. Visual Basic (VB) bildet dafuer gleichermassen das Geruest und die Werkbank. Allerdings sind VB- Anwendungen weiterhin auf Interpreter-DLLs angewiesen und langsamer beziehungsweise groesser als Exe-Programme.

Visual Basic 4.0, das im Laufe dieses Monats auf den Markt kommen soll, wird es in drei Ausfuehrungen geben: Standard, Professional und Enterprise. Wie in frueheren Versionen umfasst die Professional- Edition mehr Steuerelemente als die Standardvariante, die sich eher fuer den Gelegenheitsprogrammierer und Einsteiger eignet. Die Enterprise-Edition ist auf Entwicklerteams in grossen Unternehmen zugeschnitten. Die beiden Profiversionen beinhalten volle Unterstuetzung von ODBC 2.0 und OLE-Automation als Server sowie eine neue Version des Report-Moduls "Crystal Reports".

Darueber hinaus bietet die Enterprise-Edition noch das Hilfsprogramm "Source Safe" zur Versionskontrolle, mit dem die Mitglieder einer Entwicklergruppe ihre Taetigkeit koordinieren koennen. Des weiteren stehen hier verschiedene Tools zum Fernzugriff auf Quellcode-Komponenten in Netzen zur Verfuegung: "Remote Data Control" ueber ODBC (optimiert fuer SQL-Server und Oracle), ein "Data Explorer" und ein Zugang zu Remote-Automation- Techniken. Damit sollen Unternehmensentwickler die Aktualisierung von Applikationen zentral vornehmen koennen.

Das Produkt ist als 32-Bit-Anwendung ausgelegt, so dass sich Applikationen fuer Windows 95 und NT 3.51 sowie fuer Office 95 und Back Office entwerfen lassen. In den beiden Profi-Editionen befindet sich ausserdem eine Version zur Entwicklung von 16-Bit- Anwendungen. Die Sprache von VB umfasst nun auch bedingte Kompilieranweisungen, so dass man nur einen Satz Quellcode sowohl fuer die 16- als auch fuer die 32-Bit-Code-Erzeugung braucht. Die integrierte Entwicklungsumgebung (IDE) ist zu einem programmierbaren Objekt geworden, das sich per OLE-2.0-Automation steuern laesst. Dieses Objekt ist offen fuer IDE-Erweiterungen wie CASE-Werkzeuge und Formularentwurfs-Tools, die von Drittanbietern kommen.

Mit der OLE-Orientierung geht auch der Wechsel von VBX (VB- Steuerelementen) zu OCX (OLE-Steuerelementen) einher. Es ist bereits abzusehen, dass der Rest der Industrie diesem Umschwung folgen wird. OCX-Elemente lassen sich beliebig in 16- und 32-Bit- Umgebungen einsetzen. Jedes der urspruenglichen VB-Steuerelemente, etwa fuer Beschriftungen, Textrahmen und Rollbalken, ist durch ein gleichwertiges OCX-Pendant ersetzt worden. Beim Oeffnen einer VB- 3.0-Anwendung in VB 4.0 fordert das System den Entwickler zur Bestaetigung auf, ob die VBX-Bausteine ersetzt werden sollen.

Wer unter Windows 95 arbeiten will, erhaelt Zugang zu den Plug-and- play-Ereignissen ueber das neue Steuerelement "System Info". Ueberhaupt lassen sich die GUI-Komponenten von Windows 95 ohne weiteres fuer eigene Applikationen nutzen. Diese laufen dann auch unter NT, wobei vorerst noch die GUI-Strukturen von Windows 3.x beibehalten werden. Der Zugriff auf die neue NT-Technology-Shell mit GUI-Elementen von Windows 95 ist aber moeglich. Das Programm enthaelt eine Dialogbox mit einer Liste aller registrierten OCX- Elemente eines Systems.

Um Visual Basic ebenso fit fuer Datenbank-Anwendungen zu machen, wie es Borlands "Delphi 96" (ab Januar 1996) sein soll, enthaelt es die neue Jet-Datenbank-Engine von Microsofts "Access 95". Zu den Features gehoeren unter anderem Transaktionsverarbeitung, beschleunigte Abfrage (Rushmore-Technik), Datenreplikation, File- Locking, auf- und absteigendes Aktualisieren beziehungsweise Loeschen sowie referentielle Integritaet.

Waehrend es in Visual Basic 3.0 moeglich war, OLE-Automationsobjekte aus Programmen wie MS-Excel zu steuern, erlauben es die Profivarianten von Release 4.0, OLE-Automations-Server zu erzeugen, die ihre Funktionen auch anderen OLE-faehigen Programmen zur Verfuegung stellen. Diese Server lassen sich entweder als In- Process oder Out-of-Process definieren. In-Process-Server sind DLLs (Dynamic Link Libraries), die im gleichen Programmprozess laufen wie der OLE-Client, der sie verwendet. Out-of-Process- Server sind ausfuehrbare Dateien, auf die jedes Programm zugreifen kann, das zu OLE-Automationsaufrufen in der Lage ist. Die Enterprise-Edition geht noch einen Schritt weiter. Sie ermoeglicht es, per Remote Control beispielsweise ueber ein Netzwerk (via IPX, Netbeui oder Named Pipes) auf Out-of-Process-Server zuzugreifen. Damit laesst sich auch die Anwendungsaktualisierung durch den Austausch eines Softwaremoduls per WAN realisieren.

Obwohl die Erzeugung von OLE-Automation-Servern nicht gerade trivial ist, kann man diese Technologie mit Hilfe von Visual Basic 4.0 schneller und einfacher begreifen, als dies mit anderen Entwicklungswerkzeugen moeglich ist. Das Verfahren zur Erzeugung eines OLE-Automation-Servers und dessen Plazierung in einem Netzwerk duerfte zudem die Art und Weise veraendern, wie kuenftig Windows-Programme geschrieben werden. Die remote erreichbaren OLE- Automation-Server erlauben es dem Entwickler, Drei-Ebenen- Applikationen zu erstellen, in denen die Business-Rules des jeweiligen Unternehmens zwischen Client und Datenbank-Server eingefuegt werden. Diese isolierten "Business-Services" sind es, fuer die sich kuenftig wiederverwendbare und standardisierte Komponenten programmieren lassen.

Noch kein Multithreading

Trotz aller Staerken, es gibt auch Schwachstellen in Visual Basic 4.0. Um die Anwendungen ausfuehren zu koennen, wird immer noch ein Runtime-Interpreter - die klassische VBRUNx00.DLL - benoetigt. Dadurch werden die Programme recht gross und unhandlich in der Distribution sowie langsamer als Exe-Datei. Unbequem ist auch die Separierung der 16-Bit- und der 32-Bit-Version, anstatt beide Moeglichkeiten in einem Release zusammenzufuehren. Mit VB 4.0 lassen sich noch keine Multithreaded-Anwendungen entwickeln, obwohl Windows 95 wie auch NT diese unterstuetzen.

VB erfordert 6 bis 8 MB RAM (16 MB unter Windows NT) sowie eine Festplattenkapazitaet zwischen 20 MB (Minimum), 60 MB (Standard, Professional) und 80 MB (Enterprise). Der Preis-Range reicht von 400 bis zu 2070 Mark (fuer die Enterprise-Edition sind noch keine Preise bekannt). Damit ist VB 4.0 nur halb so teuer wie Borlands "Delphi Client/Server" oder Oracles "Powerobjects Network Edition". Zur Profi-Version ist ein OLE-Developers-Kit erhaeltlich.

*Michael Matzer ist freier Fachjournalist in Herrsching bei Muenchen