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21.11.1997 - 

Sasktel berichtet über kommerzielles Projekt in Kanada

Erste Ideen für Anwendungen von ADSL nehmen Gestalt an

Im allgemeinen Jubel über die Möglichkeiten, die ADSL angeblich eröffnet, ging bisher die Frage nach dem Nutzen für die Anwender beinahe unter. Immer wieder beschwören Hersteller, Berater und Carrier die Verwendung der breitbandigen Übertragungstechnik als Zugangsmöglichkeit zum Internet und für Telearbeiter, lassen dabei aber konkurrierende Technologien wie ISDN oder Kabelmodems geflissentlich unter den Tisch fallen. Auch auf der Eutelis-Tagung in Düsseldorf war dies nicht anders, doch kamen wenigstens in puncto Anwendungen einige neue Ideen zum Vorschein.

So präsentierte beispielsweise Rolf Uhlig, Geschäftsführer der Presence Technology GmbH aus Drensteinfurt, Vorschläge für Spezialanwendungen. Die Start-up-Company hatte ihren Einstieg ins Geschäft mit ISDN und multifunktionalen Endgeräten für die Technik gemacht. "In Einzelfällen reicht die Bandbreite von ISDN nicht", begründete Uhlig sein Interesse an ADSL. Seiner Meinung nach könnte das Hochgeschwindigkeits-Verfahren sich beispielsweise einen Platz in der Überwachung von Produktionsanlagen oder des Verkehrs sowie für die Zugangskontrolle in Unternehmen erobern. Das Prinzip wäre immer dasselbe: Eine Videokamera liefert Bilddaten an ein ADSL-Modem, das via öffentliches oder privates Netz mit einem Multimedia-PC verknüpft ist.

Als weitere potentielle Anwendung, der er selbst zuerst mit Skepsis begegnet sei, nannte er die Fernpflege und Notfallerkennung. "Ich traf aber auf eine aufgeschlossene ältere Frau, die in ihrem feinsten Kleid und mit hergerichteter Frisur auf den Videokontakt mit ihrem Pfleger wartete", schildert Uhlig seine Erfahrungen bei einem Besuch. In dem folgenden Gespräch sei es vor allem um die Bewältigung von Alltagsproblemen gegangen. Der Videokontakt erfülle aber auch durchaus eine soziale Funktion für die betreuten Menschen.

Ein Projekt, das Presence Technology schon auf Basis von ISDN in Angriff genommen hat, ist ein Touristikinformationssystem. "Die Qualität ist bisher nicht besonders gut", gibt Uhlig zu. Hier könnte die höhere Bandbreite von ADSL Abhilfe schaffen. Weitere Ideen betreffen die Sicherung von Parkhäusern und Banken. Bei einem Alarm werde heute im Foyer der Bank meist ein Videofilm in einer Kamera abgespult, erklärt Uhlig. Ob der Bankräuber dann auf dem Film sei oder nicht, hänge stark vom Zufall ab. Empfehlenswerter wäre daher eine ständige breitbandige Verbindung nach außen.

Besonders innovativ in Sachen Computer-unterstütztes Lehren und Lernen sind einige Universitäten. Allerdings basieren diese Angebote heutzutage noch nicht auf ADSL. So erfolgt der Zugang zum Online-Angebot der Fernuni Hagen über Breit- oder Schmalband-ISDN beziehungsweise Modem. Ergänzend werden CD-ROMs und Disketten genutzt.

Internet-Zugang für Privatkunden

Nach Angaben von Siemens sollen aber noch in diesem Jahr erste ADSL-Teilnehmer an ein Projekt für "Heavy Internet User" einer nordrhein-westfälischen Universität angeschlossen werden. Zu den geplanten Anwendungen gehören Internet- Zugang, Teleworking, Job- und Kontaktbörse, Spiele und ein Internet-Cafe.

Das Planungsstadium bereits hinter sich gelassen hat der kanadische Carrier Sasktel, der im November 1996 mit der Vermarktung des kommerziellen Dienstes "Sympatico High Speed" auf Basis von ADSL begann. Dabei handelt es sich um einen Internet-Zugangsdienst für Privatkunden. Der Service wird zunächst in zwei Ballungszentren angeboten. Berücksichtigt man die auf rund vier Kilometer begrenzte Reichweite von ADSL, liegen nach Angaben von Kelvin Sheperd, Chief Technology Officer bei Sasktel, rund 130 000 Haushalte im Zugangsbereich des Dienstes. Gegenwärtig bedient der Carrier Sasktel etwa 500 zahlende Kunden mit dem Internet-Zugang via ADSL, was zeigt, daß sich auch hier der Markt erst in einer frühen Phase der Entwicklung befindet. Der Carrier verwendet die ADSL-Produkte "FlexCAP" von Westell, die 1,5 Mbit/s downstream und 64 Kbit/s upstream zur Verfügung stellen, sowie 10BaseT-Ethernet-Interfaces beim Kunden und in der Zentrale. Die Einrichtung des Dienstes erfordert zwei Besuche beim Kunden: Beim ersten Besuch werden ADSL-Modem und POTS-Splitter (POTS = Plain Old Telephone Service) installiert, dann folgen die Ethernet-Karte und die Software auf dem PC, einschließlich Netscape Navigator.

Die Kunden äußerten sich laut Sheperd sehr zufrieden mit dem neuen Service, vor allem mit der Geschwindigkeit und der unbegrenzten Nutzungsdauer. Deswegen plant Sasktel verschiede- ne Erweiterungen des Dienstes. Zum einen sollen künftig auch Geschäftskunden angesprochen, zum anderen weitere Zentren erschlossen werden. Die Erfahrungen des kanadischen Carriers lassen sich nur partiell auf den deutschen Markt übertragen, da ISDN in Deutschland eine wichtigere Rolle spielt und nach Meinung von Experten die Liberalisierung in Kanada schon weiter fortgeschritten ist.