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05.03.1999 - 

Erste Nettoübersicht: Nachholbedarf in Frankreich - wenig ".com"-Adressen

Erste Nettoübersicht: Nachholbedarf in Frankreich - wenig ".com"-Adressen Experten sehen Konsolidierung bei den europäischen Domain- Zahlen

Marktbeobachter glauben, daß das Internet in Europa mittlerweile die kritische Masse für den erwarteten Erfolg von Electronic Commerce erreicht hat. Die Anzahl der nationalen Domains (beispielsweise mit der Endung ".de" für Deutschland) hat sich im letzten Jahr nochmals verdoppelt. Arthur Graaff gibt erstmals einen vergleichbaren Überblick der europäischen Domain- Landschaft auf Basis von Nettozahlen.

Nach Angaben von Ripe, dem europäischen Netzwerk- Koordinierungszentrum der Internet-Service-Provider (ISPs) mit Sitz in Amsterdam (www.ripe.net), stieg die Domain-Anzahl in den vergangenen zwölf Monaten von 415000 auf 830000 an. Das Wachstum hat sich damit verlangsamt. Im Vergleichszeitraum 1997 hatten sich die nationalen Domains noch verdreifacht. Diese Entwicklung spricht für eine gewisse Konsolidierung auf hohem Niveau: Im April erwarten die Experten eine Million registrierter Internet-Adressen in Europa. Alle Zahlen fußen auf den strengen Richtlinien von Ripe und wurden vom Autor mit den Angaben der nationalen Registrierungsstellen (NICs) verglichen. Reservierte, aber ungenutzte Domains wurden von der Gesamtzahl abgezogen, so daß der CW exklusiv erstmals vergleichbare Nettowerte vorliegen, die nicht auf unbestimmten Marktprognosen beruhen.

Das stärkste Wachstum an nationalen Domains konnte im Jahr 1998 Deutschland mit der Endung ".de" vorweisen. Hier stieg die Anzahl von gut 80000 auf über 205000 an. Mit einem Sprung von 75000 auf 140000 hält Großbritannien den zweiten Platz inne. Auf der Insel sind gleichzeitig mit mehr als 57000 die meisten ".com"-Domänen in Europa registriert. Experten rechnen nun mit einem Abflachen der Wachstumskurve.

Gleichwohl erwartet Christoph Mohn, CEO von Lycos Bertelsmann in Gütersloh, weiterhin einen substanziellen Anstieg der Domain- Zahlen. So sei die Anfrage nach persönlichen Homepages bei der Lycos-Community Tripod unerwartet groß. Allerdings glaubt auch Mohn, daß der Anstieg nicht mehr so hoch sein wird wie im letzten Jahr. Eine Ansicht, die auch der Bremer Statistiker Mario Hilgemeier vertritt. Die Flaute hängt teilweise damit zusammen, daß in großen Ländern wie Deutschland oder Großbritannien der Markt eine gewisse Sättigung aufweist. Andererseits besteht beispielsweise in Frankreich mit nur 30000 Domains ein großer Nachholbedarf. Damit liegen die Franzosen sogar noch weit hinter kleinen Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden. Frankreich kämpft immer noch mit der Migration des staatlichen Minitel- Systems auf das Internet.

Trotz allem wird die Zahl der in Europa registrierten Domains nach Einschätzungen der Ripe-Experten im April dieses Jahres die Millionengrenze überschreiten. Weltweit gibt es zur Zeit etwa fünf Millionen Domains, von denen wiederum ungefähr drei Millionen die Endung ".com" besitzen. In den zehn führenden Internet-Nationen Europas kommen derzeit annähernd 480 Einwohner auf eine Domain- Adresse. Dänemark liegt hier mit einem Verhältnis von eins zu 85 klar an der Spitze. In Deutschland teilen sich quasi 450 Menschen eine Internet-Adresse. Großbritannien holt nicht zuletzt durch die kostenlosen Zugangsangebote wie beispielsweise "Freeserve" stark auf. Obwohl die Zahl der neutralen ".com"-Endungen europaweit nicht einmal bei 200000 liegt, nutzen viele Firmen diese Adresse wegen der unkomplizierten Registrierung. Für nationale Endungen wie ".de" oder ".uk" müssen sie umständlich nachweisen, in dem jeweiligen Land einen legalen Sitz zu haben.

Arthur Graaff ist freier Journalist in Amsterdam.